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Pro & Contra - E-Scooter: Fluch oder Segen?

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Das Kabinett hat beschlossen, dass E-Scooter zugelassen werden. Die Meinungen dazu sind geteilt. Welche Argumente sprechen für die Roller? Und welche gegen sie? Ein Streitgespräch.

Ein Mann fährt auf ein E-Roller, aufgenommen am 24.10.2018
Man liebt sie oder man hasst sie: E-Scooter.
Quelle: Reuters

Jan: Auch wenn die Verabschiedung der "Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung", wie es in bester deutscher Fachsprache heißt, durch den Bundesrat noch auf sich warten lässt, steht jetzt schon fest: Immer mehr E-Scooter erobern die Straßen - sie sind der Auftakt zu einer dringend benötigten Verkehrswende. Denn: Sei es zum kurzen Einkauf um die Ecke oder für den Weg zum Fitnessstudio, immer noch nutzen zu viele Menschen für kurze Strecken das Auto - natürlich auch bedingt durch die Stadtplanungen, die Pkw bevorzugen.

Teresa: Mit den E-Scootern nutzen dann aber auch immer mehr Menschen für kurze Wege nicht mehr das einfachste Fortbewegungsmittel: ihre Beine! Ganz ehrlich, wie kann man sich denn noch weniger körperlich betätigen als auf einem E-Scooter? Die Beine werden beim Fahren quasi gar nicht genutzt. Warum also noch zu Fuß zum Bäcker, Supermarkt oder den Nachbarn, wenn man auch mit dem Scooter hinfahren kann? Wir Menschen bewegen uns schon zu wenig. Mit dem neuen Trend wird das nur noch schlimmer.

Jan: Wenn kein Wandel auf unseren Straßen stattfindet, wird vor allem eins schlimmer: unser Klima. Verkehrsminister Andreas Scheuer spricht von einer "Alternative zum Auto" und "neuen Wegen" - genau die braucht es in einer Zeit, in der Klimaschutzziele höchstwahrscheinlich verfehlt werden und Diesel-Fahrverbote drohen. Dabei können die Scooter die Innenstädte entlasten.

Beispiel Frankfurt: Die Stadt platzt aus allen Nähten und jeden Morgen kann man auf den Straßen ein Stau-Spektakel beobachten. Dabei nutzen viele das Auto nur, weil sie nicht direkt mit dem ÖPNV zum Büro kommen oder es ihnen am Ende zu lange dauert. Es fehlt eine Lösung für die berühmte "letzte Meile".

Die zusammenklappbaren Roller können die Antwort sein. Sie können problemlos in der Bahn mitgenommen werden. Danach heißt es: Schwung holen, losfahren und entspannt die letzten Meter zum Büro zurücklegen. Das Auto kann zu Hause bleiben. Der E-Scooter ist die umweltschonende Alternative - und meist in der Kombination mit dem ÖPNV sogar auch die schnellere.

Teresa: Und wo soll diese "Alternative zum Auto" dann fahren? Die Regelung "Über 12 km/h: Radweg, unter 12 km/h: Gehweg" ist in der Theorie vielleicht ganz nett. Aber wie soll das praktisch umgesetzt werden? Kontrollieren tut's doch keiner. Die Polizei sagt jetzt schon, dass sie das nicht händeln kann. Außerdem sind Radwege in den meisten Städten zu schmal oder in einem wirklich schlechten Zustand - da passt nicht noch ein Verkehrsmittel zusätzlich drauf. Am Ende werden die Scooterfahrer also auch mit mehr als 12 Kilometer pro Stunde auf die Gehwege ausweichen. Und da habe ich, und bestimmt auch viele andere Fußgänger, keine Lust drauf.

Bundesregierung macht Weg für E-Scooter frei

Umwelt versus Gefahrenpotenzial

Jan: Die Regeln müssen natürlich klar eingehalten werden. Man muss einen Weg finden, wie man das kontrollieren kann. Die Städte müssen in einen Dialog mit den Anbietern treten. Wagt man einen Blick nach Wien, erkennt man eine denkbare Lösung: An belebten Orten, wie etwa der Innenstadt, wird die Geschwindigkeit der Roller gedrosselt, die Gefahr minimiert. Denkbar wäre auch, dass Roller an bestimmten Orten nicht genutzt werden können und es eine Art "Fahrsperre" gibt. Per GPS-Signal sollte sich das doch umsetzen lassen.

