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Bundeswehr - Was sich bei psychischer Hilfe für Soldaten getan hat

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Viele Bundeswehr-Soldaten kommen seelisch krank aus dem Auslandseinsatz zurück. Stabsfeldwebel Heiland spricht im heute.de-Interview darüber, was sich bei den Hilfen getan hat.

Ein Soldat der Bundeswehr bei  Kundus. Archivbild
Auslandseinsatz der Bundeswehr bei Kundus (Archivbild)
Quelle: Michael Hanschke/dpa

heute.de: Die Bundeswehr wird seit Erscheinen des aktuellen Wehrberichts erneut für vieles kritisiert. Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Hilfsangebote für Soldaten, die traumatisiert von Auslandseinsätzen heimkehren?

Uwe Heiland: Da hat sich in den letzten Jahren zum Glück viel getan. Betroffene bekommen schneller als früher medizinische und psychologische Hilfe. Auch die Angebote für Familienangehörige seitens der Militärseelsorge haben sich verbessert. Da werden zum Beispiel Freizeiten für Familien organisiert, wo sich die Leute auch mal ungezwungen untereinander austauschen können.

heute.de: In mehreren Auslandseinsätzen haben Sie selbst viel Verstörendes und Tragisches erleben müssen – und in der Folge an einer Posttraumatischen Belastungsstörung gelitten. Wie geht es Ihnen heute?

Heiland: Mir geht's richtig gut. Zwar sind die Bilder und Erfahrungen aus den Einsätzen etwa im Kosovo und Afghanistan nicht ausgelöscht. Damit muss ich leben, aber ich kann das inzwischen ganz gut und träume nachts auch nicht mehr, dass ich mit Taliban kämpfe. Ich brauche auch kein Antidepressivum mehr. Die Behandlung ist abgeschlossen, und das fühlt sich sehr gut an.

heute.de: Viele Ihrer Kameraden mit seelischen Leiden benötigen dagegen noch professionelle Hilfe. Nach Informationen der Bundeswehr litten 2018 insgesamt 279 Soldaten an einer "einsatzbedingten psychiatrischen Erkrankung". Wie offen wird in der Truppe mit dem Thema umgegangen?

Heiland: Es wird präsenter. Wobei ich da vor allem für Lüneburg sprechen kann, wo ich stationiert bin. Aber es ist auch in der Ausbildung und auf Kommandeurstagungen ein Thema, wo darüber offen gesprochen wird. Auch die Arbeit der "Lotsen für Einsatzgeschädigte", die ich auch in meiner Nebentätigkeit mache, wird immer präsenter. Wir sind inzwischen weit mehr als 100 Lotsen. Das ist wesentlich besser als vor vier, fünf, sechs Jahren.

heute.de: Was machen Sie als Lotse?

Heiland: Wenn ich gebraucht werde, berate ich die Kameradinnen und Kameraden und deren Familien. Da geht es erstmal darum, einfach zuzuhören, was die Leute auf dem Herzen tragen. Ich vermittle ihnen dann bei Bedarf auch den Kontakt zu professionellen Helfern etwa beim Sozialdienst der Bundeswehr, der an jedem Standort vertreten ist.

heute.de: Trauen sich Erkrankte in der Regel, das Thema rasch offen anzusprechen oder versuchen Sie es eher mit sich auszumachen?

Heiland: Schnell kommt da keiner und fragt nach Hilfe! Es dauert in der Regel sehr lange, bis die Leute aus sich rausgehen. Ich denke zum Beispiel, dass von den aktuell genannten 279 Kameradinnen und Kameraden die meisten ihre psychischen Erkrankungen aus dem Afghanistan-Einsatz mitgebracht haben. Die Leute aus dem Mali-Einsatz werden da zahlenmäßig noch nicht stark dabei sein. Die Probleme werden meist erst Jahre später aufgedeckt, wenn bei den Leuten der Leidensdruck zu groß wird, das Fass überläuft, sie einfach nicht mehr können, weil Angstattacken und Depressionen zu stark werden. Ich fürchte, die Zahlen der Betroffenen werden erstmal nicht zurückgehen, sondern eher noch steigen.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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28 min
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