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Prozessbeginn in Dortmund - Anschlag auf BVB-Bus: Was wollte Sergej W.?

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Drei Splitterbomben auf den BVB-Mannschaftsbus für Aktiengewinne: So lautet der Vorwurf des Staatsanwalts gegen Sergej W.. Der Prozess soll ab heute klären, was die Absicht war.

Acht Monate nach dem Bombenanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter Sergej W.

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Es ist Dienstagabend, 11. April 2017, kurz nach 19 Uhr, als sich der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund vor dem Eingang des Hotels L‘ Arrivée im Stadtteil Höchsten in Bewegung setzt. Wie immer vor Heimspielen trifft sich das Team in diesem Hotel, etwa zehn Kilometer vom Signal-Iduna-Park entfernt. Das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen AS Monaco steht an. Der BVB hatte sich im Achtelfinale bereits gegen Benfica Lissabon durchgesetzt.

Als sich der Bus mit den Spielern sowie dem Trainer- und Betreuerstab in Bewegung setzt und vom Rondell vor dem Hoteleingang den Schirmannweg zur Wittbräucker Straße hinunterfährt, ist es 19.15 Uhr. Der Schirmannweg ist etwa 150 Meter lang, doch der Bus kommt nur 100 Meter weit. Auf Höhe des Hotelparkplatzes detonieren in kurzem Abstand drei Sprengsätze - laut Anklage der Staatsanwaltschaft Dortmund gefüllt mit "maximal 1 kg einer Wasserstoffperoxid-Brennstoff-Mischung". Mindestens 65 in Epoxidharz eingeschlossene, jeweils 16 Gramm schwere Metallbolzen - Durchmesser: 6 mm, Länge 74 mm Durchmesser - schleudern in Richtung Bus, schießen durch die Scheiben und über den Bus hinweg. 65 dieser Bolzen finden Ermittler jedenfalls später am Tatort, wahrscheinlich waren es weitaus mehr.

Dramatische Szenen im Bus

Im Inneren des Busses müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Verteidiger Marc Bartra sitzt hinten rechts. Er wird am schlimmsten verletzt, erleidet "durch die Wucht der Detonation an seinem rechten Unterarm eine zweitgradig offene distale Radiusfraktur mit Fremdkörpereinsprengung", wie der offene Unterarmbruch in der Anklage heißt. Ein Metallstift bohrt sich in seine Kopfstütze. Ein Polizeibeamter, der mit seinem Motorrad vor dem Bus herfährt, erleidet ein Knalltrauma. Busfahrer Christian Schulz lenkt den Bus noch nach rechts auf die Wittbräucker Straße und bleibt dort stehen.

Sergej W. soll für all das verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft Dortmund wirft dem Mann 28-fachen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor - "aus Habgier, heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln", so die Anklage. Die drei Sprengsätze sollen über eine Länge von ungefähr zwölf Metern in einer Hecke positioniert worden sein. Der mittlere entfaltete offenbar nicht seine, vom mutmaßlichen Täter erhoffte volle Wirkung, da er zu hoch angebracht worden sein soll. Die Metallsplitter flogen zum Großteil über den Bus auf die andere Straßenseite, trafen dort ein Wohnhaus und landeten in einem Feld etwa 250 Meter weiter.

Was hatte Sergej W. beabsichtigt?

Eine der zentralen Fragen, die der Prozess beantworten muss: Wollte Sergej W. Menschen töten oder ihnen "nur einen Schrecken einjagen"? Die Anklage geht davon aus, dass der 28-jährige Elektrotechniker selbst im Hotel war und die Sprengsätze von dort gezündet hat, um selbst ein reicher Mann zu werden. Einige Tage zuvor soll er mehrere, kreditfinanzierte und hochriskante Finanzgeschäfte getätigt haben, mit denen er auf fallende Kurse der BVB-Aktie gewettet haben soll. Einsatz: 44.300 Euro, möglicher Maximal-Gewinn: 506.275 Euro. Tatsächlich fiel die BVB-Aktie an den Tagen nach dem Anschlag nur leicht. Tatsächlicher Gewinn für Sergej W.: 5.872,05 Euro.

Der 28-Jährige aus Freudenstadt im Schwarzwald, der 2003 seine russische Heimat verlassen hat und inzwischen einen deutschen Pass besitzt, habe im Dortmunder Mannschaftshotel nur Urlaub gemacht, erzählte er den Ermittlern. Sein Anwalt Carl W. Heydenreich glaubt nicht, dass er Menschen töten wollte. Von versuchtem Mord könne daher keine Rede sein. "Nach der Aktenlage steht für mich ganz deutlich die Möglichkeit im Raum, dass mein Mandant diesen Bus gar nicht treffen wollte, sondern ein Anschlagsszenario vortäuschen wollte und sich dadurch entsprechende Vorteile erhofft hat", erklärte er im Gespräch mit dem ZDF-Landesstudio in Düsseldorf. Über Sergej W. sagt er: "Ich erlebe ihn als ruhig, vielleicht verschlossen. Traurig, vielleicht verzweifelt. Jemand, der auf mich den Eindruck macht, als ob er Nähe oder Wärme sucht."

Betroffene sind Nebenkläger im Prozess

Für die betroffenen BVB-Profis, -Trainer, -Betreuer und den verletzten Polizisten dürften solche Aussagen wie Hohn klingen. Sie treten als Nebenkläger in dem Prozess auf. Ihr Anwalt Alfons Becker rechnet mit einer schwierigen und langwierigen Beweisaufnahme. Die Strafsache Ks 15/17 füllt 74 Aktenordner. Das Dortmunder Schwurgericht hat bis Ende März 18 Verhandlungstage angesetzt.

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