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Wenn Frauen nach den Sternen greifen

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Nasa-Weltraum-Mission - Wenn Frauen nach den Sternen greifen

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Die Nasa macht es vor: Der erste rein-weibliche Außeneinsatz an der Raumstation ISS steht an. In Deutschland hingegen gibt es noch nicht einmal eine Astronautin.

US-Astronautin Christina Koch ist bei einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation (ISS) im Einsatz.
Der Genderbias in der Raumfahrt ist groß, dessen ist sich Claudia Kessler, Initiatorin und Geschäftsführerin von "Die Astronautin" sicher. (Symbolbild)
Quelle: christina koch/nasa/dpa

Der erste rein-weibliche Außeneinsatz an der internationalen Raumstation ISS steht bevor. Das Besondere? Der erste Versuch ist gescheitert, weil die Nasa keine zwei Raumanzüge in kleinen Größen hatte. Der Genderbias in der Raumfahrt ist groß, dessen ist sich Claudia Kessler, Initiatorin und Geschäftsführerin von "Die Astronautin", einer privat finanzierten Initiative zur Förderung von Frauen in der deutschen Raumfahrt, sicher. Es fehle einfach am Bewusstsein.

Raumfahrt "noch immer eine Männerdomäne"

Es gab bislang elf deutsche Männer im All, aber noch keine deutsche Frau und deshalb dürfen wir nicht noch weitere 20 Jahre warten, bis sich das ändert.
Claudia Kessler, Diplom-Ingeneurin für Luft- und Raumfahrt

Die USA sind an sich schon viel weiter als Europa. Auch wenn der Anzug-Lapsus der Nasa anderes vermuten lässt. "Es gibt in Amerika die Regel, dass der Frauen-Anteil im Astronauten-Korps bei 50 Prozent liegen muss", weiß Kessler. Zahlen, von denen man in Europa nur träumen kann. Hier zeigt sich, dass Frauen in der Raumfahrt noch nicht angekommen sind. "Es ist noch immer eine Männerdomäne", erklärt die Diplom-Ingenieurin für Luft- und Raumfahrt. Ihrer Meinung nach ist die Zeit einfach reif für die erste deutsche Astronautin: "Es gab bislang elf deutsche Männer im All, aber noch keine deutsche Frau und deshalb dürfen wir nicht noch weitere 20 Jahre warten, bis sich das ändert."

Klassisch werden Astronauten in Europa bei der ESA, der European Space Agency, ausgebildet. Interessierte Personen müssen dann nicht nur im richtigen Alter sein, sondern auch die passende Ausbildung und das geforderte Fitness-Level aufweisen, um sich bewerben zu können. Im Gegensatz zur Nasa, die alle zwei bis drei Jahre Ausschreibungen macht, schreibt die ESA sehr unregelmäßig Stellen aus. "Ich war zum Beispiel immer im falschen Alter, um mich zu bewerben - einmal zu jung, einmal zu alt, und zwischen diesen Daten lagen 20 Jahre und keine Ausschreibung", erinnert sich Kessler. Hinzu kommt, dass der Frauen-Anteil bei der ESA bei 20 Prozent liegt. Und die Quote weiblicher Bewerber ist nicht hoch. Dementsprechend haben es Frauen laut Kessler einfach schwerer, einen dieser wichtigen, zukunftsweisenden Jobs zu erhalten.

Kollektiver Stolz auf erste Astronautinnen

Dass es in der heutigen aufgeklärten Gesellschaft ein von privater Seite initiiertes rein-weibliches Raumfahrt-Programm gibt, zeigt, dass die Zeit dafür längst überfällig war: "Vor der Gründung der Initiative habe ich mit einigen gesprochen und die meinten, es gäbe keine geeignete Frau in Deutschland für solch ein Programm", erinnert sich Kessler. 400 Bewerberinnen, davon sechs, die das Zeug zur Astronautin hatten, und zwei, die jetzt trainieren, zeigen, dass es doch Potenzial gebe.

Die Initiative "Die Astronautin" will zeigen, dass auch Frauen nach den Sternen greifen können. Das Unterfangen wird durch Spenden realisiert, da sich die Bundesregierung, die normalerweise die Ausbildung deutscher Astronauten fördert, bislang nicht beteiligt. "Die erste deutsche Frau wird im Frühjahr 2021 nicht mit einer staatlichen Weltraum-Mission zur ISS fliegen, sondern durch einen kommerziellen Anbieter ins All gelangen", erklärt Kessler. Aber allein der Fakt, dass zwei Frauen derzeit zu Astronautinnen ausgebildet werden, mache Frauen in Deutschland stolz. Das Feedback erhält Claudia Kessler regelmäßig bei Vorträgen und Infoveranstaltungen: Das Gefühl von "eine von uns kann das auch und ist mit dabei" erfülle Frauen kollektiv mit Stolz.

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Weibliches Pendant zu Astro-Alex fehlt

In Deutschland ist das so ein Männerding und der Vorbild-Charakter für Frauen geht völlig verloren, weil sie keine Identifikations-Figur haben.
Claudia Kessler

Astronauten zu haben bedeutet für ein Land, ganz weit vorne bei Spitzenforschung und Innovation dabei zu sein. Auch das Prestige spielt eine Rolle. Astronauten zeigen, dass der Mensch alles erreichen kann. "In Deutschland ist das so ein Männerding und der Vorbild-Charakter für Frauen geht völlig verloren, weil sie keine Identifikations-Figur haben", fügt Diplom-Ingenieurin Kessler hinzu. Der Deutsche Alexander Gerst ist das Paradebeispiel eines Astronauten: ein großer, starker Mann. Aber das weibliche Pendant, das zeigt, dass auch eine Frau das leisten kann, was Astro-Alex im Weltall erlebt hat, fehlt bislang.

Nach seiner Rückkehr von der ISS zur Erde schildert Alexander Gerst wie das Leben auf der Raumstation war und wie er die Veränderungen unseres Planeten von der Raumstation aus beobachtet hat.

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17 min
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Frauen gehen an Frage- und Problemstellungen anders heran als Männer. Und, dass gemischte Teams effizienter sind, ist hinreichend bekannt. "Umso diverser und internationaler, desto effektiver und besser", betont die Diplom-Ingenieurin. Hinzu komme, dass der weibliche Körper in vielen Bereichen ganz anders aufgebaut sei als der männliche. "Das fängt an beim Gleichgewichtsorgan, geht über die Funktion der Augen, das Schweiß-Verhalten, Herz-Kreislauf, Hormone sowie Knochendichte und -abbau", so Kessler. "Über diese Dinge gibt es in Deutschland einfach keine Daten, weil diese hoheitlich sind." Deswegen profitierten die deutschen Frauen auch nicht von der Medizin in der Raumfahrt-Forschung.

Es ist zwar eine Weltsensation, dass zwei Frauen eine Außenmission an der ISS durchführen, aber amerikanische Frauen sind längst gleichberechtigt im All angekommen. "Wir müssen hier noch jede Menge aufholen und stehen auch in Europa ganz weit hinten", konstatiert Kessler. In Deutschland ist es einfach unnormal, dass auch Frauen den Weltraum erobern wollen. Die aktuelle Nasa-Mission hingegen zeigt, wohin die Reise gehen kann.

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