Der Öko-Prinz knüpft Bio-Bande

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Charles besucht Bauernhof - Der Öko-Prinz knüpft Bio-Bande

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Prinz Charles und Camilla haben einen bayerischen Bio-Bauernhof besucht. Bei den "Herrmannsdorfer Landwerkstätten" in Glonn holte sich Charles Anregungen für seinen Bio-Hof.

Prinz Charles und Camilla besuchen Bio-Bauernhof Hermannsdorfer Landwerkstätten in Glonn
Prinz Charles und Camilla besuchen die Marktstände auf dem Hermannsdorfer Bio-Bauernhof.
Quelle: dpa

Es ist eine Bilderbuch-Idylle unter weiß-blauem Himmel: Auf dem Herrmannsdorfer Bio-Bauernhof im oberbayerischen Glonn sind Marktstände aufgebaut, extra für die royalen Gäste. Es gibt frisches Gemüse, ein Bäcker bietet sein Brot an, nebenan kann man Salamis und Schinken von glücklichen Schweinen probieren. Alles handgemachte, ökologische Lebensmittel aus der Region. Beim Marktbummel: Prinz Charles und Camilla.

Er hat unsere Karotten probiert und gesagt, an denen erkenne man, ob die Qualität gut ist.
Werner Schmid, Gemüsegärtner

"Er hat unsere Karotten probiert und gesagt, an denen erkenne man, ob die Qualität gut ist", sagt Werner Schmid, Gemüse-Gärtner im Herrmannsdorfer Bio-Bauern-Verbund. Der Prinz sei sehr fachkundig und habe genau die richtigen Fragen gestellt. Kein Wunder - betreibt der britische Thronfolger doch selbst seit fast 40 Jahren einen Bio-Bauernhof in der Grafschaft Gloucestershire. Als er 1980 das Landgut "Highgrove" kaufte und begann, es komplett auf Bio-Landwirtschaft und nachhaltige Bewirtschaftung umzustellen, wurde er von der Mehrheit seiner Landsleute für verrückt erklärt. Heute ist der Prinz international anerkannt als Pionier des Öko-Landbaus.

"Der Prinz ist sehr fachkundig"

Während Herzogin Camilla zusammen mit Herrmannsdorfer Kindern Brezeln buk, wurde Prinz Charles auf eine Weide geführt, wo Hühner, Schweine und Rinder miteinander leben. "Seit wir das machen, haben wir viel weniger Probleme mit Füchsen und Habichten", erzählt Georg Schweisfurth, Sohn des Hof-Begründers. "Die Schweine passen auf die Hühner auf, und die Hühner helfen den Schweinen bei der Körperpflege."

Prinz Charles lässt sich von einem Imker auf Bio-Bauernhof in Glonn Bienen zeigen
Prinz Charles holt sich Anregungen beim Imker.
Quelle: dpa



Der Prinz, der sich sehr gut mit der Landwirtschaft auskennt, habe sich das sehr interessiert angesehen und als Anregung mitgenommen. Außerdem besichtigte Charles die hofeigene Biogasanlage und den Bienengarten. Bei dieser Gelegenheit erwähnte der Bienenliebhaber, dass seine Wildblumenwiese in Highgrove im Moment sein ganzer Stolz sei.

Bio-Pioniere unter sich

Der Besuch in Herrmannsdorf ist ganz nach dem Geschmack von Prinz Charles. Jahrzehntelang belächelt als der "Prinz, der mit Pflanzen spricht" wendet sich das Blatt nun zu seinen Gunsten. Sein Engagement für Klimaschutz und umweltfreundliche, nachhaltige Lebensmittelproduktion wird nicht nur international, sondern auch zu Hause in Großbritannien anerkannt. "Er wurde lächerlich gemacht, doch er hatte Recht. Jetzt erkennen die Leute, dass er ein Visionär ist", sagt Arthur Edwards, im royalen Tross mitreisender Fotograf der britischen Tageszeitung "The Sun".

Die Wahl des Hofes kommt nicht von ungefähr: Mit dem Gründer der "Herrmannsdorfer Landwerkstätten", Karl-Ludwig Schweisfurth, verbindet den Prinzen viel. Beide hatten dieselbe Vision: Anfang der 80er Jahre, als die Bio-Landwirtschaft noch in den Kinderschuhen steckte, stellten sie einen Hof auf ökologische Bewirtschaftung um. Beide mussten gegen große Widerstände kämpfen und investierten große Teile ihrer Zeit und ihres Vermögens in die Weiterentwicklung ökologischer Anbaumethoden. Und beide haben einen landwirtschaftlichen Betrieb geschaffen, der Hofläden und Werkstätten umfasst und offen für Besucher ist.

Bayerisches "Highgrove"

Ist Herrmannsdorf also eine Art bayerisches "Highgrove"? Karl-Ludwig Schweisfurth lächelt: "Ja, das könnte man so sagen." Der 88 jährige erzählte dem Prinzen, wie er selbst vor 37 Jahren vom konventionellen Wurstfabrikanten zum Öko-Pionier wurde: "Ich bin damals in die Ställe gegangen, habe den Schweinen in die Augen geschaut und darin die Frage gelesen: 'Was macht ihr da mit uns?' Da habe ich erkannt: So will ich nicht weitermachen, habe meine Wurstfabriken verkauft und nochmal ganz von vorn angefangen." Für Schweisfurth Senior ist das Schönste am Besuch des britischen Thronfolgers, "dass er damit unheimlich viel für den Gedanken der ökologischen Landwirtschaft getan hat".

Prinz Charles mit Hahn auf dem Arm
Quelle: dpa
Ein wunderschöner Moment. Ich hätte nie gedacht, dass er mit uns sprechen würde.
Stephan Nagy, Royal-Fan

Auf dem ganzen Hof findet man niemanden, der vom Besuch der britischen Royals nicht begeistert wäre. "Die sehen einen wirklich, sie schütteln nicht nur Hände, sondern reden richtig mit den Leuten", sagt ein Gast. "Sie sprechen aber alle gut Englisch", sagt der Prinz im Vorbeigehen und erkennt sogar eine fähnchenschwenkende Dame wieder, die er bereits am Vortag in München beim Bad in der Menge getroffen hat. Stephan Nagy, der auf der Durchreise spontan hierher kam, ist völlig beseelt: "Ein wunderschöner Moment. Ich hätte nie gedacht, dass er mit uns sprechen würde."

Ilse Aigner, Karl Ludwig Schweisfurth, Michaela Kaniber
Knüpften neue Bande: Gründer Schweisfuhrt, sowie Landtagspräsidentin Aigner und Ministerin Kaniber
Quelle: dpa

Auch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zeigt sich beeindruckt von Prinz Charles: "Er ist ein absoluter Pionier, der schon vor 40 Jahren Bio-Landwirtschaft betrieben hat. Sein Besuch auf diesem Hof ist eine großartige Möglichkeit zum Austausch, auch für uns." Dass der Prinz sie heute auf seinen Hof "Highgrove" eingeladen hat, kam für sie völlig überraschend. "Ich bin noch völlig geplättet. Aber Sie können mir glauben, dass ich mir diese Gelegenheit zum Austausch nicht entgehen lassen werde." Und so wird das frisch geknüpfte bayerisch-britische Bio-Band bald seine Fortsetzung finden – demnächst auf "Highgrove".

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