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Streitthema SUV: Was für sie spricht, was dagegen

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SUV-Boom in Deutschland - Streitthema SUV: Was für sie spricht, was dagegen

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Bei Verbrauchern beliebt, bei Umweltschützern verhasst: SUVs polarisieren. 2019 wurden mehr als eine Million SUVs und Geländewagen neu zugelassen. Ein Pro und Kontra.

SUV im Straßenverkehr
SUV im Straßenverkehr
Quelle: dpa

Der Boom von SUVs und Geländewagen in Deutschland hält an: 2019 wurden erstmals in einem Jahr mehr als eine Million dieser Fahrzeuge neu zugelassen. Damit haben SUVs die Klasse der Kompaktwagen überholt, wie aus einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hervorgeht.

Bei den "Fridays for Future"-Demonstrationen oder vor den Toren der IAA in Frankfurt waren die Proteste gegen große Spritschlucker riesig. Trotzdem spiegelt sich im Kaufverhalten das Gegenteil wider. Offensichtlich sind SUVs und Geländewagen unter Autofahrern sehr beliebt - Tendenz steigend, wie Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert. Was gefällt den Menschen eigentlich so gut an den großen Autos? Und was spricht gegen SUVs?

Was spricht für SUVs?

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Archiv
Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des CAR Center Automotive Research und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft der Universität Duisburg-Essen
Quelle: Karlheinz Schindler/zb/dpa

Professor Ferdinand Dudenhöffer ist Branchenexperte und kennt sich gut mit den Kundenbedürfnissen beim Autokauf aus. Er nennt drei Hauptgründe für den Kauf eines SUVs. Erstens: SUVs bieten eine bessere Übersicht über die Straße und damit subjektiv mehr Sicherheit. Zweitens: SUVs sind ergonomischer. "Besonders für ältere Menschen ist es bequemer, in ein höher gelegtes Fahrzeug einzusteigen", sagt Dudenhöffer. Drittens: SUVs haben ein sportliches Erscheinungsbild. Die Fahrzeuge stammten ursprünglich vom Militär und waren für das wilde Gelände bestimmt. "Über diese Historie hat man das Bild eines abenteuerorientierten Autos geschaffen."

Was spricht gegen SUVs?

Dorothee Saar
Dorothee Saar, Leiterin der Abteilung Verkehr und Luftreinhaltung der Deutschen Umwelthilfe
Quelle: privat

Dorothee Saar leitet die Abteilung Verkehr und Luftreinhaltung von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und widerspricht. Erstens: Das subjektive Sicherheitsgefühl entspreche nicht der Realität. "Allein durch Bauart und Gewicht dieser Fahrzeuge besteht ein höheres Risiko für die anderen Verkehrsteilnehmer", so Saar. Zweitens: Ergonomie ist keine Ausrede für den SUV. Es gebe etliche konventionelle Alternativen, auch für ältere Menschen. Drittens: Sollte das wirklich das Selbstdarstellungsmittel der Wahl sein? Wenn ja, dann fordern wir wenigstens eine Zulassungssteuer. Und wenn SUVs aus Gründen der Praktikabilität benötigt werden, beispielsweise um einen Wohnwagen zu ziehen? Natürlich gibt es Einzelfälle, in denen ein Geländewagen benötigt wird, antwortet Saar. "Aber damit ist sicherlich nicht der massive Anstieg der Zulassungszahlen erklären.

Sind SUVs und Geländewagen wirklich schädlicher?

Für Dorothee Saar ist die Sachlage klar: "SUVs stoßen durchschnittlich mehr CO2 aus, als herkömmliche PKW". Das hänge unter anderem mit Bauweise und Gewicht des Fahrzeugs zusammen. Natürlich gebe es Limousinen, deren Emissionswerte deutlich schlechter abschneiden würden. "Etwas Schlechteres findet man immer, das kann nicht der Maßstab sein", sagt die Umweltschützerin. Ihre These: "SUVs sind das Sinnbild einer Entwicklung in die falsche Richtung."

Professor Ferdinand Dudenhöffer argumentiert gegen die Voreingenommenheit beim Thema SUV. "Man baut sich ein Feindbild auf", erklärt der Branchenexperte. Das betreffe vor allem die besonders großen Fahrzeugtypen, beispielsweise von BMW oder Landrover. Dabei entferne man sich von den Fakten: Lediglich fünf Prozent der neu zugelassenen Autos gehören zur größten SUV-Klasse von fünf Meter Länge und zwei Meter Breite, sagt Dudenhöffer. Natürlich seien Verbrauch und Emissionen größerer Fahrzeuge höher als bei Kleinwagen. "Aber diese Kontra-Argumente versucht die Industrie mit Technologie und Innovationen zu entschärfen."

Haben SUVs eine Zukunft?

"Das hohe Tempo der SUV-Verkäufe wird auch die nächsten Jahre anhalten", prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer. Eine Trendumkehr sei nicht erkennbar, das zeige auch der Vergleich mit anderen Automärkten. "Die Kunden sind begeistert und lieben den Wagen." Das Durchschnittsalter der Käufer von SUVs und Geländewagen betrage 57 Jahre, ergänzt der Experte.

Diese Entwicklung kann Dorothee Saar nicht nachvollziehen. "Wann kommen wir zu dem Schluss, dass wir eine Verbrauchsgrenze und eine Gewichtsgrenze benötigen?" SUVs seien kontraproduktiv in Städten, würden Busspuren und Radwegen den Raum nehmen und nicht zur Entspannung beitragen. "Ein bisschen mehr Rationalität beim Autokauf wäre angebracht", schlussfolgert die SUV-Gegnerin.

Was sagen Verkehrspolitiker zum SUV-Boom?

Schuldzuweisungen, Forderungen oder Enthaltungen: Die Parteien im Bundestag haben weit auseinandergehende Meinungen zur aktuellen Entwicklung. Ein Überblick:

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