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Prozess um millionenschweren Autobetrug

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Landgericht München - Prozess um millionenschweren Autobetrug

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In München stehen fünf mutmaßliche Betrüger vor Gericht. Sie sollen im großen Stil in Fake-Verkaufsportalen teure Autos angeboten haben. Zahlreiche Kunden fielen darauf herein.

Landgericht München I
Der Fall über Betrug mit gefakten Autohäusern wird vor dem Landgericht München I verhandelt.
Quelle: DPA

Falsche Identitäten, falsche Autohäuser - und ein Millionenbetrug: Am Landgericht München I hat ein Prozess gegen fünf mutmaßliche Betrüger begonnen. Sie sollen Autokäufer im Internet mit Fake-Autohäusern um insgesamt mehr als eine Million Euro gebracht haben.

Hauptangeklagter gesteht und bereut

Ich bereue zutiefst, was ich gemacht habe.
Hauptangeklagter

Zum Auftakt entschuldigte sich der Hauptangeklagte bei Mitangeklagten und Opfern. "Ich bereue zutiefst, was ich gemacht habe", sagte der 41-Jährige. Er wolle sich vor allem dafür entschuldigen, seine Lebensgefährtin in die Sache hineingezogen habe. Was ihm vorgeworfen werde, stimme größtenteils. In einer Erklärung, die seine Anwältin verlas, begründete der mehrfach vorbestrafte Vater von zwei Kindern den großangelegten Betrug mit Fake-Autohäusern mit Geldsorgen und hohen Schulden.

Er sei in die Fänge von "Düsseldorfer Anlagebetrügern" geraten, die Geld von ihm forderten und ihm und seiner Familie Gewalt angedroht hätten. "Rocker aus Essen" hätten ihm außerdem Probleme gemacht. Außerdem habe er regelmäßig Kokain konsumiert, um mit dem finanziellen Druck umgehen zu können.

Scheinidentitäten und falsche Autohäuser

In Bayern, Hessen und Sachsen hatten die Angeklagten Menschen online dazu gebracht, viel Geld für Autos zu überweisen, die es nie gab. In seiner Dimension sei es ein ungewöhnlicher Fall, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter - ein Mann und eine Frau - sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Februar 2016 an mit mindestens 20 falschen oder gestohlenen Identitäten und 30 Scheinautohäusern im Internet aufgetreten sein.

Ein nahezu alltägliches Phänomen

200 Konten sollen sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eröffnet und insgesamt 80 Mobilfunkverträge abgeschlossen haben. In Online-Verkaufsportalen, so die Vorwürfe, boten sie dann teure Autos an - und zahlreiche Menschen fielen darauf herein. Bei ihren Betrügereien soll das Paar Hilfe von einem befreundeten Post-Mitarbeiter gehabt haben und von einer Mediendesignerin, die Logos und Designs für die nicht-existenten Autohäuser entwickelt haben soll.

Alle Welt kämpft um immer mehr Verbraucherschutz und das lässt die Urinstinkte verkümmern.
Ansgar Klein, Geschäftsführender Vorstand BVfK

Betrug beim Auto-Kauf im Internet sei inzwischen ein nahezu alltägliches Phänomen, sagt Ansgar Klein, Geschäftsführender Vorstand beim Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK). "Da werden einfach Autohäuser erfunden - das Thema beschäftigt uns seit vielen Jahren. Es kommt immer wieder in Wellen", sagt Klein.

"Der Kunde fühlt sich sicherer, als er ist und geschützter, als er wirklich ist. Alle Welt kämpft um immer mehr Verbraucherschutz und das lässt die Urinstinkte verkümmern" meint er - oder knapper: "Geiz frisst Gehirn."

Wann Käufer hellhörig werden sollten

Denn eigentlich, meint Klein, sei es ganz einfach, Betrügern nicht auf den Leim zu gehen: Keine ungesicherte Vorkasse. Sollte eine Anzahlung gefordert werden, gebe es dafür Treuhand-Möglichkeiten mit Käuferschutz, erklärt er. Hellhörig werden sollte der Nutzer bei folgender Kombination: "Eine relativ neue, bisher unbekannte Firma - Preise, die kaum jemand realisieren kann, und dann das Verlangen nach ungesicherter Vorkasse."

Laut "Digitalbarometer", das einmal im Jahr vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes erstellt wird, ist knapp jeder vierte Internetnutzer in Deutschland (24 Prozent) schon mindestens einmal Opfer von Cyber-Kriminalität geworden. Der Großteil der Betroffenen (36 Prozent) wurde dabei Opfer von Betrug beim Onlineshopping.

Und die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher sein. Denn laut "Digitalbarometer 2019" wird nur jeder dritte Fall von Online-Kriminalität überhaupt angezeigt. Die polizeiliche Kriminalstatistik listet jedes Jahr mehr Fälle von Betrug im Internet auf.

Im Jahr 2018 waren es deutschlandweit insgesamt knapp 206.000 Fälle, rund 155.000 davon Waren- und Kreditbetrug. Zum Vergleich: Sechs Jahre vorher, 2012, waren es insgesamt rund 160.000 Fälle von Online-Betrug, rund 92.000 davon fielen unter Waren- und Kreditbetrug. Tendenz klar steigend.

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