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"Project Veritas"-Manipulationen - "Zeigen, dass die Medien nicht fair sind"

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"Project Veritas" will mit Falschmeldungen Medien gezielt hinters Licht führen. Im heute.de-Interview erklärt Matt Gertz von Media Matters for America, was dahinter steckt.

James O'Keefe von Project Veritas spricht am 29. November 2017 auf dem Campus der Southern Methodist University Campus in Dallas
James O'Keefe von Project Veritas spricht am 29. November 2017 auf dem Campus der Southern Methodist University Campus in Dallas Quelle: ap

Eine Frau erhebt gegenüber der "Washington Post" Vergewaltigungsvorwürfe gegen den republikanischen Politiker Roy Moore. Sie sei mit 15 schwanger geworden und Moore habe sie gedrängt, abzutreiben. Doch die Journalisten können die Geschichte als Betrug aufdecken, weil sie gründlich arbeiten und die Fakten überprüfen. Hinter der versuchten Manipulation steckt "Project Veritas".

heute.de: Was will "Project Veritas" durch diese Manipulation der "Washington Post" ausrichten?

Matt Gertz: Sie wollten zeigen, dass die Medien liberal sind und versuchen die republikanische Partei zu zerstören. Unglücklicherweise für sie haben die Reporter das Richtige getan, die Fakten überprüft und somit herausgefunden, dass die Aktivistin mit "Project Veritas" zusammenarbeitet und die Nachrichtenredaktion manipulieren wollte.

heute.de: Wie erklären Sie sich den Betrug?

Gertz: Es ist ziemlich offensichtlich, dass "Project Veritas" nicht versteht, was die ethischen Standards des Berufes sind. Das wurde bei diesem Debakel ziemlich offensichtlich. Das größere Problem ist, dass ihre Anhänger und andere Konservative auch nicht verstehen, wie Medienredaktionen arbeiten. Bei ihnen manifestiert sich ein Bild von korrupten und manipulativen Medien, die es auf alle Konservativen abgesehen haben. Für "Project Veritas" geht es um das Untergraben verschiedener US-Institutionen und in diesem Fall darum, die Presse zu delegitimieren, und zu suggerieren, dass die Medien nicht fair sind.

heute.de: Wieso greift "Project Veritas" gezielt Journalisten an?

Gertz: Weil Konservative diese Idee aufgebaut haben, dass der Presse nicht getraut werden darf. Für sie sind Fakten, die akkurat und wahr sind, gefährlich für das konservativen Bild und ihre Kandidaten. Je mehr sie also tun können, um diese rechtschaffenden Medien zu untergraben, desto besser ist es für sie.

heute.de: Wer ist die Zielgruppe von "Project Veritas"?

Gertz: Oft konservative Leser, die den klassischen Medien nicht mehr trauen. Es gibt eine Reihe von Blogs und Websites, die bewusst Fehlinformationen verbreiten. Das Ziel des Gründers von "Project Veritas", James O'Keefes, ist es, Medienschaffende zu entblößen und schlussendlich, dass diese dann gefeuert werden.

heute.de: Nun ist der Angriff auf die "Washington Post" nicht der erste seiner Art. Wer waren die anderen Opfer und wie beeinflussen sie den Journalismus?

Gertz: Es gab im letzten Jahr mehrere solcher Attacken. Diesmal auf die "Washington Post", davor schon auf die "New York Times" und "CNN". O'Keefe glaubt eindeutig, dass es hier ein praktikables Modell gibt. Indem er gezielt Journalisten attackiert, will er zeigen, dass die Medien korrupt sind. Eine These, die Donald Trump seit längerem betont. Das größere Problem ist, dass seine Anhänger, seine Fans und die Leute, die allgemein seine Meldungen akzeptieren, nicht von seinem Flop hören werden. Sie werden O'Keefes Seite der Geschichte lesen und nie herausfinden, dass es Betrug war. Sie ignorieren es einfach.

heute.de: Wie können Journalisten sich gegen diese Anti-Presse-Bewegung wehren?

Gertz: Es ist wichtig, die Fakten und die Wahrheit zu veröffentlichen, um die Verkommenheit dieser Organisation so gut wie möglich zu zeigen. Aber die Tatsache, dass sich diese Leute nur Informationen suchen, die ihre Vorurteile bestätigten, wird sehr schwer zu bekämpfen sein. Diese konservative Medienblase, die über viele Jahre aufgebaut wurde, wird schwer zu knacken sein. Es bleibt einzig: Die Wahrheit aufzeigen, Fakten überprüfen und beweisen, dass James O'Keefe falsch liegt.

heute.de: Welchen Einfluss haben Gruppen wie "Project Veritas" auf die Gesellschaft?

Gertz: Es ist dramatisch. Sie ändern die öffentliche Diskussion und verzerren Informationen und bauen ein Gefühl des Misstrauens gegenüber Institutionen auf, denen nicht vertraut werden soll.

heute.de: Dabei hat die Gruppe einen sehr bekannten und einflussreichen Unterstützer: Donald Trump. Welche Rolle spielt der derzeitige US-Präsident für "Project Veritas"?

Gertz: Er spielt hier eine sehr große Rolle. Er hat 2015 sogar 10.000 US-Dollar an "Project Veritas" gespendet. Ich nehme an, weil er eine ähnliche Idee hat, dass man den Medien nicht trauen kann, setzt er auf Leute wie James O'Keeve, um dieses verzerrte Bild der Wahrheit zu verbreiten. Er hat die Medien immer wieder angegriffen, sowohl als Kandidat als auch als Präsident. Seine Botschaften und seine Tweets überzeugen sie, dass sie das Richtige tun und dass ihr Projekt weiterführen sollten.

Das Interview führte Marcel Aburakia.

Geschichten faken, um etablierte Medien schlecht zu machen und demokratische Institutionen zu untergraben: Das Projekt Veritas hat sich einiges vorgenommen.

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2 min
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