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Ex-Mister-Germany vor Gericht - "Reichsbürger" sieht sich als Opfer

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Der frühere Mister Germany ist sich keiner Schuld bewusst. "Auf mich wurde geschossen", sagt Adrian Ursache zum Prozessauftakt in Halle. Der mutmaßliche "Reichsbürger" soll einen Polizisten durch Schüsse verletzt haben. Er sieht sich jedoch als Opfer und spricht von einer "Verschwörung zum Mord".

Im Fall des sogenannten Reichsbürgers aus Georgensmünd hat der Mordprozess vor dem Landgericht Nürnberg begonnen. Dem 49-Jährigen wird vorgeworfen, im Oktober 2016 einen Polizisten erschossen zu haben.

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"Es war eine gemeinschaftliche Verschwörung zum Mord", behauptet der adrett gekleidete Angeklagte vor dem Landgericht Halle. Wie zum Beweis reckt er seinen rechten Arm nach vorn, aus dem ein Metallgestell ragt. Adrian Ursache gibt sich selbstsicher. Während der gut dreistündigen Verhandlung am ersten Prozesstag, die der 42-Jährige komplett stehend in Fußfesseln verbringt, zitiert er immer wieder demonstrativ aus dem Grundgesetz und der Verfassung.

Angeklagter: Recht zum Widerstand

Als "deutscher Staatsbürger" habe er das Recht zum "Widerstand, wenn mich jemand zu Hause überfällt", sagt er. Seine reichlich krude Lesart der Ereignisse, die sich im August vergangenen Jahres auf seinem Grundstück in Reuden abspielten, gipfeln schließlich in Mordvorwürfen gegen die Polizei.

Der von Oberstaatsanwalt Uwe Damaschke verlesenen Anklage zufolge wehrte sich Adrian Ursache allerdings "mit Gewalt" gegen eine gerichtlich angeordnete Zwangsräumung. Er sollte sein Haus räumen, weil er Verbindlichkeiten für das Grundstück nicht bedient hatte.

Adrian Ursache weist alle Vorwürfe zurück

Als der Gerichtsvollzieher am 25. August 2016 schließlich mit Unterstützung von rund 200 Polizisten anrückte, nachdem am Vortag ein erster Versuch gescheitert war, wurden die Beamten aus einer Menschengruppe heraus angegriffen, mit Pflastersteinen beworfen und von Ursache mit einem Revolver bedroht. Bei einem darauf folgenden Schusswechsel wurde ein Beamter des Sondereinsatzkommandos verletzt.

Der Angeklagte habe "direkt auf den Kopf des Polizeibeamten geschossen und nahm dessen Tod zumindest billigend in Kauf", sagt Damaschke. Er wertet dies als Versuch, einen Menschen "aus niederen Beweggründen zu töten". Nur dank der Schutzausrüstung sei es nicht zu einer tödlichen Verletzung gekommen. Ursache selbst wurde anschließend durch Schüsse schwer verletzt.

Er weist alle Vorwürfe zurück. Er spricht von einer "widerrechtlichen Anklage" und antwortet noch vor Prozessbeginn auf die Frage einer Journalistin im Gerichtssaal: "Ich habe eine Waffe in der Hand gehalten, ich habe aber zu keinem Zeitpunkt geschossen."

Urteil frühestens im November

Den Gerichtssaal nutzt der einstige Schönheitskönig und selbsternannte Gründer des Ministaats "Ur" gleichsam als Bühne, um seine Abscheu gegen staatliche Institutionen deutlich zu machen. Gericht und Staatsanwaltschaft wirft er in einer von ihm selbst verlesenen handschriftlichen Erklärung "vorsätzliches und rechtswidriges Handeln" vor, die Richter bezeichnet er gar als "Spinner" und Justizvollzugsanstalten als "Konzentrationslager". Der Vorsitzende Richter Jan Stengel bewahrt Ruhe, unterbricht ihn aber mehrmals in seinem Redefluss, in dem es von Verschwörungstheorien nur so wimmelte.

Der Angriff von Reuden war der Beginn einer Serie von Gewaltattacken sogenannter Reichsbürger in Deutschland. Die in etliche Kleinstgruppen zersplitterten Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik nicht an, entsprechend verweigern viele Zahlungen wie Steuern oder Bußgelder an den Staat. Der Verfassungsschutz warnt inzwischen vor einer zunehmenden Gefährlichkeit der Bewegung, auch weil viele Reichsbürger Waffen besitzen.

Ein Urteil gegen Ursache wird frühestens im November erwartet. Für den nächsten Verhandlungstag ist zunächst seine Frau, ebenfalls eine ehemalige Schönheitskönigin, als Zeugin geladen.

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