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Kundgebungen an Chinas Feiertag - Schwere Zusammenstöße bei Protesten in Hongkong

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In Hongkong sind abermals Demonstranten und Polizei aneinandergeraten. Mehr als 50 Menschen wurden verletzt. Erstmals wurde ein Protestierender durch einen Schuss getroffen.

Am 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China sind die Proteste in deren Sonderverwaltungszone Hongkong eskaliert. Erstmals wurde ein prodemokratischer Demonstrant bei Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizei durch einen Schuss getroffen, wie in Polizeikreisen bestätigt wurde. In den sozialen Netzwerken wurde ein Video von dem Vorfall verbreitet. Es zeigte Dutzende schwarz gekleidete Demonstranten, die Gegenstände auf Einsatzkräfte werfen. Ein umzingelter Beamter zog seine Pistole und richtete sie auf die Gruppe. Dann gab er einen Schuss ab, der Demonstrant brach zusammen und andere rannten weg.

Wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete, gab die Polizei mindestens fünf Schüsse ab. Zwei Warnschüsse wurden demnach abgefeuert, nachdem Polizisten von einer Gruppe Demonstranten angegriffen worden war. Ein Sprecher der Polizei machte dazu zunächst keine Angaben. Hongkongs Krankenhaus-Behörde teilte mit, dass bis zum Abend (Ortszeit) 51 Menschen bei den Protesten verletzt wurden, von denen sich zwei in einem kritischen Zustand befanden. 

Beamten setzen Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein

Bei Ausschreitungen an mindestens fünf Orten in der Stadt blockierten Aktivsten Straßen, legten Feuer, warfen Pflastersteine und Brandsätze. Die Beamten setzten Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein. Zehntausende Demonstranten zogen trotz eines Verbots der Behörden durch die Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone. "Freiheit für Hongkong", riefen die zumeist schwarz gekleideten Demonstranten und stimmten die Hymne der Protestbewegung an. Auch an anderen Orten in der früheren britischen Kronkolonie mit ihren rund sieben Millionen Einwohnern kamen Demonstranten zu zunächst friedlichen Protestaktionen zusammen.

Gegner der Regierung in Hong Kong werden mit Tränengas beschossen
Demonstranten in Hongkong werden von der Polizei mit Tränengas beschossen.
Quelle: reuters

Zeitgleich hatten unter hohen Sicherheitsvorkehrungen am Morgen die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag der Volksrepublik China begonnen. Abgeriegelt von der Öffentlichkeit verfolgten geladene Gäste im Messezentrum der Stadt eine Zeremonie, die in die geschlossenen Räume übertragen wurde. Eine Ehrengarde hisste die Nationalflagge an der goldenen Bauhinien-Statue, einem Wahrzeichen der Stadt. Zwei Helikopter mit einer großen chinesischen und einer kleineren Hongkonger Fahne flogen über den Hafen entlang der Hongkonger Skyline.

Die Demonstranten fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei den seit fünf Monaten andauernden Protesten, eine Amnestierung der mehr als 1.500 bisher Festgenommenen, eine Rücknahme der Einstufung ihrer Proteste als "Aufruhr" sowie freie Wahlen. "Wir kämpfen für Freiheit und Demokratie", sagte ein Demonstrant namens Ramon. Die Kommunistische Partei gewähre den Menschen keine freien Wahlen, zudem würden Versammlungsfreiheit und Redefreiheit immer weiter eingeschränkt.

Regierungschefin Lam bei Militärparade in Peking

In Erwartung der Ausschreitungen hatten die Behörden bereits am Morgen einige Straßen und U-Bahn-Stationen in der Innenstadt gesperrt. Über 20 Stationen wurden bis zum Abend geschlossen. Mindestens 6.000 Polizisten hielten sich bereit, wie lokale Medien berichteten. Mehrere große Einkaufszentren und Hunderte Geschäfte in der Stadt blieben geschlossen; einige Hotels empfahlen ihren Gästen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten.

Hongkongs bei der Protestbewegung verhasste Regierungschefin Carrie Lam verbrachte den Feiertag nicht in der Stadt. Gemeinsam mit einer großen Delegation war sie zu der großen Militärparade nach Peking gereist. Hongkongs Behörden hatten einen für Dienstag geplanten großen Protestmarsch im Vorfeld untersagt. Die Demokratiebewegung hatte dennoch für den Tag mehrere Protestaktionen angekündigt. Schon bei Protesten am Wochenende war es in Hongkong wieder zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

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