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30 Millionen verdient - Opel noch nicht über den Berg

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Opel hat nach jahrelangen Verlusten unter dem Strich 30 Millionen Euro verdient. Das hat die neue Opel-Mutter PSA bilanziert. Über den Berg ist Opel damit aber noch nicht.

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Opel hat unter dem Dach der Konzernmutter PSA schwarze Zahlen vorgelegt. Ein Novum. Denn seit etlichen Jahren hat Opel unter seiner früheren Mutter GM vor allem eines produziert: milliardenschwere Verluste am laufenden Band. Bei gut 500 Millionen Euro lag der Gewinn aus dem laufenden Geschäft, der so genannte operative Gewinn im ersten Halbjahr dieses Jahres.

Opel hat im ersten Halbjahr 2018 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Zu der Bedeutung davon für den angeschlagenen Konzern: ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett.

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Immerhin: Opel-Gewinn von 30 Millionen

Allerdings schlugen erwartungsgemäß Sanierungskosten ins Kontor: Im ersten Jahr nach der Übernahme durch die französische PSA sind nach Angaben der Arbeitnehmervertretung bereits die vereinbarten mindestens 3.700 Stellen abgebaut worden. Das kostet zunächst Geld etwa für Abfindungen, die kündigungswilligen Mitarbeitern den freiwilligen Abgang erleichtern sollten. Unter dem Strich haben die Rüsselsheimer somit "nur" 30 Millionen Euro verdient, angesichts jahrelanger Verluste ein immer noch beachtliches Ergebnis.

Zu dem Gewinn dürften vor allem niedrigere Kosten beigetragen haben – Einsparungen beispielsweise bei Forschung und Entwicklung. Während unter General Motors diese Abteilung in der Bilanz vergleichsweise teuer zu Buche schlug, ändert sich das unter PSA nun offenbar langsam. "Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sind offenbar niedriger ausgefallen als zu Zeiten, als Opel noch unter dem Dach von General Motors stand und nach US-Standards bilanziert wurde", meint Hans-Peter Wodniok aus dem Analystenhaus Fairesearch. Und in Zukunft könnte diese Entwicklung noch weiter gehen.

Gemeinsame Plattform – wo bleibt Opel?

Ein gutes Beispiel, an dem sich das verdeutlichen lässt, ist der Opel Grandland X. Im Herbst vergangenen Jahres  fuhr der SUV auf der Internationalen Mobilausstellung in Frankfurt zum ersten Mal ins Rampenlicht. Kostenpunkt: Fast 24.000 Euro. Entwickelt und produziert wird der Grandland mit dem Peugeot 3008. Das französische Sochaux ist der Ort, an dem die Karossen vom Band laufen. In Großbritannien fährt das massive Fahrzeug unter dem Namen Vauxhall – wird also als Auto der britischen Schwestermarke von Opel verkauft. Der Citroen Aircross C5 wird eine weitere Spielart des PSA-Mittelklasse-SUV sein, der bald auf die Straßen kommen soll. Alle drei Modelle fahren auf den gleichen technischen Plattformen mit denselben Motoren. Das stärkt einerseits die Profitabilität von Opel wie auch der anderen Marken im Konzern. Durch das Verteilen auf unterschiedliche Marken für unterschiedliche Märkte steigert aber vor allem PSA seinen Absatz.

Andererseits schwächt das potentiell aber auch die Eigenständigkeit der Marke Opel. Die leidet ohnehin unter Kundenschwund. Wenn unter der Haube eines Opel in Zukunft nur noch PSA-Technik steckt, dürften Kunden sich die nahe liegende Frage stellen, warum sie Opel die Treue halten sollen. "Das ist der große Unterschied zwischen Skoda und Opel", sagt Ferdinand Dudenhöffer. "Mit einem Skoda kaufen Sie VW-Technik, mit einem Opel künftig vielleicht nur noch PSA-Technik. Zwischen beiden aber gibt es einen Unterschied in der Wertigkeit".

Opel – Verkaufsplattform für PSA?

Der Autoexperte vermutet, dass PSA bei der Opel-Übernahme  vor allem an den Opel-Kunden interessiert war. Zwar sei auch denkbar, dass PSA-Chef Carlos Tavares an seinen bisherigen Beteuerungen festhält: eine eigenständige Marke Opel mit eigenständiger Technik führen zu wollen. Opel könnte sich aber auch zu einer bloßen Hülle für PSA-Technik wandeln. "Es scheint auf die zweite Alternative hinauszulaufen. Opel scheint für PSA nicht mehr als eine Verkaufsplattform für konzerneigene Produkte zu werden".

Dazu passen auch Gedanken der PSA-Konzernleitung, möglicherweise das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim ganz oder zum Großteil zu verkaufen. "Bisher wurde nichts entschieden", sagte PSA-Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon zwar am Dienstag bei Vorlage der Geschäftszahlen. Für die Beschäftigten hält die Zitterpartie damit aber an. Zwischen 4.000 und 7.000 Beschäftigte könnten betroffen sein.

Sie kämen zu den 3.700 Mitarbeitern noch hinzu, die den Konzern bisher und im Rahmen der Sanierungspläne verlassen haben. Im Gegenzug sieht die im Mai getroffene Vereinbarung vor, auf betriebsbedingte Kündigungen für die verbleibenden Beschäftigten bis 2023 zu verzichten.

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