Teresa: Schöne Idee, aber klingt nach zu viel Hightech und zu wenig Umsetzbarkeit. Was noch gegen die E-Scooter spricht: Sie sind schlicht zu gefährlich. Nicht nur für die Fahrer selbst, sondern auch für Auto-, Radfahrer und vor allem für Fußgänger. Zuverlässige Unfallstatistiken, die das beweisen, gibt es bisher kaum. Doch die Berichte über schwere Unfälle mit E-Scootern häufen sich. Allein in Wien sind laut Kuratorium für Verkehrssicherheit im letzten Quartal des vergangenen Jahres 200 Unfälle passiert, die mit E-Scootern in Verbindung standen.

"Wer soll das kontrollieren?"

Man kann sich ja ausmalen was passiert, wenn die Scooter in Deutschland erlaubt sind. Und hier gibt es nicht mal eine Helmpflicht. Dann fahren die leisen und schmalen Scooter garantiert auch auf Straßen, auf denen Autofahrer nicht mit ihnen rechnen - und zack, kommt's beim nächsten Abbiegen zum Unfall. Außerdem: Nach einer durchzechten Party-Nacht steigen sicher viele lieber auf den Scooter statt ins Taxi. Alkohol ist aber nicht nur am Steuer gefährlich. Und da haben wir es wieder: Wer soll das kontrollieren?

Jan: Die Frage, wo die E-Scooter künftig fahren dürfen, ist ja auch noch nicht final entschieden. Es kündigt sich Widerstand aus den Ländern an. Sicher wäre es aber richtig und wichtig darüber nachzudenken, inwieweit, mit welcher Geschwindigkeit und ab welchem Alter Gehwege mit den E-Scootern befahren werden dürfen. Auch Bußgelder - beispielsweise wie in Paris, wo man 135 Euro berappen muss, wenn man mit dem E-Scooter über den Bürgersteig rollt - sind denkbar.

Fakt ist aber auch: Nicht jeder Rollerfahrer fährt ohne Rücksicht auf Verluste. Es muss früh ein Bewusstsein für ein "Miteinander" im Straßenverkehr geschaffen werden, etwa durch Kampagnen, aber auch durch Kontrollen. Schon im Vorfeld potenziellen Fahrern Vorwürfe zu machen, bringt nichts.

Es fehlt an konkreten Parkbereichen

Teresa: Ich mache aber den Fahrern einen Vorwurf, die schon jetzt durch Großstädte flitzen dürfen. Bei meinem letzten Städtetrip nach Tel Aviv haben mich die Scooter nicht nur auf den Gehwegen genervt, sondern sind auch auf meinen Reisefotos in unschöner Erinnerung geblieben. Überall standen oder lagen die Roller herum. Viele Fahrer haben sie sogar einfach in der Mitte von Plätzen "geparkt" oder eben hingelegt. Es braucht also eindeutig konkrete Parkbereiche. Bis die geschaffen werden, dauert es wahrscheinlich Jahre.

Jan: Auch hier gilt: Die Anbieter müssen schon vorab in die Pflicht genommen werden. Nicht nur die Geschwindigkeit sollte überprüfbar sein, sondern auch das Abstellen. Szenen wie vor einem Jahr, als Leihfahrräder Großstädte wie München überflutet haben, dürfen sich nicht wiederholen. Das heißt: Dass jemand seinen Roller achtlos irgendwo liegen lässt, darf nicht erlaubt sein. Die Anbieter könnten dem mit Hotspots entgegensteuern, sprich: Es gibt klar definierte Bereiche, in denen Roller abgestellt werden dürfen. Passiert das nicht, sollte es hohe Bußgelder geben.

Aber unsere Diskussion zeigt: Mit einer Zulassung, ist es nicht getan. Bleibt die Frage offen: Wer packt's an?

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