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Wie das Urmel Teil der Fernsehgeschichte wurde

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Premiere vor 50 Jahren - Wie das Urmel Teil der Fernsehgeschichte wurde

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Ein Dinosaurier, frisch geschlüpft aus einem urzeitlichen Ei: Vor 50 Jahren verhalf Professor Tibatong dem Urmel zu einer glänzenden Fernsehkarriere in der Augsburger Puppenkiste.

Urmel aus dem Ei (Mitte) mit Lukas, dem Lokomotivführer (links) und Jim Knopf
Umal aus dem Ei (Mitte) mit Lukas, dem Lokomitvführer (links) und Jim Knopf
Quelle: dpa
Sehr geehrter Herr Doktor Zwengelmann! Ätsch, Sie sind widerlegt. Ich habe ein Urmel, ein lebendiges. Mein Hausschwein zieht es auf. Haha. Was sagen Sie nun? Mit kollegialem Gruß Professor Habakuk Tibatong.

Diese wissenschaftliche Sensation erreichte vor 50 Jahren mit der Flaschenpost ihren Adressaten, und die deutsche Fernsehnation durfte Anteil haben. Sie war dabei, als auf der Insel Titiwu eine kleine grüne, drachenartige Gestalt aus einem Ei schlüpfte: das Urmel. Das aufgeweckte Tierchen hing an Fäden, denn es war der neue Star der "Augsburger Puppenkiste", der es im Advent erstmals ins ARD-Programm geschafft hatte.

Vier Folgen von jeweils rund 30 Minuten waren im Sommer 1969 in Augsburg produziert worden. Nach dem berühmten "Löwen" feierte Autor Max Kruse (1921-2015) mit diesem Urzeittier seinen zweiten großen Erfolg mit der Puppenkiste. Erzählt wird, wie ein Ei, enthalten in einem Stück Eisberg, auf der Insel Titiwu angeschwemmt wird. Dorthin hat es Professor Tibatong mit einem Waisenjungen und seinem sprechenden Hausschwein Wutz verschlagen. Seine Mission ist es, den Tieren, darunter ein Pinguin, ein Waran und ein See-Elefant, das Sprechen beizubringen. Nach mehreren Wochen des Brütens schlüpft das Urmel und wird von Wutz aufgezogen. Die Entstehungsgeschichte hatte indes einen eher traurigen Hintergrund.

Die traurige Geschichte dahinter

Kruses einziger Sohn war 1968 tödlich verunglückt. Als der Vater wieder einmal sinnierte, welches Tier sich für ein neues Stück des Marionettentheaters als Protagonist eignen würde, kam ihm sein Kind in den Sinn. "Stefan liebte Forellen", erzählte der Autor einmal: "Und ich war erst kürzlich Besitzer einer Tiefkühltruhe geworden. Ich dachte an Forellen aus der Tiefkühltruhe, die ich Stefan an diesem Abend hätte zubereiten können." Dabei sei ihm dann der Gedanke gekommen, was wohl wäre, wenn ein urzeitliches Tier, in einem Ei eingefroren, Jahrtausende überlebt hätte.

Auch der Name war bald gefunden: "Ur" wie Urzeit sollte ein Bestandteil sein, dann noch eine Nachsilbe in Koseform, also das "mel" wie bei "Murmel". Danach entwickelte Kruse die Geschichte und die anderen Figuren. Bei der Puppenkiste waren Manfred Jenning und Walter Oehmichen begeistert. Nur der Redaktionsleiter beim Hessischen Rundfunk musste noch überzeugt werden. Als endlich die Zusage kam, schnitzte Hannelore Marschall-Oehmichen nach den Beschreibungen im Buch, das von Erich Hölle illustriert worden war, die meisten der benötigten Puppen.

Puppen aus unterschiedlichen Produktionen der Augsburger Puppeniste
Puppen aus unterschiedlichen Produktionen der Augsburger Puppeniste: Links auf der Lok sitzt das Urmel, eingerahmt von Lukas und Jim Knopf

Einige, wie "Dr. Zwengelmann" konnten aus dem Fundus entnommen werden. Hannelore Radetzky entwarf die Szenenbilder und ihr Mann, der Bühnenbildner Ernst Ammann, sorgte für die Kulissen. Der Erfolg war groß, so dass 1974 eine weitere TV-Version folgte. 2006 schaffte es der kleine Dino sogar als animiertes Wesen auf die Kinoleinwand. Doch als Marionette hat das Urmel bis heute seinen ganz besonderen Charme nicht verloren, wie ein Besuch im Museum "die kiste" beweist.

Urmels Existenz ist quasi wissenschaftlich bewiesen

Das "evolutionsbiologische Bindeglied zwischen den Dinosauriern und den Säugetieren" sorgte übrigens 2013 noch einmal für eine wissenschaftliche Überraschung. Archäologen entdeckten im Rheinland im Depot eine kleine fragmentarische Bronzestatuette aus der Römerzeit. Als der Archäologe Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffron sich den Fund von einem Acker bei Xanten näher anschaute und ihn nach allen Seiten drehte, blickte er plötzlich in ein drachenähnliches Gesicht mit großem Maul und blauen Nasenlöchern: "Hier handelt es sich eindeutig um ein Urmel", so sein Urteil.

Tatsache ist auch, dass sich die Kiesgruben am Niederrhein als Fundorte prähistorisch längst ausgestorbener Tiere immer wieder gewinnbringend erwiesen haben. Vor 30 Millionen Jahren lebten in den dortigen Sumpfwäldern Krokodile und Schildkröten, möglicherweise ja auch Drachen. Wozu die Figur diente, ob als Schutzgott getreu dem Motto "Urmel am Herd ist Goldes Wert" oder als Spielzeug, ist nicht überliefert. Die "Urmologie" steht also noch an ihrem Anfang.

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