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Premiere in Hockenheim - Kann diese Serie Frauen im Rennsport stärken?

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Die "W Series" ist die erste Rennserie nur für Frauen und feiert in Hockenheim Premiere. Sie bietet guten Sport und zeigt vielversprechende Talente - ist aber nicht unumstritten.

w series - hockenheim
Jamie Chadwick (l.) und Marta Garcia bei der ersten W-Series-Siegerehrung in Hockenheim
Quelle: reuters

Sie waren eine Attraktion im Fahrerlager in Hockenheim an diesem Wochenende: Die 18 jungen Damen der "W Series" (W wie Women), die in diesem Jahr in 270 PS starken Formel-3-Autos in sechs Rennen ihre Beste ermitteln. Die Siegerin kann dann mit den 500.000 Euro Preisgeld den nächsten Schritt in ihrer Motorsportkarriere finanzieren – einen weiteren in Richtung Formel 1, wo es ja seit Giovanna Amati 1992 keine Frau mehr ins offizielle Starterfeld schaffte.

"In den letzten Jahrzehnten hat es für junge Mädchen und Frauen, die sich im Rennsport nach oben kämpfen wollen, zu wenig Unterstützung gegeben, das wollen wir jetzt ändern", sagt David Coulthard, Ex-Formel-1-Pilot und einer der Mitinitiatoren der neuen Rennserie. "Bei uns bekommen sie die Chance, sich und ihr Talent zu präsentieren und potenzielle Sponsoren auf sich aufmerksam zu machen."

Kritik an neuer Rennserie                                  

Ich will immer gegen die Besten fahren und mich letztlich auch gegen sie durchsetzen.
Sophia Flörsch, Rennfahrerin

Trotz dieses durchaus einleuchtenden Konzepts gab es schon vor dem Start einige Kritik. Interessanterweise ausgerechnet von Fahrerinnen, die es bis jetzt schon "allein" relativ weit im Rennsport brachten, wie früher Ellen Lohr oder jetzt Sophia Flörsch. Sie sind strikt gegen die neue Serie, sehen eine Einbahnstraße oder gar Diskriminierung, bestehen darauf, sich immer und unter allen Bedingungen auch mit den Männern messen zu wollen. "Ich will immer gegen die Besten fahren und mich letztlich auch gegen sie durchsetzen", betont Flörsch, die im November 2018 durch ihren spektakulären Formel-3-Crash in Macao Schlagzeilen machte.

Tatjana Calderon, die Kolumbianerin, die derzeit in der Formel 2 unter anderem auch gegen Mick Schumacher antritt, hat schon eine etwas differenziertere Sicht auf die Dinge: "Für mich wäre das nichts mehr, das würde einen Rückschritt bedeuten", sagt sie. "Aber wenn die Serie dann wirklich in erster Linie von Mädchen und Frauen bestritten wird, die in niedrigen, noch billigeren Kategorien schon viel Talent gezeigt haben, jetzt aber trotzdem aus Mangel an Sponsoren nicht mehr weiter kommen, dann kann sie schon ihre Berechtigung haben."

Sprungbrett für Talente ohne Sponsoren

So sieht das auch der Ex-McLaren-Teammanager in der Formel 1, Dave Ryan, ebenfalls einer der Mitinitiatoren:  "Die Serie ist ja nicht als Endstation für weibliche Talente geplant, sondern als Zwischenstation, als Spungbrett, als Möglichkeit, auch in einem entsprechenden medialen Umfeld auf sich aufmerksam zu machen."

Das erste Rennen der W Series in Hockenheim
Das erste Rennen der W Series in Hockenheim
Quelle: reuters

Das schaffte in Hockenheim vor allem die  20-jährige Britin Jamie Chadwick, die das Wochenende von der ersten bis zur letzten Minute beherrschte, auch in allen Trainingssessions die Schnellste war. Chadwick, die zuvor schon einmal als erste Frau überhaupt einen Lauf in der britischen Formel-3-Meisterschaft gewann, setzte sich unter schwierigen Bedingungen bei wechselndem Wetter in einem sehr abwechslungsreichen und spannenden Rennen gegen eine weitere Britin, Alice Powell, durch.

Vielversprechende Talente – aber keine Deutsche im Feld

Rennfahrerin Naomi Schiff vor dem Rennen in Hockenheim
Rennfahrerin Naomi Schiff vor dem Rennen in Hockenheim
Quelle: reuters

Auch die erst 18-jährige Spanierin Marta García, die bis jetzt hauptsächlich im Kart unterwegs war und die BMW-Juniorin Beitske Visser, die als Dritte und Vierte ins Ziel kamen bestätigten ihre Rollen als Mitfavoritinnen. Visser war im Qualifying von technischen Problemen ausgebremst worden. Die Niederländerin war 2016 schon in der Formula 3.5 V8 unterwegs - aus dieser Rennserie schaffte auch Sebastian Vettel einst den Sprung in die Formel 1. "Aber es ist eben schon sehr schwer, ein Budget für den Formel-Sport zusammen zu bekommen", sagt Visser, die deshalb zwischenzeitlich das BMW-Angebot annahm, in der GT4-Meisterschaft, also im Tourenwagen, anzutreten - und die jetzt auf neuen "Anschub" ihrer Formel-Karriere hofft.

Das ist sehr, sehr schwer zu erreichen und es wird immer mein Traum bleiben. Aber ob es wirklich realistisch ist, weiß ich nicht.
Naomi Schiff, Rennfahrerin

Eine deutsche Fahrerin ist unter den 18, die sich aus über 100 Bewerberinnen in mehreren Sichtungslehrgängen durchsetzten, übrigens nicht dabei. Allerdings eine, die zumindest mit deutscher Lizenz unterwegs ist - und heutige Internationalität perfekt demonstriert:  Naomi Schiff ist geboren in Belgien, als Tochter des belgischen Hobby-Rennfahrers David Schiff und einer ruandischen Mutter. Aufgewachsen in Südafrika, lebt sie heute in Bayern. Ihr großes Vorbild ist Lewis Hamilton, der erste schwarze Formel-1-Weltmeister. Naomi Schiff will die erste schwarze Formel-1-Rennfahrerin werden, gibt aber zu: "Das ist sehr, sehr schwer zu erreichen und es wird immer mein Traum bleiben. Aber ob es wirklich realistisch ist, weiß ich nicht." Zum Auftakt reichte es jedenfalls noch nicht zu einem Top-Ten-Platz.

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