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Katalonienkrise - Schwestern im Widerstreit um Unabhängigkeit

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Katalonien zwischen Unabhängigkeitsbefürwortern und -Gegnern: Zwei Schwestern aus Barcelona sind unterschiedlicher Meinung – wie sehen sie die diffuse Lage in der Region?

Zwei Schwestern aus Barcelona Anna Maria (l.) Montserrat (r.)
Zwei Schwestern aus Barcelona Anna Maria (l.) Montserrat (r.) Quelle: ZDF/Susana Santina

Ana Maria ist eine glühende Verfechterin der katalanischen Unabhängigkeit, Montserrat ist dagegen, sie will, dass Katalonien weiterhin zu Spanien gehört. Einig sind sich beide darin, dass der spanische Ministerpräsident Rajoy einen großen Anteil daran hat, dass das Land in seine größte Staatskrise seit Jahrzehnten geschliddert ist. Hätte er den Dialog mit Katalonien nicht ständig verweigert, wäre es nicht so weit gekommen, betont vor allem Ana Maria, die Rajoy als politische Katastrophe bezeichnet.

Entschuldigung aus Barcelona bleibt aus

Für die Polizeigewalt am 1. Oktober, dem Tag des Referendums, habe sich der spanische Regierungschef nie entschuldigt, auch das habe die Spaltung zwischen Barcelona und Madrid weiter vorangetrieben. Über das brutale Vorgehen der Polizei ist auch Montserrat entsetzt. Jetzt erst recht, habe sie damals gesagt und sei wählen gegangen. "Ich habe bei dem Referendum mit Nein gestimmt, sagt Montserrat, "ich will nicht die Unabhängigkeit. Aber ich möchte das Recht haben zu wählen und das hab ich auch getan".

Montserrat würde es reichen, wenn Katalonien als historische Nation mehr Autonomie bekommen würde. "Warum können wir nicht die gleiche Rechte haben wie das Baskenland, wenn es zum Beispiel um die finanzielle Selbstverwaltung geht?“ sagt sie. Bei diesem Thema tobt ihre Schwester Ana Maria: "Wir schießen so viel Geld nach Madrid, die entscheiden dann, was zurückkommt, und das reicht bei weitem nicht aus. Ohne Spanien würde es uns deutlich besser gehen." Ein föderaler Staat wie Deutschland, das sei doch perfekt. Dass jetzt mehr als 1.000 Firmen Katalonien den Rücken kehren wollen, liege doch nur daran, dass die Zentralregierung in Madrid es forciere.

Medien Schuld an Spaltung?

Montserrat macht der Exodus der Unternehmen mehr Sorgen. "Wir brauchen die Unterstützung Europas", sagt sie, "ohne hat es keinen Sinn". Dass die aber nicht in Sicht sei, darüber ist auch sie enttäuscht. Sie will nicht, dass Katalonien unabhängig wird, aber dass die Regierung Puigdemont entmachtet werden soll, sei ein Unding. Und dann sind beide schnell beim spanischen König, der in seiner Fernsehansprache nach dem Referendum die katalanische Regierung scharf kritisiert hatte. "Kein Wort zum brutalen Vorgehen der Polizei", regen sich beide auf, das zeige, dass König Felipe schon lange nicht mehr das Oberhaupt aller Spanier sei.

Ob der Konflikt bei den Menschen in Katalonien zu einer Spaltung geführt habe? "In unserem Umfeld nicht", sagen beide, "jeder dürfe seine Meinung äußern, man lebe schließlich in einer Demokratie". Aber natürlich höre man davon, wie hitzig zum Teil die Diskussionen seien und dass manche sich gar nicht mehr trauen würden zu sagen, ob sie für oder gegen die Unabhängigkeit Kataloniens sind. Wenn das stimme, sei das besorgniserregend, sagt Ana Maria, aber die größte Spaltung sieht sie zwischen Katalonien und Restspanien. Daran habe auch das spanische Fernsehen TVE Schuld, das unter dem Einfluss der spanischen Regierung berichten würden. Das katalanische Fernsehen TV3 sei allerdings auch nicht wirklich neutral, sagt Montserrat, "wenn auch nicht so offensichtlich wie TVE".

Zukunft Kataloniens düster

Die zwei Schwestern sehen die Zukunft für Katalonien düster, haben Angst, dass es zu Gewalt auf den Straßen kommt. Wenn Puigdemont und seine Regierung entmachtet werden, sagt Ana Maria, dann werden sich das die Katalanen auf keinen Fall gefallen lassen. Die Schwestern haben die rigorose und brutale Unterdrückung der Katalanen in der Zeit von Diktator Franco erlebt, soweit dürfe es nie wieder kommen, darin sind sich beide einig.

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