ZDFheute

"Die Wölfe sind los"

Sie sind hier:

"Revolution Chemnitz"-Prozess - "Die Wölfe sind los"

Datum:

Ihr Ziel: Die Republik stürzen. Acht mutmaßliche Rechtsterroristen der selbst ernannten Gruppe "Revolution Chemnitz" stehen seit heute vor Gericht.

In Dresden hat der Prozess gegen acht mutmaßliche Rechtsextremisten begonnen. Ihnen wird die Gründung einer terroristischen Vereinigung sowie die Mitgliedschaft darin vorgeworfen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Ob es sie gegeben hat oder nicht, die Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz, diese Frage ist noch immer unbeantwortet. Was es 2018 aber definitiv gab, das waren klare Verabredungen dazu. Nachzulesen in Chat-Protokollen, die die Bundesanwaltschaft aufgespürt hat und die im heute begonnenen Prozess eine große Rolle spielen werden. In diesen Chats sinnieren Neonazis darüber, ob es wohl "eine Jagd" oder "irgendwo Kanaken Schlachten geben wird".

Das war im Sommer 2018. Daniel H. war ermordet worden; Rechtsextremisten witterten ihre Chance - im Schutze der Trauermärsche Tausender Chemnitzer - Krawalle zu provozieren. Sie versammelten sich unter dem Organisationsnamen "Revolution Chemnitz".

Termin für Umsturz: der 3. Oktober

Prozessauftakt gegen "Revolution Chemnitz"
Mutmaßlicher Rechtsterrorist der Gruppe "Revolution Chemnitz" (1. Oktober 2018, Karlsruhe)
Quelle: DPA

Die mutmaßlichen Rädelsführer der Nazihorden begannen in diesen Tagen davon zu träumen, das politische System in Deutschland zu destabilisieren und letztlich zu stürzen. Sie begannen mit konkreten Vorbereitungen. Und sie hatten einen sehr konkreten Termin im Auge - den 3. Oktober. Sie wollten vermutlich in Berlin den Umsturz einläuten und es so aussehen lassen, als wären es Linksextremisten gewesen. Ihr verabredetes Zeichen zum Losschlagen: "Die Wölfe sind los".

Christian K. war offenbar der Vordenker der "Revolution Chemnitz". Nun steht er mit sieben seiner Komplizen vor dem Oberlandesgericht in Dresden. Sie alle sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Alle kommen aus der sächsischen Hooligan- und Neonaziszene. Sie sind zwischen 21 und 31 Jahre alt. Verantworten müssen sie sich unter anderem wegen des Verdachts der Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Der Prozess ist zunächst bis April 2020 terminiert.

Welche Rolle spielte Christian K.?

Der Prozess wird auch der Behauptung nachgehen müssen, ob Chefideologe Christian K. möglicherweise gar Informant des Verfassungsschutzes war. Der jedenfalls hatte seit 2005 wiederholt Kontakt zum Angeklagten, berichten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung". K. bot sich demnach mal als vermeintlicher Aussteiger an, mal als V-Mann. Das ist insofern bedeutsam, weil bislang immer behauptet wurde, "Revolution Chemnitz" hätte unter dem Radar der Behörden agiert. 2013 hatten sie sogar einen Facebook-Account. Was die Frage aufwirft, ob man den Größenwahn der Neonazis nicht schon damals hätte erkennen können.

Christian K. zu beobachten wäre eine Chance gewesen, die sich anbahnenden Exzesse zu erkennen. K. gilt als in der Naziszene gut vernetzt. Er heizte damals die Stimmung an: "Heute Nacht, definitiv, eskaliert es." Er prahlt damit, einen "neu Zugewanderten" "erwischt" zu haben, und dass es dem nicht gut gehe - im Gegensatz zu ihm.

Als "Bürgerwehr" durchs Stadtzentrum

Am 3. Oktober 2018 schließlich wollten sie sogar die Republik stürzen. Dafür übten sie schon mal: Mitte September zogen fünf der acht Angeklagten durch die Innenstadt von Chemnitz. Sie gaben sich als Bürgerwehr aus und terrorisierten Menschen. Sie kontrollierten Ausweise und verletzten einen Iraner. Die Polizei fand bei ihnen Quartzhandschuhe und Elektroschocker.

Angesichts der ungeheuerlichen Gedankenspiele der Mitglieder der "Revolution Chemnitz" wirkt die Frage, ob es Hetzjagden in Chemnitz gegeben habe, relativ belanglos. Nach einem Jahr Ermittlungsarbeit wird das Staatsschutzverfahren nun auch klären müssen, wie stark das Netzwerk der Rechtsextremen in Sachsen war und ist, wie es funktioniert und in wieweit es noch heute aktiv ist.

Doku: Chemnitz - Eine Stadt zwischen Trauer und Hass

Dokumentation

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.