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Proteste in Hongkong - Tränengas gegen Demonstranten

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Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong kommt nicht zur Ruhe. Nach einem friedlichen Marsch der Protestbewegung durch die Stadt kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Demonstranten stehen im Rauch
Nach einem Protestmarsch kam es erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei in Hongkong.
Quelle: ap

Nach einem erneuten Marsch von Tausenden Demonstranten in den Straßen Hongkongs sind Polizisten gewaltsam gegen Protestierende vorgegangen. Trotz eines Verbots waren zehntausende Menschen friedlich durch das Zentrum der chinesischen Sonderverwaltungszone gezogen. In der Nähe der chinesischen Vertretung setzte die Polizei am Abend (Ortszeit) dann Tränengas und Gummigeschosse gegen noch verbliebene Demonstranten ein.

Aktivisten festgenommen

Rund 200 Demonstranten hatten sich ihren Weg zur chinesischen Vertretung gebahnt, wo sie auf Einsatzkräfte der Elite-Truppe Raptor trafen. Über Lautsprecher rief die Polizei die Aktivisten zu einer Beendigung der "illegalen Versammlung" auf, bevor sie schließlich Tränengas und Gummigeschosse einsetzte. Einige Demonstranten warfen Steine gegen die Einsatzkräfte.

Demonstranten mrschieren durch Hongkong
Demonstranten marschieren durch Hongkong
Quelle: dpa

AFP-Journalisten beobachteten nach eigenen Angaben mehrere Festnahmen. Zwei verletzte Journalisten seien medizinisch versorgt worden. Mindestens ein Demonstrant erlitt eine Kopfverletzung. Der größere Teil der Demonstranten versammelte sich im beliebten Shopping-Bezirk Causeway Bay. Aktivisten bauten Barrikaden auf und übernahmen eine Hauptdurchfahrtsstraße. Die Polizei hatte lediglich eine Kundgebung in einem Park genehmigt, den von den Veranstaltern beantragten Demonstrationszug jedoch verboten.

"Nieder mit dem bösen Gesetz!"

Bereits am Samstag waren laut Behörden bei Protesten mehr als 20 Menschen verletzt und elf Demonstranten von der Polizei festgenommen worden. In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong kommt es seit Wochen zu Protestmärschen mit Hunderttausenden Teilnehmern. Auslöser für die Demonstrationen war ein Gesetzentwurf zur Auslieferung beschuldigter Personen an China.

Regierungschefin Carrie Lam hat das Gesetz mittlerweile zwar "für tot" erklärt. Die Forderung der Demonstranten nach einer vollständigen Streichung des Vorhabens aus der parlamentarischen Agenda lehnt sie aber ab. Peking hat die Proteste in den vergangenen Wochen in zunehmend scharfem Ton verurteilt. Das chinesische Büro für die Beziehungen zu Hongkong und Macao in Peking kündigte für Montag eine Pressekonferenz an.

"Nieder mit dem bösen Gesetz!" und "Hongkong, gib Gas!", riefen die Protestler am Sonntag auf ihrem Weg durch die Stadt. Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Die Proteste richten sich auch gegen die Polizei, der vorgeworfen wird, bei den Demonstrationen in diesem Sommer zu hart vorgegangen zu sein. Ein Ende der Proteste ist nicht absehbar. Auch für die nächsten Wochen sind Demonstrationen geplant. 

Kritik an Übergriffen der Polizei

Am Samstag war es zwischen Regierungskritikern und der Polizei im Hongkonger Außenbezirk Yuen Long zu Zusammenstößen gekommen. Die Beamten setzten Tränengas, Schlagstöcke, Gummigeschosse und Pfefferspray ein, nachdem Zehntausende Menschen trotz eines Verbots zunächst friedlich durch den Stadtteil gezogen waren. Die Lage eskalierte, als Bereitschaftspolizisten am Abend den Bahnhof von Yuen Long gewaltsam räumten.

Was ist der Unterschied zwischen Pro-Peking-Banden und Polizisten?
Joshua Wong, Aktivist

Die Demonstranten hatten Yuen Long für ihren Marsch gewählt, weil am Bahnhof des abgelegenen Bezirks vergangenes Wochenende Regierungskritiker von Schlägern in weißen T-Shirts mit Eisenstangen und Stöcken angegriffen worden waren. Die Protestbewegung kritisierte das Vorgehen der Polizei. "Was ist der Unterschied zwischen Pro-Peking-Banden und Polizisten?", fragte der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong auf Twitter. Sowohl die Polizei als auch die Banden hätten nun innerhalb einer Woche am Bahnhof von Yuen Long unschuldige Bürger attackiert.  

Demonstranten geben nicht auf

Die überwiegend friedlichen Massenproteste gegen Hongkongs pro-chinesische Regierung dauern bereits seit sieben Wochen an. Inzwischen haben sich die Proteste ausgeweitet: Die Demonstranten fordern demokratische Reformen, ein allgemeines Stimmrecht und den Rücktritt der pekingtreuen Lam. Die Zentralregierung in Peking hat die Proteste in den vergangenen Wochen in zunehmend scharfem Ton verurteilt. Lam hat bislang kein Einlenken gezeigt. In der Öffentlichkeit war die Regierungschefin in den vergangenen Wochen kaum noch zu sehen.

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