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Papst dankt, Kritiker grollen - Vorstoß mit Zündstoff: Verheiratete Priester?

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Der Papst reagiert positiv auf einen revolutionären Vorschlag für die katholische Kirche: verheiratete Männer in Südamerika fürs Priesteramt zuzulassen. Gegner reagieren empört.

In der Regenwaldregion mangelt es an Priestern. Um das zu ändern, haben sich die Bischöfe dafür ausgesprochen, dort das Zölibat auszusetzen. Die Entscheidung obliegt letztendlich dem Papst.

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Bei ihrer Amazonas-Synode in Rom haben katholische Bischöfe den Papst dazu aufgerufen, in der Amazonas-Region das Priesteramt für verheiratete Männer zu öffnen. Voraussetzung soll dafür sein, dass die betreffenden Männer bereits als Diakone tätig sind, hieß es in einem am Samstagabend verabschiedeten Abschlussdokument der Synode.

Überdies verlangen die Bischöfe, dass in der Region die Einführung des Diakonats für Frauen geprüft werden solle. Es obliegt Papst Franziskus, in den kommenden Monaten daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

Papst lobt "Offenheit" der Synode

Der Papst reagierte und dankte am Sonntag den Bischöfen aus der Amazonas-Region für ihre "Offenheit". Bei seiner Messe zum Abschluss wochenlanger Diskussionen im Vatikan über die Bedürfnisse der Gläubigen in der südamerikanischen Region erwähnte Franziskus den Vorschlag allerdings nicht explizit.

Bischofssynode im Vatikan über Amazonas Region
Bischofssynode im Vatikan über Amazonas Region
Quelle: dpa

Franziskus sagte, die Kirche müsse ihre "behaglichen Gestade" verlassen und in See stechen, "nicht in die sumpfigen Gewässer der Ideologien, sondern aufs offene Meer, wo der Heilige Geist uns ruft, die Netze auszuwerfen". Dafür gelte es, alte Schemata hinter sich zu lassen und als Kirche arm, missionarisch und synodal zu sein. Zuvor hatte der Papst den Bischöfen gesagt, er werde seine Schlussfolgerungen in einem Dokument darlegen, von dem er hoffe, dass er es bis Jahresende verfassen werde.

Priestermangel in Lateinamerika

Hintergrund für den Vorschlag der Bischöfe ist der Priestermangel in Lateinamerika. Angesichts des Zulaufs der evangelikalen Kirchen plädieren viele Katholiken seit langem dafür, neue Wege zu beschreiten und einerseits die Weihe älterer, verheirateter Männer - "viri probati" - zum Priesteramt zuzulassen, andererseits die Weihe von Frauen, etwa als Diakoninnen. Auf diese Weise sollen in den Weiten des Amazonas-Gebiets genügend katholische Geistliche für das Spenden von Sakramenten zur Verfügung stehen.

Die Gegner solcher Neuerungen berufen sich auf die katholische Kirchentradition, nach der nur unverheiratete Männer als Priester geweiht werden können und dann im Zölibat leben müssen. Bei der dreiwöchigen Amazonas-Synode ging es auch um Fragen des Klimawandels und der Armutsbekämpfung, der Landenteignung und der Umweltverschmutzung. Die Ausbeutung der Amazonas-Region, die derzeit unter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro besonders stark voranschreitet, bezeichneten die Bischöfe als "ökologische Sünde" und eine "Tat gegen Gott".

Theologe Müller hält Synode für historisch

Wunibald Müller: Pflichtzölibat wird fallen. Archivbild
Wunibald Müller: Pflichtzölibat wird fallen. Archivbild
Quelle: Timm Schamberger/dpa

Der Psychotherapeut und Theologe Wunibald Müller hielt die Amazonas-Synode für historisch. Sie "wird in die Geschichte eingehen als die Synode, mit der das Ende des Pflichtzölibats eingeläutet wurde", erklärte Müller am Sonntag in Würzburg. "Mit der Empfehlung, bewährte verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, ist endgültig der Damm gebrochen, der bisher eine Aufhebung des Pflichtzölibats verhinderte."

Der frühere Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach sprach in diesem Zusammenhang von einer "wahrhaft frohen Botschaft" für Männer, die sich zum Priestertum, nicht aber einem zölibatären Lebensstil berufen fühlten. Zugleich dürften auch die vielen Priester, die trotz Zölibat in Beziehungen lebten, auf eine Veränderung ihrer Situation hoffen.

Theologe Müller: Papst ist Mann der kleinen Schritte

Ohne Pflichtzölibat könnten Priester künftig offener, realistischer und ehrlicher mit ihrer Sexualität umgehen. "Diese muss dann nicht länger in einem Dunkelbereich gelebt werden, was sie anfällig macht für ein unreifes und missbräuchliches sexuelles Verhalten." Damit würde dann auch ein wichtiger Beitrag zur Prävention sexualisierter Gewalt durch Kleriker geleistet.

Der Theologe und Psychotherapeut erklärte, Papst Franziskus habe in der letzten Zeit "durch manche unklugen Äußerungen und sein Zögern, was konkrete Reformen betrifft, an Glaubwürdigkeit und Sympathie verloren". Nun erweise er sich "als ein Mann der kleinen Schritte". Dies sei "vielleicht die einzigmögliche Weise, tatsächlich in der Kirche etwas zu verändern, ohne eine Kirchenspaltung heraufzubeschwören".

Kardinal Müller warnt vor "Abrissbirne" der Kirche

Konservative Kritiker des argentinischen Papstes sehen dagegen einen Angriff auf den Zölibat - die mehr als 1.000 Jahre alte Pflicht zur Ehelosigkeit der Priester - und die Kirche in ihrer Gesamtheit. Die deutschen Kardinäle Walter Brandmüller und Gerhard Ludwig Müller gehörten dabei zu den lautesten Querschlägern. Brandmüller sah ein "Grüppchen von Ideologen" am Werk, die den Zölibat zu Fall bringen wollten. Zuvor hatte er sogar von "Häresie" gesprochen. Müller warnte vor einem "Umbau der Weltkirche" und einer "Abrissbirne".

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