Sie sind hier:

Massenprotest in Venezuela - Hunderttausend für Guaidó, Hunderttausend für Maduro

Datum:

In Venezuela schwört Oppositionsführer Guaidó seine Anhänger auf einen Machtwechsel ein. Präsident Maduro stellt vorgezogene Parlamentswahlen in Aussicht - eine Drohung.

Zur Stunde treffen bei Protestmärschen in Venezuela Anhänger des Übergangspräsidenten Guaidó und des amtierenden Präsidenten Maduro aufeinander.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Ein Meer gelb-blau-roter Fahnen, Hunderttausende auf den Beinen, flammende Reden, Jubel und Applaus. Die Großkundgebungen von Regierung und Opposition im südamerikanischen Krisenstaat Venezuela sahen sich am Samstag streckenweise ziemlich ähnlich. Auch in ihrer Kompromisslosigkeit ähnelten sich die Hauptredner, der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó und der umstrittene Staatschef Nicolás Maduro. Ein Kompromiss oder eine Vermittlung sind weiter nicht in Sicht.

Maduro bot erneut eine Neuwahl an - aber nur eine des Parlaments, keine des Präsidenten, wie es Guaidó fordert. "Das ist kein Entgegenkommen, sondern eine Vorentscheidung in Richtung Konfrontation", sagt ZDF-Südamerika-Korrespondent Christoph Röckerath. Maduro versuche, seine Gegner durch eine Wahl loszuwerden. Denn im - entmachteten - Parlament hat die Opposition eine Mehrheit.

"Freiheit, Übergangsregierung, Neuwahlen"

Der Oppositionsführer machte seinen Anhängern Hoffnung, der Machtwechsel stehe "unmittelbar" bevor. "Wir schwören: Wir bleiben auf den Straßen, bis es Freiheit, eine Übergangsregierung und Neuwahlen gibt", sagte Guaidó in der Hauptstadt Caracas unter dem Jubel von geschätzten Hunderttausend Anhängern, die seine Worte im Chor wiederholten.

Demonstranten am 02.02.2019 in Caracas (Venezuela)
Volle Straßen: Geschätzte Hunderttausend protestieren in Caracas für Guaidó.
Quelle: reuters

Maduro aber zeigte sich bei einer offiziellen Kundgebung mit ebenfalls etwa Hunderttausend Teilnehmern unbeeindruckt und warnte seinen Herausforderer: "Ich bin der wahre Präsident Venezuelas. Und wir werden weiter regieren."

Maduro sprach vor seinen Anhängern aus Anlass des 20. Jahrestages des Amtsantritts seines Mentors Hugo Chávez. Der Oberstleutnant Chávez, Anführer eines gescheiterten Putschversuches 1992, hatte Ende 1998 die Präsidentenwahl gewonnen. Als Staatschef machte er sich mit kubanischer Unterstützung daran, das erdölreiche Land im Sinne eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" umzubauen. Chávez starb 2013 an Krebs, Maduro wurde in umstrittenen Wahlen zu seinem Nachfolger gewählt.

Nicolas Maduro steht mit seiner Frau auf einer Bühne und winkt seinen Unterstützern zu, Caracas, 02.02.19
"Ich bin der wahre Präsident Venezuelas", warnt Maduro seine Gegner.
Quelle: 19-319643

Guaidó will Hilfsgüter aus dem Ausland ins Land holen

Venezuela ist wie andere südamerikanische Länder von Korruption und krassen Unterschieden zwischen Arm und Reich gekennzeichnet. Seit die Ölpreise weltweit fielen, ging es mit der Wirtschaft steil bergab. Heute sind Lebensmittel und Medikamente knapp, etwa drei Millionen Menschen flohen ins Ausland. Guaidó kündigte für den 24. Februar erste humanitäre Hilfslieferungen aus dem Ausland an. Wie sie gegen den Willen der Regierung Maduro ins Land kommen sollen, ist unklar.

