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PSA saniert Autobauer - Opel zwischen Rosskur und Protesten

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Die Opel-Mutter PSA präsentiert ihren Aktionären gute Zahlen - und fordert Einschnitte von deutschen Beschäftigten. Mitarbeiter in Eisenach protestieren für ihre Arbeitsplätze.

Mit einer Kundgebung vor der Betriebsversammlung im Opelwerk Eisenach protestieren Mitarbeiter und Betriebsräte gegen den geplanten Stellenabbau und die Aussetzung der vereinbarten Tariferhöhung.

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Jean-Baptiste de Chatillon meint, die Dinge bei Opel und seiner Tochter Vauxhall entwickeln sich wie vorgesehen, um "diese starke Leistung zu einer soliden Basis für die Zukunft zu machen." Kurz: Der Finanzchef des mittlerweile französischen Mutterkonzerns PSA sieht die Opel-Tochter auf Kurs. Die Mitarbeiter in Eisenach dagegen befinden sich auf Konfrontationskurs. Und sie haben auf einer Betriebsversammlung ihrem Unmut Luft gemacht.

Management pocht auf Einschnitte

Vor dem Thüringer Opel-Standort Eisenach protestierten Beschäftigte Hand in Hand mit Gewerkschaftern der IG-Metall und Landespolitikern. Ihre Forderung: Erhalt des Werkes Eisenach und kein weiterer Stellenabbau. Es gibt unterschiedliche Aussagen darüber, was für Eisenach geplant ist – je nachdem, wen man fragt. Nach Angaben der IG Metall ist es bisher nur die Produktion eines großen Geländewagens mit einer Jahresstückzahl von unter 100.000 Fahrzeugen. Das wiederum führt nach Meinung des Opel-Betriebsrates zu einer Beschäftigtenzahl von unter 1.000 Mitarbeitern; bislang arbeiten am Standort in Eisenach 1.800 Opelaner.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief Unternehmens- und Arbeitnehmervertreter zu diesem Anlass dazu auf, sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. "Die Differenzen müssen dort ausgeräumt werden", sagte Ramelow. Das allerdings gestaltet sich augenscheinlich schwer. So werfen IG-Metall und Betriebsrat der Konzernführung "Erpressung" vor. Das Management pocht dagegen auf weitere Einschnitte bei den Opel-Beschäftigten in Deutschland. Eigentlich hätte ein Zukunfts- und Investitionsplan für Eisenach vor ein paar Tagen auf dem Tisch liegen sollen. Den hat die Führung in Paris beziehungsweise Rüsselsheim aber erst einmal auf Eis gelegt, bis die Arbeitnehmer sich zu weiteren Zugeständnissen bereit erklären.

Ehrgeizige Rendite-Ziele

Während sich in Eisenach die Mitarbeiter zu ihren Protesten sammelten, kamen jenseits der Grenze in Frankreich die Eigentümer des PSA-Konzerns zur Aktionärsversammlung zusammen. Um den Rüsselsheimer Autobauer wieder auf Kurs zu bringen, erklärte Konzernchef Carlos Tavares, seien intensive Verhandlungen mit der IG-Metall in Deutschland nötig. Das könnte "in den kommenden Wochen etwas Lärm" verursachen, kündigte Tavares an.

Als Vorbild gelten für den Portugiesen die Gewerkschaften in Ländern etwa wie Großbritannien, Österreich, Spanien, Polen und Ungarn. Denn mit denen hat PSA bereits Vereinbarungen getroffen. Nun sollen auch die Deutschen Arbeitnehmer und Gewerkschaften auf zugesagte Tariferhöhungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten, um Opel wieder auf Kurs zu bringen. Dass dies dringend nötig ist, darin sind sich alle Beteiligten einig. Denn Opel hat unter seiner ehemaligen Konzernmutter General Motors fast zwei Jahrzehnte nur rote Zahlen geschrieben. Und die Ziele für Opel sind ehrgeizig: Bis 2020 soll Opel eine Rendite von zwei Prozent erzielen. Bis 2026 sollen es dann schon sechs Prozent sein, kündigte Opel-Chef Michael Lohscheller an.

PSA mit guten Zahlen, Opel weniger

Deswegen will PSA die Arbeitskosten bei Opel auf das Niveau der übrigen PSA-Gruppe bringen. Mit einer solchen Rosskur hatte Tavares in den vergangenen Jahren bei PSA – was die Bilanzzahlen angeht – äußerst erfolgreich agiert. Während PSA 2014 noch tief in den roten Zahlen steckte, erzielt der Autobauer nach harten Einsparungen mittlerweile Rekordrenditen. Offenbar soll das gleiche Mittel nun auch bei Opel seine Wirkung entfalten. Die Aktionärsversammlung jedenfalls unterstützt offenbar den Kurs von Tavares – die Eigentümer haben dem PSA-Chef für die Opel-Übernahme eine Sonderzahlung von einer Million Euro genehmigt. Im vergangenen Jahr hatte PSA Opel und deren Tochter Vauxhall vom amerikanischen Autobauer General Motors übernommen.

Dabei zeigen bisherige Veränderungen nach der Übernahme scheinbar deutlich Wirkung: Eine Präsentation von Tavares auf der Hauptversammlung zufolge sind die Fixkosten bei Opel/Vauxhall um 17 Prozent gesunken; bei der IT sollen es sogar fast 40 Prozent sein und die Ausgaben für Reisen gingen um 30 Prozent zurück. Bei dieser Zahl allerdings sollte man bedenken, dass die vorherige Mutter von Opel in den USA saß; und ein Flug dorthin kostet einiges mehr als eine Reise nach Paris.

Doch in jedem Fall konnte PSA seinen Aktionären jetzt gute Zahlen präsentieren: Ohne Opel-Vauxhall sind die Umsätze des Konzerns mit den Kernmarken Peugeot, Citroen und DS um rund 13 Prozent gestiegen. Ihren Absatz haben die alten PSA-Marken um knapp neun Prozent steigern können. Da kann Opel sicher nicht mithalten. Zwar ist es nicht einfach, die Zahlen nach der Übernahme zu vergleichen. Eine allerdings ist eindeutig: So ist die Zahl von Neuzulassungen von Opel-Fahrzeugen im März im Jahresvergleich um über 20 Prozent zurückgegangen.

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