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Protektionismus - Drohen bald weltweit Handelskriege?

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Harley Davidsons könnten teurer werden, Grund sind mögliche Einfuhrbeschränkungen seitens der EU. Doch nicht nur zwischen Europa und den USA wächst das Risiko von Handelskriegen.

Archiv: Harley-Davidson, aufgenommen am 08.05.2015
Könnte bei uns bald teurer werden: Das Liebhaber-Motorrad von Harley-Davidson. Hintergrund ist ein drohender Handelskrieg zwischen der EU und den USA. Quelle: dpa

Wer an seiner Karriere als Rocker arbeiten will, sollte Dampf machen. Vor allem, wer sich dazu stilgemäß eine munter röhrende Harley Davidson zulegen will. Denn die EU hat Pläne in der Schublade, auf die amerikanischen Kult-Bikes Strafzölle zu erheben. Das ist in diesen Tagen die Antwort aus Brüssel auf Vorschläge des amerikanischen Handelsministers, die Einfuhren von Stahl und Aluminium zu drosseln. Denn diese Pläne könnten auch europäische Stahlproduzenten treffen - und damit auch deutsche.

"Wir müssen uns gedanklich mit Handelskriegen auseinander setzen"

Langsam scheint einzutreten, was viele Verfechter des weltweiten Freihandels befürchtet hatten: Spannungen zwischen den handelnden Nationen nehmen zu. "Noch sehe ich zwar kein Problem", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba. "Aber das Problem von Handelsrisiken oder einem Handelskrieg ist eines, mit dem wir uns gedanklich auseinandersetzen müssen". Für ihn firmiert dieses Problem unter den Top drei der Risiken für die Weltwirtschaft in diesem Jahr. Und er steht mit dieser Meinung nicht allein. So spricht Richard Rossow aus der Denkfabrik Center for Strategic and International Affairs mit Blick auf Indien von einem "überraschend  hohen Niveau von Handelsprotektionismus".

Indien? Ja. Der indische Premierminister trat vor wenigen Wochen auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos noch als Verfechter von Freihandel in der Welt auf. Damit ist es nun vorbei. Denn im Zuge eines neuen Finanzhaushaltes in Delhi hat die indische Regierung, quasi nebenbei, Zölle eingeführt: Make-up, Armbanduhren, Sonnenbrillen und Spielkonsolen sind beispielsweise betroffen. "Make in India" - produziert es in Indien - lautet die Parole. Die indische Regierung will vordergründig gegen ihr hohes Außenhandelsdefizit vorgehen. Die zu Grunde liegende Logik aber ist augenscheinlich: Es stehen dort nämlich Wahlkämpfe an.

USA schotten sich ab - doch nicht nur sie

Betroffen von den Zollerhöhungen sind auch Fernsehgeräte, Autoteile und Mobiltelefone. Aufgrund der höheren Einfuhrgebühren hat der US-Technologiekonzern Apple umgehend die Preise von iPhone & Co. für indische Verbraucher erhöht. In diesem Fall müssen Indiens Apple-Fans also tiefer in die Tasche greifen. Natürlich ließ die Reaktion aus den USA nicht lange auf sich warten: "Reziproke" Steuern seien in einem solchen Fall die angemessene Antwort, sagte Donald Trump in einem Gespräch mit Kongressmitgliedern. Die Spirale von Handelsbeschränkungen schraubt sich hoch: Aktion gleich Reaktion lautet das physikalische Prinzip, das auf der internationalen Bühne en vogue ist.

Dabei sind die USA mitnichten nur reagierend. Vorausgegangen war nämlich, dass Donald Trump seine im Wahlkampf versprochenen protektionistischen Versprechen umzusetzen begonnen hat. So hat Amerika kürzlich Strafzölle auf Waschmaschinen und Solarmodule eingeführt, was sich gegen Exporteure aus dem asiatischen Raum richtet; Produzenten aus China und Südkorea etwa sind davon betroffen. Die jüngsten Pläne, nun auch die Einfuhr von Stahl und Aluminium zu reglementieren, setzen diese Politik fort. Trump hat mehrfach betont, die eigene Wirtschaft gegen die Konkurrenz aus anderen Teilen der Welt abschotten zu wollen. Nun lässt er seinen Worten Taten  folgen.

Auch Whiskey bald teurer?

Allerdings müssen solche Handelsschranken wie in den USA nicht unmittelbar dazu führen, dass alle anderen darunter leiden. Waschmaschinenbauer wie Miele beispielsweise sehen die US-Strafzölle noch gelassen. Auch der neue Bericht des US-Handelsministers sieht eine Spielart vor, bei der nur die Stahleinfuhren aus bestimmten Ländern wie China, Russland oder Indien gezielt mit Strafzöllen belegt werden sollen. Letztlich könnte eine solche Entwicklung dann sogar von Vorteil für Unternehmen aus der Europäischen Union und Deutschland sein. "Vielleicht können wir uns dann freuen, wenn solche Beschränkungen bilateral bleiben", meint Carsten Brzeski von der ING Diba. Denn dann ändern sich die Handelsströme möglicherweise zu Gunsten der Länder, die keine Zölle erheben. Aktuell sieht es aber nicht danach aus, das Säbelrasseln wird lauter.

Übrigens: Wer Whiskey für seine Rolle als zukünftiger Rocker für unerlässlich hält, sollte sich zur Sicherheit ein paar Fässer einlagern. Das Zeug wird nicht schlecht, im Zweifel sogar besser mit der Zeit. Auf der Liste der EU als Reaktion auf amerikanische Strafzölle steht neben Harley-Davidson-Schoppern nämlich auch Bourbon-Whiskey aus Tennessee und Kentucky.

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