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Proteste in Hongkong - Polizei setzt Netze gegen Demonstranten ein

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Tagelang hatten Demonstranten die Polytechnische Universität in Hongkong besetzt. Nun ist die Polizei hart gegen die Blockade vorgegangen, mit Schlagstöcken und Schleppnetzen.

Die Hongkonger Polizei ist mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Besetzer der Polytechnischen Universität vorgegangen. Die Bereitschaftspolizei drängte auf das Gelände und schlug die Protestierenden nieder. Die Polizei hängte zudem rund um den Campus ein Schleppnetz auf, um so viele Menschen wie möglich an der Flucht zu hindern. Andere Protestierende blockierten wiederum zu Beginn des Berufsverkehrs eine Hauptstraße nahe der Hochschule, um die Beamten abzulenken und so jenen auf dem Unigelände zur Flucht zu verhelfen.

In die Ecke getriebene Protestierende versuchten dabei augenscheinlich, eine Polizeikette zu durchbrechen und vom umstellten Campus zu entkommen, um einer Festnahme zu entgehen. Ob das gelang, war zunächst unklar.

Polizisten wollen das Areal räumen

Die Szenerie hat sich so schon oft bei den mehr als fünf Monate anhaltenden Protesten abgespielt: Regierungsgegner halten eine Störaktion ab und suchen das Weite, während die Polizei so viele Demonstranten wie möglich festzusetzen versucht.

Die Demonstranten hatten sich seit Tagen auf dem Gelände der Polytechnischen Universität verschanzt. Am Sonntagabend umstellten Beamte das Gelände. Nach Ablauf eines Ultimatums an die Aktivisten, das Areal zu räumen, drangen Polizisten am frühen Montagmorgen über einen Eingang in die Universität ein, kamen jedoch offenbar nicht weit.

Demonstranten werfen mit Benzinbomben

Demonstranten warfen Benzinbomben, um anrückende Beamte abzuwehren. Dennoch nahm die Polizei nach Berichten etliche Personen fest. Sie warnte zudem, jedem in der Gegend könne eine Anklage wegen Randalen drohen. Angaben über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Bei Tagesanbruch behielten indes die Protestierenden weitgehend die Kontrolle über den Campus, es herrschte gespannte Ruhe.

Das bestätigt auch ZDF-Korrespondentin Stefanie Schoeneborn. "Die Aktivisten haben sich bewaffnet, ausgestattet mit allem, was die Sporthalle hergab", so Schoeneborn im ZDF-Morgenmagazin. "Das heißt also Baseballschläger, Degen, Speere, Pfeil und Bogen. Aber sie haben auch Molotow-Cocktails, haben auch Katapulte konstruiert, mit denen sie Steine und Brandsätze auf die Polizei werfen können."

Wong verteidigt Gewalt durch Demonstranten

Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong rechtfertigte den Einsatz von Gewalt durch Demonstranten in der chinesischen Sonderverwaltungszone unterdessen. "Mit rein friedlichem Protest werden wir unser Ziel nicht erreichen", sagte Wong der "Süddeutschen Zeitung". "Allein mit Gewalt allerdings auch nicht. Wir brauchen beides."

Das gewaltsame Vorgehen der Polizei stoße auf immer mehr Widerstand in der Hongkonger Bevölkerung, so Wong weiter. "Erst hat die Polizei nur Demonstranten verhaftet, dann Ersthelfer, Pastoren und nun Zivilisten." Mehr als 4.000 Menschen seien inzwischen festgenommen worden. "Das stärkt das Verständnis der Bevölkerung für die Proteste", zeigte sich der 23-Jährige, der wegen seines Engagements bereits mehrfach in Haft war, überzeugt.

Peking verteidigt Einsatz von Soldaten

Derweil verteidigte Peking die Aufräumaktion chinesischer Soldaten in Hongkong am Samstag. Die Soldaten hätten Bewohnern beim Freiräumen von Straßen nahe der Hongkonger Kaserne der Volksbefreiungsarmee geholfen, sagte ein Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums am Montag am Rande einer Sicherheitskonferenz in Bangkok.

Dutzende Soldaten in einheitlicher Sportkleidung und mit Bürstenhaarschnitt waren am Samstag überraschend ausgerückt, um nach den gravierenden Protesten der vergangenen Woche Trümmer und Steine von den Straßen zu räumen. Experten hatten den kurzzeitigen Auftritt der Soldaten in der chinesischen Sonderverwaltungszone als subtile Machtdemonstration Pekings bewertet.

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