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Größte Proteste gegen Bouteflika - 200 Verletzte und 200 Festnahmen in Algerien

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Die bislang größten Proteste gegen Algeriens Präsidenten Bouteflika verliefen weitgehend friedlich - zunächst. Doch als alles schon vorbei sein sollte, kam es doch noch zu Gewalt.

Demonstranten in Algier bedecken ihre Gesichter zum Schutz vor Tränengas.
Demonstranten in Algier bedecken ihre Gesichter zum Schutz vor Tränengas.
Quelle: dpa

Bei Zusammenstößen am Rande der Massendemo gegen Algeriens 82-jährigen Langzeit-Präsidenten Abdelaziz Bouteflika sind mehr als 200 Menschen verletzt worden. Aus einem Krankenhaus in der Hauptstadt Algier hieß es am Samstag, es seien mehr als 100 Zivilisten eingeliefert worden. Einige hätten Tränengas eingeatmet, andere seien von Steinen oder Gummigeschossen getroffen worden. Die algerischen Sicherheitsbehörden hatten zuvor auch von mehr als 100 verletzten Polizisten berichtet.

In einem Versuch, weitere Proteste einzudämmen, ordnete Algeriens Bildungsministerium am Tag danach überraschend an, die Frühlingsferien an den Universitäten vorzuziehen und auf fast vier Wochen auszudehnen; sie sollen nun schon an diesem Sonntag beginnen. Vor allem an Universitäten hatte es zuletzt immer wieder Proteste gegeben.

Am Freitag waren zunächst in vielen Städten des Landes Menschenmassen friedlich auf die Straße gegangen. Es handelte sich um die größten Demonstrationen seit Ausbruch der Protestwelle vor mehr als drei Wochen. Die Schätzungen reichten von Zehntausenden bis zu Hunderttausenden Teilnehmern. Im Zentrum der Hauptstadt Algier waren Straßen und Plätze bis zum Bersten gefüllt.

Tränengas und Blendgranaten

Als die Demonstrationen eigentlich schon vorbei waren, kam es in der Hauptstadt Algier doch noch zu Zusammenstößen von Jugendlichen mit der Polizei. Die Polizisten hätten eine Straße in Richtung des Amtssitzes des Präsidenten versperrt, wie verschiedene Journalisten berichteten. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein.

Offizielle Stellen sprachen von "Chaoten", die im Nationalmuseum für Altertümer und Islamische Kunst randaliert und geplündert hätten. Bilder zeigten ausgebrannte Räume und zerstörte Vitrinen. 195 Menschen wurden festgenommen.

Seit Ende Februar kommt es landesweit immer wieder zu Protesten gegen Bouteflika. Freitags - im Islam ist der Freitag der wichtigste Wochentag - sind die Kundgebungen besonders groß, aber so groß wie dieses Mal waren sie bislang noch nicht.

Gegner: Marionette seines Umfeldes

Der 82 Jahre alte Staatschef ist seit 20 Jahren an der Macht und will sich bei einer Abstimmung am 18. April erneut wählen lassen; es wäre seine fünfte Amtszeit. Seine Gegner und Kritiker bezweifeln jedoch, dass Bouteflika tatsächlich noch in der Lage wäre, das Amt auszuüben - viele halten den gebrechlichen Staatschef für eine Marionette seines Umfeldes.

Nach einem Schlaganfall sitzt Bouteflika im Rollstuhl und hat große Probleme zu sprechen. Der Präsident hält sich seit rund zwei Wochen zur medizinischen Behandlung in Genf auf. Wann er nach Algerien zurückkehren kann, ist unklar. Seit Ausbruch der Proteste äußerte er sich nur durch Botschaften, die für ihn verlesen wurden.

Die Bilder erinnern an die arabischen Aufstände vor acht Jahren, wo Massenproteste in den benachbarten Ländern Langzeitherrscher zu Fall brachten. In Algerien blieb die Lage damals vergleichsweise ruhig. Bouteflika galt lange als Stabilitätsgarant, der das Land nach dem blutigen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren wieder vereint hat.

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