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Wie bedeutend sind IWF und Weltbank?

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Hintergrund: Protektionismus - Wie bedeutend sind IWF und Weltbank?

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Amerikanische Interessen wirken auf IWF und Weltbank, meint der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Felbermayr. Heute beginnt die Frühjahrstagung beider Institutionen.

Weltbank in Washington. Archivbild
Die Frühjahrstagung von IWF und Weltbank beginnt heute und dauert bis zum 14. April. (Archivbild)
Quelle: epa Stefan Zaklin/EPA/dpa

heute.de: Amerika hat schon immer seinen Daumen auf dem obersten Posten der Weltbank und nominiert deren Chef oder Chefin. Europa besetzt im Gegenzug die IWF-Führungsrolle. Pünktlich zur Frühjahrstagung tritt nun aber der neue Weltbank-Chef und Trump-Vertraute David Malpass sein Amt an. Der war zuvor vor allem als Kritiker multilateraler Institutionen wie IWF und Weltbank aufgefallen. Bedeutet das einen Kurswechsel der Weltbank?

Gabriel Felbermayr: Das heißt, dass die Weltbank sich verstärkt amerikanischen Interessen unterordnen wird. David Malpass ist Vertrauter von Donald Trump. Er wird seine Positionen weiter vertreten. Trump berief ihn genau deswegen – weil er eine skeptische Position zum Multilateralismus vertritt.

heute.de: Welches sind denn konkret die Interessen Amerikas?

Felbermayr: Die Weltbank steht im Wettbewerb mit anderen großen Finanzinstitutionen, die Entwicklungsprojekte finanzieren. Am dramatischsten ist der Wettbewerb mit der neuen, von China dominierten asiatischen Infrastruktur- und Investitionsbank. In Konkurrenz wird die Weltbank stärker als bisher amerikanische Interessen vertreten. Das richtet sich auch offensiv gegen China. Bisher war das nicht so leicht möglich. China ist auch ein Mitglied der Weltbank und hat Wahlrechte. Die Wahl von Malpass wird den Systemwettbewerb mit China antreiben.

heute.de: Malpass möchte China den Status als Schwellenland nehmen, sodass China nicht mehr einfach in den Kreis der Kreditnehmer der Weltbank treten kann.

Felbermayr: Ja, das ist richtig. Aber da muss man Herrn Malpass auch verstehen: Die Chinesen sind mittlerweile die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Sie haben einen gewaltigen Aufholprozess hingelegt – sie sind nicht mehr nur Empfänger von Weltbank-Projekten, sondern selber in der Entwicklungspolitik stark aktiv. Es ist schon in Ordnung, dass China auch so behandelt werden sollte. Aber der Ton und auch das Timing sprechen dafür, dass dies auch ein Ausdruck dieses verschärften Systemwettbewerbs ist.

heute.de: Das wird international auch so wahrgenommen: Die USA kehren multilateralen Institutionen den Rücken oder versuchen, sie in ihrem Interesse zu verändern. Andernorts bilden sich Allianzen dagegen.

Felbermayr: Sicherlich. Und in diesem Zusammenhang kann man auch die chinesisch-asiatische Investitionsbank sehen: Als defensive Strategie, sich aus der Abhängigkeit der USA heraus zu bewegen. Je mehr die USA an Widerstand aufbauen, umso mehr werden die Chinesen gezwungen, eigene Institutionen aufzubauen – mit Partnern, die sie in Asien oder Afrika beispielsweise finden.

Die Weltbank hat mehr Hilfe für Entwicklungsländer zugesagt.
"Von Weltbank oder der chinesischen Investitionsbank könnten die Entwicklungs- und Schwellenländer sogar profitieren", sagt Gabriel Felbermayr. (Archivbild)
Quelle: Boris Roessler/dpa

heute.de: Das heißt, die Konfrontation wird zunehmen. Der IWF ist bekannt, Kredite für ärmere Länder zu geben und als Gegenleistung die Liberalisierung der Länder voran zu treiben. Die Weltbank unterstützt Hilfsprogramme für ärmere Länder und hat sich Armutsbekämpfung auf die Fahnen geschrieben. Werden es ärmere Länder in Zukunft schwerer haben, wenn Institutionen wie IWF und Weltbank in Zukunft möglicherweise stärker im Zentrum solcher Machtinteressen stehen und gleichzeitig Handelskonflikte zunehmen?

Felbermayr: Die Entwicklungsländer sind vor allem durch einen Kollaps der Welthandelsorganisation betroffen. Das ist der Ort, wo sie am stärksten involviert sind. Bei den Projekten, die jetzt angestoßen werden, ist das anders: Von Weltbank oder der chinesischen Investitionsbank könnten die Entwicklungs- und Schwellenländer sogar profitieren. Ihnen steht in Aussicht, besser und schneller an Kredite zu kommen. Gerade der Rückzug der Amerikaner in multilateralen Institutionen könnte Entwicklungsländern also helfen.

heute.de: Inwiefern ist die Schwächung der Welthandelsorganisation für ärmere und Schwellenländer schwierig zu verkraften?

Felbermayr: Das ist eine ganz andere Angelegenheit. Denn im Welthandel stellt "Amerika first" oder auch ein mögliches "Germany first", die eigene Marktstärke in den Mittelpunkt. Da haben Entwicklungs- und Schwellenländer keine guten Karten, weil ihre Marktmacht zu klein ist. Die müssten vorher investieren, eigene Binnenmärkte schaffen. Mit denen könnten sie dann auch erfolgreich pokern. Solange das nicht der Fall ist, ist jede Schwächung der multilateralen Ordnung im Handelsbereich für die armen und kleinen Länder dieser Welt eine ganz schlechte Nachricht.

heute.de: Wenn die Armen, kleineren und Schwellenländer derart unter Druck gerieten – was bedeutet das für die Weltwirtschaft?

Felbermayr: Weil diese Länder vergleichsweise arm und klein sind, ist der Anteil am Welteinkommen oder der Weltnachfrage relativ klein. Das ist für die deutsche oder auch die europäische Konjunktur kein großes Problem. Aber wir müssen natürlich auch daran denken, dass die Armutsbekämpfung zum Beispiel in Afrika oder in Lateinamerika für uns wichtig ist. Wir wollen ja nicht wieder eine Flüchtlingsproblematik bekommen – wie im Jahr 2015. Aus dieser Perspektive ist die Krise des Multilateralismus und die Schwächung der Entwicklungsländer auch für uns ein Problem.

Das Interview führte Mischa Erhardt.

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