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Geständnis und Entschuldigung - Einigung im Amberger Prozess um Prügelattacke

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Im Prozess um Prügelattacken von vier Asylbewerbern in Amberg haben die Angeklagten Geständnisse abgelegt und sich entschuldigt. Dafür gibt es wohl Bewährungs- und Jugendstrafen.

Es macht beinahe einen österlichen Eindruck. Der Richter sitzt hinter einem gelben Pult, auch die Wände hinter ihm sind gelb. Neben dem Richterpult hängt über der Tür ein hölzernes Kreuz. An diesem sonnigen Dienstag nach Ostern wird hier ein Fall von vier angeklagten Asylbewerbern vor dem Amtsgericht im Amberg verhandelt. Drei junge Afghanen und ein Iraner stehen vor Gericht. Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Jungs sollen im Dezember letzten Jahres unter dem Einfluss von Alkohol prügelnd durch Amberg gezogen sein. 15 Personen wurden bei den Angriffen verletzt.

Angeklagte werden mit Handschellen in den Saal gebracht

Die Angeklagten, allesamt noch Schüler, werden mit Handfesseln in den kleinen Saal gebracht. Das Klicken zahlreicher Kameras hallt durch den Raum. Die Jugendlichen verdecken ihre Gesichter, sie wollen nicht fotografiert werden. Die vier Jungs wirken ruhig, machen einen bedrückten Eindruck. Nach der Schöffenvereidigung werden ihnen die Handschellen gelöst. Vier Dolmetscher sitzen den Jungs und ihren Anwälten gegenüber. Dann folgt eine lange Anklageschrift der Staatsanwältin, begleitet vom Gemurmel der Übersetzer.

Prozessbeginn wegen gewalttätiger Angriffe in Amberg, aufgenommen am 23.04.2019
Prozessbeginn wegen gewalttätiger Angriffe in Amberg
Quelle: dpa

Die Anklagepunkte reichen von Beleidigungen, Bedrohungen und Tritten bis hin zu Schlägen mit einer Glasflasche. Im Rausch sollen die vier jungen Migranten ihre Opfer sogar teilweise verfolgt haben. Aus belanglosen Gründen. Durch böse Blicke oder das Nicht-Herausgeben einer Zigarette sollen sie sich provoziert gefühlt haben. Ohrfeigen und Boxschläge führten zu Hämatomen sowie Nasen- und Handprellungen bei den Opfern.

Der Angeklagte, der am nächsten zu den Zuschauern sitzt, nickt immer wieder seinem Dolmetscher zu, hält Blickkontakt mit seinem Anwalt. An seinen Händen erkennt man Tattoos: Chinesische Zeichen und ein Totenkopf. Zweimal unterdrückt er ein Gähnen. Die drei übrigen Angeklagten zeigen kaum Reaktion, schauen die meiste Zeit zu Boden.

Angeklagte gestehen

Schon kurz nach der Anklageverlesung kommt es zu einer Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und den vier Verteidigern. Diese umfasst im Gegenzug für ein Geständnis für die drei Angeklagten Bewährungsstrafen zwischen sechs Monaten und eineinhalb Jahren. Dem als Hauptbeschuldigten geltenden Iraner Amin A. sicherte das Gericht für ein Geständnis eine Jugendstrafe zwischen 26 und maximal 30 Monaten zu.

Die vier jungen Männer im Alter von 17 bis 19 Jahren lassen ihre Anwälte daraufhin Erklärungen verlesen, in denen sie die Taten jeweils zugeben. Alle vier bedauern laut eigener Aussage ihre Taten und können sich ihr Handeln nur aufgrund ihres exzessiven Alkoholkonsums erklären. Wodka, Bier und später auch Whiskey soll es anlässlich eines Geburtstages gegeben haben. Getrunken hätten die Jungs dann hauptsächlich unter einer Brücke ab etwa 15 Uhr am Nachmittag. Einer der Anwälte merkt an: "Ich habe noch nie während meiner Zeit als Anwalt erlebt, dass die erste Frage eines Mandanten lautet: 'Wurden die Opfer schwer verletzt?'"

Gericht beginnt mit der Zeugenvernehmung

Am Nachmittag beginnt das Gericht mit der Zeugenvernehmung. Es werden Polizisten gehört, die an dem Tatabend im Einsatz gewesen sind. Eine Polizistin berichtet von der Festnahme. Sie erzählt, die Angeklagten seien aufgebracht und verbal aggressiv gewesen. Allerdings hätten sie sich recht zusammenhangslos geäußert. Allen habe man ihren Alkoholkonsum deutlich angemerkt. Einer von ihnen habe aus Leibeskräften herumgeschrien, sagt ein weiterer Zeuge aus. Die Angeklagten entschuldigen sich bei den Polizisten. Wie aufrichtig diese Entschuldigungen gemeint sind, muss am Ende des Prozesses das Gericht entscheiden. Für den Prozess sind 25 Verhandlungstage bis Juli angesetzt.

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