Sie sind hier:

Angeklagte aus Russland und Ukraine - "Pflegemafia" wird der Prozess gemacht

Datum:

Pflegebetrug kostet laut BKA den Steuerzahler jedes Jahr eine Milliarde Euro. Um den Sumpf der "Pflegemafia" auszutrocknen, wurden soagr verdeckte Ermittler eingeschleust. Jetzt hat der Prozess gegen neun mutmaßlich Beteiligte begonnen. Sie kommen hauptsächlich aus Osteuropa.

Eine Bande von Pflegebetrügern steht in Düsseldorf vor Gericht. Mittels fingierter Rechnungen sollen sie mindestens acht Millionen Euro erschlichen haben. Ärzte und Patienten sollen ihnen dabei geholfen haben, denn auch sie profitierten von dem Betrug.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die teuren Kompressionsstrümpfe hatten sie zwar nie getragen, aber den Empfang bestätigt. Gegen eine kleine Belohnung sollen angeblich pflegebedürftige Patienten beim Betrug von Krankenkassen kräftig geholfen haben. Der Aufsehen erregende Skandal um die vermuteten millionenschweren falschen Abrechnungen mit Pflegeleistungen wird seit Mittwoch in Düsseldorf vor dem Landgericht verhandelt. Die Staatsanwaltschaft hat neun Männer und Frauen wegen bandenmäßigen Betrugs auf die Anklagebank gebracht. Eine von ihnen, eine Geschäftsführerin, habe bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt, sagt Staatsanwältin Petra Szczeponik am Mittwoch.

Annoncen in russischsprachigen Zeitungen

Der Schaden wird von den Ermittlern auf mindestens 8,5 Millionen Euro beziffert. Die Angeklagten sollen bei Krankenkassen und Sozialämtern Geld für gar nicht oder nicht vollständig erbrachte Leistungen abgerechnet haben. Vier von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Die meisten stammen nach Gerichtsangaben aus Russland und der Ukraine. Die überwiegend russischsprachigen Patienten hätten oft sogar mitkassiert, so die Staatsanwältin: Mal in Form eines monatlichen Taschengelds in dreistelliger Höhe, mal wurde ihnen ab und zu eine Putzfrau geschickt, wenn sie dafür die teuren Kompressionsstrümpfe samt regelmäßigem Anziehen durch eine Pflegekraft bestätigten.

Eine andere Masche: Die angeblich von einer Pflegekraft verabreichten Medikamente nahmen die Patienten selbst ein. In russischsprachigen Zeitungen seien die "Gratis-Leistungen" sogar annonciert worden, berichtet die Staatsanwältin. Hätten sich Prüfer angekündigt, sei den "Patienten" eingebläut worden, welche Leistungen sie anzugeben und angeblich ordnungsgemäß erhalten hätten. Dabei seien dann auch schon mal die Kompressionsstrümpfe angezogen worden - zum ersten Mal.

Zu wenig Pflegekräfte für die erbrachten Leistungen

"Es war schon sehr organisiert", sagt die Anklägerin. Weil die Zahl der Pflegekräfte weit niedriger lag, als für die abgerechneten Leistungen notwendig gewesen wären, hätten die Firmen Schein-Mitarbeiter "beschäftigt", deren Leistung im Unterschreiben der Formulare bestanden habe. Ärzte, die unnötige Maßnahmen verordneten, sollen mit den Angeklagten unter einer Decke gesteckt und auch abkassiert haben. Eine entsprechende Aussage habe sich aber bislang nicht erhärten lassen. "Von denen spricht keiner mit uns", sagt die Staatsanwältin.

Dass hinter alldem russische oder ukrainische Mafiagruppen stecken, dafür hätten sich in diesem Verfahren keine Beweise gefunden, sagt die Staatsanwältin. Öfter habe man dafür gehört: "Das machen doch alle so." Um die Machenschaften vor Gericht zu bringen, waren sogar verdeckte Ermittler des Landeskriminalamts eingesetzt worden, die sich als Investoren getarnt mit den Pflege-Chefs auf der Düsseldorfer Königsallee trafen.

"Abrechnungsbetrug in der Pflege ist eine Riesensauerei"

Leidtragende seien letztlich die Steuerzahler und die Krankenversicherten gewesen. Bundesweit stehen 230 ambulante Pflegedienste unter Verdacht, betrügerisch abgerechnet zu haben. Nach einer früheren Schätzung des Bundeskriminalamts (BKA) könnten den Sozialkassen mindestens eine Milliarde Euro Schaden pro Jahr entstanden sein.

"Abrechnungsbetrug in der Pflege ist eine Riesensauerei", sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch. Die Vorwürfe machten fassungslos. Die Stiftung Patientenschutz forderte eine Kronzeugenregelung für geständige Insider. Die sei überfällig, "um den Sumpf der Pflegemafia auszutrocknen". Bislang hat das Landgericht 27 Verhandlungstage bis kurz vor Weihnachten geplant.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.