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"Bisher hat sie nur gelogen"

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Neue Massenproteste in Hongkong - "Bisher hat sie nur gelogen"

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Das Misstrauen sitzt tief bei den Hongkongern. Nachdem Regierungschefin Lam gestern das umstrittene Auslieferungsgesetz ausgesetzt hat, gehen sie heute wieder auf die Straße.

Es sind wieder Zehntausende, die in Hongkong auf die Straße gehen. Sie rufen "Carrie Lam, step down!", "Carrie Lam, treten Sie zurück!". Wenn wir die Demonstranten fragen warum, bekommen wir immer die gleiche Antwort: "Sie hat sich nicht entschuldigt und spricht von 'Aufruhr'." Sie sage, sie sei um Hongkong besorgt. "Aber bisher hat sie nur gelogen."

Stolz auf den Demokratiewillen spürbar

Die Wut ist spürbar und gleichzeitig ein unglaublicher Stolz auf den Protest und Demokratiewillen der eigenen Leute. Eine junge Mutter schiebt den Kinderwagen mit ihrem fünfjährigen Sohn, der friedlich in all dem Trubel schläft. "Sehen Sie, das ist Hongkong. Wir können demonstrieren und unsere Kinder mitnehmen, ohne Angst", sagt ein Demonstrant im Vorbeilaufen.

Wir können demonstrieren und unsere Kinder mitnehmen, ohne Angst.
Demonstrant in Hongkong

Sie wollen zeigen, dass Hongkonger friedlich demonstrieren und gegen Gewalt sind. Aber sie trauen ihrer Regierung nicht mehr - nicht dieser Regierung unter Carrie Lam. So viel Meinungsfreiheit muss Peking verwirren. Und genau die wollen die Demonstranten in Hongkong schützen. Sie fürchten um den Rechtsstaat, wenn das umstrittenene Auslieferungsgesetz nicht komplett gestoppt wird.

Das Misstrauen sitzt tief

Das Auslieferungsgesetz würde Hongkongs Behörden erlauben, von China verdächtigte und gesuchte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Kritiker warnen, Chinas Justiz sei nicht unabhängig und diene als Werkzeug der politischen Verfolgung.

Bisher sprach die Regierungschefin nur davon, das Gesetz auszusetzen. Nicht aber davon, es tatsächlich aufzuheben. Das Misstrauen sitzt tief, und die Hongkonger sagen, sie werden es niemals zulassen, dass Chinas Macht wächst.

Verletzte bei Zusammenstößen am Mittwoch

Am vergangenen Wochenende hatten nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen Hunderttausenden und einer Million Hongkonger gegen das Vorhaben der Regierung demonstriert. Danach kam es am Mittwoch zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten, bei denen etwa 80 Menschen verletzt wurden.

Wir werden einen Schutzwall aus Menschen bilden.
Demonstrantin

Eine derjenigen, die heute protestiert ist Dorothee. Die Mutter von zwei Kindern sagt, wenn es heute wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den jungen Demonstranten geben sollte, dann würden sie sich dazwischen stellen. "Keine Gewalt. Wir werden einen Schutzwall aus Menschen bilden." Es dürften kein Tränengas und keine Gummigeschosse mehr eingesetzt werden. "Wir werden das verhindern."

Die Angst ist da, aber die Entschlossenheit auch. Die Demonstranten sind alle in Schwarz gekleidet, mit einer weißen Schleife. Schwarz steht für die Wut über die Gewalt. Weiß steht für die Hoffnung, dass sich Dinge vielleicht doch ändern werden.

Hongkong und China: Ein Rückblick

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