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Presseschau zum TV-Duell - Mehr Koalitionsgipfel als Schlagabtausch

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Die meisten Medien zeigen sich enttäuscht vom TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Merkel und Herausforderer Schulz. Sie rügen vor allem den Gleichklang der beiden. Zwar glauben manche nun durchaus, dass Schulz Kanzler könne. Doch die dafür nötige Wechselstimmung erkennen sie nicht.

Rund 16 Millionen Menschen verfolgten am Sonntag das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Linke, Grüne und FDP vermissten wichtige Themen und Zukunftsorientierung im einzigen direkten Schlagabtausch, den Angela Merkel nach Umfragen gewann.

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Der "Münchner Merkur" zweifelt stark, ob der SPD der Schlagabtausch etwas bringen wird: "Nach wirklich spannenden Unterschieden in den Politikangeboten von Kanzlerin und Kandidat mussten die Zuschauer des TV-Duells mit der Lupe suchen. Ob ein gefühltes Patt für den Herausforderer aber reicht, um auf den letzten Metern noch so etwas wie Wechselstimmung herbeizuzaubern? Große Zweifel sind erlaubt."

Die "Süddeutsche Zeitung" hält Schulz für den "eigentlich" besseren Redner. "Aber das Eigentlich zählt nicht an so einem Abend; Schulz konnte es nicht zeigen, er kam zu selten in Fahrt, er konnte sich nicht entfalten, er konnte kaum Punkte sammeln, kaum Treffer landen. Merkel gelang das besser, auch deswegen, weil sie von den Moderatoren viel weniger unterbrochen wurde als Schulz. Die Frager behandelten Merkel wie eine Majestät und Schulz wie ihren Domestiken (….)."

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" fühlt sich nicht in einem Duell, sondern wie auf einem  Koalitionsgipfel: "Im Berliner Adlershof, das wird schnell klar, treffen sich kurz vor der Wahl zwei langjährige europäische (Außen-)Politiker, die sich und ihre Positionen aus unzähligen Verhandlungsrunden in- und auswendig kennen - und die den anderen sehr schätzen. Und das Duell, in weiten Teilen ist es eher ein öffentlicher Koalitionsgipfel unter Regierungspartnern als ein heftiger Schlagabtausch zweier Vertreter mit einer unterschiedlichen politischen Agenda."

"Merkel blieb Merkel"

Auch die "Badische Zeitung" in Freiburg sucht vergeblich Überraschungen: "Klare Kante, klare Aussagen - damit punktete Schulz mehrmals gegen eine wie immer abwägende Merkel. Besonders spürbar war das in der Frage des Umgangs mit der Türkei. Allerdings wirkte Schulz später ein wenig so, als feiere er innerlich bereits seine stramme Performance. Merkel blieb Merkel und machte gerade dadurch das Beste daraus: Sie dozierte, erklärte und vergaß nie den Hinweis, dass die SPD in der Koalition fast immer dabei war."

Die "Rheinische Post" in Düsseldorf ist dankbar für die nüchterne Performance und schreibt auf "rp-online.de": "Eines muss man nach dem TV-Duell sagen: Deutschland hat zwei überzeugte und vernunftgesteuerte Demokraten, die sich für das Amt des Regierungschefs bewerben. Das ist angesichts der Populisten und Autokraten, die anderswo regieren, nicht das allerschlechteste."

"ntv.de", die Website des gleichnamigen Fernsehkanals in Köln, sieht die Wahl für die SPD bereits verloren: "Das TV-Duell war der Moment, als Martin Schulz die Bundestagswahl endgültig verloren hat. Der SPD-Kanzlerkandidat hätte beim Aufeinandertreffen mit Angela Merkel deutlich besser sein müssen als die Bundeskanzlerin. Das war er nicht. Im Gegenteil."

Die "Heilbronner Stimme" glaubt, Schulz habe seinen Auftritt  verpfuscht: "Schulz sollte attackieren und die Kanzlerin in die Ecke drängen. Doch der Kandidat verzettelte sich und rutschte einige Mal auf dem glatten Duell-Parkett aus."

Glanzvolle politische Streitkultur? Fehlanzeige

Die Zeitung "Die Welt" sieht statt glanzvoller politischer Streitkultur nur "heitere Ruppigkeit": "Angela Merkel hat dieses am Ende ziemlich glanzlose Duell gewonnen, und Martin Schulz hat es nach einem ziemlich beeindruckenden Anfang verloren, weil er nicht bei seinen intellektuellen Leisten blieb. Seinen Schlussgag hatte er am Anfang verbraten und danach mit Machismo und heiterer Ruppigkeit versucht, die Kanzlerin unter Druck zu setzen. Das gelang auch, ein paar Treffer saßen. Aber sie reichten nicht, um die Kanzlerin ins Wanken zu bringen (…)"

Die "Nordsee-Zeitung" in Bremerhaven traut Schulz Kanzler zu, vermisst im Land aber  Wechselstimmung: "Schulz hat sich sehr wacker geschlagen. Aber neue Hoffnungen auf einen politischen Wechsel konnte er kaum wecken. (…) Für Schulz waren die 95 Minuten zur besten Sendezeit aber schon deshalb ein Erfolg, weil er sich erstmals einem Millionenpublikum präsentieren konnte. Merkel kennen alle Leute, Schulz viele nicht. Viele haben am Sonntagabend gelernt: Auch der könnte Kanzler."

Die Essener "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" sieht den Stolperstein für Schulz in einer "sozialdemokratisierten" CDU: "Bei vielen Themen sah das Publikum zwei Großkoalitionäre, von denen Schulz bemüht Konflikte suchte und Merkel mögliche Kanten glättete. Deutlich wurde auch immer wieder: Die wesentlichen Entscheidungen in der Innen- und Außenpolitik haben CDU und SPD gemeinsam getroffen. Für Schulz bleibt es daher bis zur Wahl die größte Herausforderung, eine Kanzlerin zu kritisieren, die eine sozialdemokratisierte CDU führt."

Europäische Medien enttäuscht

Auch im europäischen Ausland wurde das TV-Duell mit Spannung verfolgt - und mit Enttäuschung kommentiert:

Der britische "Guardian" schreibt auf seiner Onlineseite: "Insgesamt eine enttäuschende Nacht für Angela Merkels Herausforderer. Kurz, als es um die Türkei ging, fühlte es sich an, als könnte er die Kanzlerin überraschen. Doch das Format und die Fragen gaben ihm keine Möglichkeit, dieses Momentum zu behalten. Merkel auf der anderen Seite glänzte nicht, aber sie musste es auch nicht."

Die Schweizer "Neue Zürcher Zeitung" befand: "Das TV-Duell (...) wirkte eher wie ein vorgezogenes Koalitionsgespräch denn ein Duell um die Kanzlerschaft. Schulz und Merkel nickten sich oft gegenseitig zu. Der eine sprach, die andere nickte und umgekehrt. Für Schulz ist das schlecht. Es war für ihn, drei Wochen vor der Wahl, das Gespräch der letzten Hoffnung. Jetzt ist diese weg."

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