Die Kundgebungen für und gegen Maduro lagen mehrere Kilometer voneinander entfernt, über gewaltsame Ausschreitungen wurde zunächst nichts bekannt. Bei den jüngsten Massenprotesten waren nach Medienberichten mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen und rund 850 festgenommen worden. Die sonst schnell gegen regierungskritische Demonstrationen einschreitenden Sicherheitskräfte hielten sich auffällig zurück. Im Bundesstaat Lara zog sich die Polizei sogar auf Bitten der Guaidó-Anhänger zurück, wie die Zeitung "El Nacional" berichtet. Ob Maduro die Oppositionskundgebungen nicht verhindern konnte oder wollte, blieb unklar.

Ultimatum der Europäer läuft ab

Für Guaidó formierten sich auch in anderen Städten des südamerikanischen Ölstaates Demonstrationen. Der 35-Jährige, der sich vergangenen Monat selbst zum Interimspräsidenten proklamiert hatte, forderte erneut freie und faire Wahlen. Er wurde bereits von 20 Staaten anerkannt, darunter die USA, die einen Machtwechsel fordern. Deutschland und mehrere andere EU-Länder hatten Maduro ultimativ aufgefordert, bis Sonntag Neuwahlen anzusetzen. Anderenfalls würden auch sie Guaidó als Übergangspräsident anerkennen.

Maduro kann jedoch auf die Unterstützung Russlands, Chinas, Kubas, Boliviens und Nicaraguas sowie der Militärführung setzen, die viele wichtige Posten auch in der Wirtschaft besetzt. Ein Luftwaffengeneral sagte sich jedoch am Samstag kurz vor Beginn der Demonstrationen von Maduro los und unterstellte sich dem Kommando Guaidós. "Ich erkenne die diktatorische Macht Nicolás Maduros nicht an", erklärte der Divisionsgeneral Francisco Yánez Rodríguez in einem auf Twitter verbreiteten Video. Wo und wann das Video aufgenommen wurde, war nicht bekannt. Der Militär stellte sich als Planungschef der Luftwaffe vor und versicherte, dass 90 Prozent der Streitkräfte gegen Maduro seien. In Venezuela gibt es etwa 2.000 Generäle. Laut Röckerath könnte der Seitenwechsel zum "echten Problem" für Maduro werden.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Luftwaffenchef General Pedro Alberto Juliac Lartiguez warf dem Zwei-Sterne-General "Verrat" vor. Guaidó hatte vergangene Woche erklärt, die Opposition führe Gespräche mit führenden Militärs und Regierungsvertretern über einen Machtwechsel.

Protest auch im Ausland

US-Vizepräsident Mike Pence stärkte Guaidó demonstrativ den Rücken und rief zu einem Machtwechsel auf. "Die USA versuchen, mit diplomatischem und wirtschaftlichem Druck zu einem friedlichen Übergang zur Demokratie beizutragen. Aber: Alle Optionen sind auf dem Tisch", warnte Pence am Freitag in einer Rede vor Exil-Venezolanern in Florida. Die USA unterhalten in anderen Weltregionen allerdings durchaus enge Kontakte zu autoritär gelenkten Ländern ohne demokratische Regierungen, etwa Saudi-Arabien oder Ägypten. Maduro warnte die USA erneut vor einem zweiten "Vietnam" in Südamerika.

Auch im Ausland fanden am Samstag Kundgebungen für Guaidó statt, unter anderem in Spanien, wo rund 400.000 Venezolaner leben. In Barcelona und Madrid trugen Teilnehmer Schilder mit Sätzen wie "Raus mit Maduro, dem Diktator!", "SOS Venezuela" und "Keine Toten mehr!"

Demonstranten am 02.02.2019 in Barcelona
Sogar im fernen Barcelona gingen viele gegen Maduros Politik auf die Straße.
Quelle: ap
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.