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Prozess wegen Steuerhinterziehung - Muss Ex-Agent Mauss ins Gefängnis?

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Alles streng geheim, keine Belege, keine Zeugen. So weit die schwierigen Eckdaten im Strafprozess gegen Deutschlands ehemaligen "Top-Spion" Werner Mauss. Ihm wird Steuerhinterziehung von rund 13 Millionen Euro vorgeworfen. Jetzt soll das Urteil fallen.


Mit großen Wirtschaftsprozessen kennen sie sich aus, die Richter und Staatsanwälte am Landgericht in Bochum. Insofern ist ein Prozess um Steuerhinterziehung nichts Besonderes. Wäre da nicht der Angeklagte, diese schillernde Figur, der ehemalige deutsche Super-Spion Werner Mauss, der mehr als 30 Alias-Namen trägt oder trug. Jetzt ist er 76, ein Rentner-Agent, dessen Leben und Gedankenwelt sich - das hat der Prozess offenbart - noch immer um Verschwörungen und Geheimoperationen dreht.

Es geht um Steuern in Millionenhöhe

In dem Verfahren geht es um einen Geldfonds in Höhe von rund 60 Millionen Euro in Luxemburg, auf dessen Zinserlöse Mauss keine Steuern gezahlt haben soll. Insgesamt hat die Anklage für die Jahre 2002 bis 2011 eine Steuerschuld von rund 13 Millionen Euro errechnet. Mit diesem Geld habe Mauss, laut Anklage, seinen aufwändigen Lebensstil bezahlt. Mehrfach im Monat habe er Bargeld abgehoben, bis zu 300.000 Euro, und damit zum Beispiel sein großes Anwesen im Hunsrück finanziert. Auf dem Gelände steht, so sagen Gerüchte, eine riesige Reithalle, eine eigene Flugzeug-Landebahn und ein Tierpark.

Mauss hingegen sagt, das Geld in Luxemburg gehöre nicht ihm, sondern vielmehr einer nicht näher benannten Gruppe aus Geheimdiensten und Regierungen, einem Geheimbund, der ihm damit seine Agentenarbeit finanziere. Seine Logik: Was ihm nicht gehört, müsse er auch nicht versteuern.

"Maßnahmen zur Rettung des Papstes"

Dabei klingt Mauss' Version der Wahrheit in Teilen so abstrus, dass auch der Richter im Laufe des Prozesses Zweifel daran - ungewöhnlich offen - geäußert hat. So behauptet Mauss zum Beispiel, er habe Papst Benedikt das Leben gerettet, der von der Mafia vergiftet werden sollte. Die Kosten der "Maßnahmen zur Rettung des Papstes" beliefen sich laut Mauss auf rund 2,5 Millionen Euro.

Auch für Internatskosten von Kindern ausländischer Rebellen oder für deren Krankenhausaufenthalte will Mauss aufgekommen sein. Für angebliche Verhandlungen mit Partnern aus Thailand oder Malaysia habe in Frankfurt eine gesamte Hoteletage aufwändig mit Palmen und Sand dekoriert werden müssen. Für fast keine seiner Behauptungen gab es im Prozess Belege oder Zeugen.

Wer ist Werner Mauss?

Werner Mauss ist ein ehemaliger deutscher Privatdetektiv, der zunächst für verschiedene Unternehmen, später wohl auch für Geheimdienste wie den BND und das Bundeskriminalamt tätig war. Wohl niemand kann genau nachvollziehen, wie und wo Mauss tatsächlich aktiv war und wo Legendenbildung à la 007 anfängt und aufhört. Fakt ist aber, dass seine Kontakte bis ins Kanzleramt der Regierung Kohl zu dessen Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer reichten. So spürte Mauss zum Beispiel Schwerverbrecher auf, die aus dem Gefängnis ausgebrochen waren und durch ihn wieder festgenommen werden konnten.

Er war im Namen der Bundesrepublik Undercover-Agent, V-Mann, Geiselbefreier, und geheimer Unterhändler zwischen Staaten und Guerilla-Gruppen. Dabei wurde er, so sagen Experten, von staatlichen Organen wohl immer dann eingesetzt, wenn die sich nicht "die Finger schmutzig machen wollten". Tatsache ist, dass er dazu zahlreiche Legenden und Alias-Namen hatte. So war es ihm aus Gründen der Geheimhaltung erlaubt, in Deutschland als Dieter Koch seine Steuern zu zahlen. Mitte der 1980er Jahre zog es Mauss dann nach Südamerika, wo er in mehreren Fällen die Freilassung von ausländischen Geiseln aus Rebellenhaft erreichen konnte.

Ermittlungsverfahren läuft seit 2012

Dass der Richter den Einlassungen von Mauss nicht so recht Glauben schenken mag, hat er im Prozessverlauf mehrfach angedeutet. Dennoch hat die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien allesamt nicht bewiesen. Mauss müsse nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen werden. Die Anklage hat sechs Jahre und drei Monate Haft beantragt. Sie sieht es als erwiesen an, dass Mauss ein Millionenvermögen in Luxemburg versteckt und rund 13 Millionen Euro Steuern hinterzogen habe.
Es war ein schwieriger Prozess, weil er zu großen Teilen die Geheimdienst-Welt des Werner Mauss berührte, die sich naturgemäß nicht oder nur sehr schwer durchleuchten lässt. Am Ende gab es kaum Zeugen, keine oder gefälschte Dokumente und damit Zweifel an allen Wahrheiten. Der Richter muss nichts weniger als die schwierige Frage beantworten: wie weit darf und kann man sich als Geheimagent außerhalb der Steuergesetze bewegen? Oder anders: wie viel Geheimnis steht man dem Geheimagenten Mauss zu?

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