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Theater 4.0 - Die digitale Revolution auf der Bühne

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Virtual Reality und Multimedia am Theater?  Faust als Avatar? Hamlet als Hologramm? Deutsche Theater entdecken das Digitale Zeitalter für sich und brechen auf in eine neue Ära.

Archiv: 4.48 Psychose von Sarah Kane, aufgenommen am 29.04.2014
4.48 Psychose von Sarah Kane (Archivbild) Quelle: Edi Szekely

Aufbruch ins digitale Theater-Zeitalter

Mit einer Virtual- Reality-Brille durch den virtuellen Bühnenraum spazieren, auf Schauspieler-Avatare treffen, ihnen zuhören, um sie herumlaufen -  der Dortmunder Theater-Intendant Kay Voges hat Zuschauern diese VR-Bühnen-Variante schon mal geliefert. "Memories of Borderline" hieß das VR-Experiment und lief letztes Jahr im Rahmen des Berliner Theatertreffens. Voges ist deutschlandweit einer der führenden Köpfe im Bereich Digitalität am Theater.

Memories of Borderline (Archivbild)
Memories of Borderline (Archivbild) Quelle: Cyberräuber

Während die einen meinen, zu viel Technik nehme dem guten alten Theater die Authentizität, meinen andere, das Theater müsse endlich ins Digitale Zeitalter aufbrechen, um nicht irgendwann vom Publikum als antiquierte Kunstform wahrgenommen zu werden. Jetzt ruft Voges in Dortmund eine "Akademie für Digitalität und Darstellende Kunst" ins Leben. Die ersten Weiterbildungsangebote sollen im Herbst dieses Jahres starten.

Dortmund als Vorreiter

Archiv: Kay Voges, aufgenommen am 01.01.2000
Kay Voges (Archivbild) ist seit 2010 Intendant des Schauspiel Dortmund und arbeitet seit 1998 als Regisseur für Schauspiel und Oper – z.B. am Schauspiel Dortmund, der Staatsoper Hannover, der Oper Dortmund, dem Schauspiel Frankfurt u.v.a. Quelle: Birgit Hupfeld

Die Bundeskulturstiftung, das Land NRW und die Stadt Dortmund haben Interesse signalisiert und wollen die Akademie unterstützen. Dortmund soll Anlaufpunkt für Theaterschaffende in ganz Deutschland werden. Digitale Techniken sollen hier erforscht werden.

Voges, der für seine multimedialen und innovativen Inszenierungen mehrfach ausgezeichnet wurde, glaubt, dass bald immer mehr Digitalisierung in Theatern Einzug halten wird – ob auf oder hinter der Bühne. Bühnenentwürfe, die in Augmented Reality erprobt werden, Schauspieler, deren Bewegungen das Licht steuern, Hologramme auf der Bühne oder Masken aus dem 3D-Drucker – all das könnte bald Alltag werden.

Theater ist keine grüne Wiese

"Ein Programmierer sollte eigentlich zum festen Team eines Theaters gehören", meint der Dortmunder Dramaturg Alexander Kerlin. Dass bei aller Technikverliebtheit, das literarische Werk ins Hintertreffen gerät, glaubt er nicht. "Es geht bei der Digitalisierung nicht darum, möglichst viele Videoscreens auf die Bühne zu schleppen", meint Kerlin.

Memories of Borderline (Archivbild)
Memories of Borderline (Archivbild) Quelle: Cyberräuber
Archiv: Alexander Kerlin, aufgenommen am 20.09.2013
Alexander Kerlin (Archivbild) ist seit 2010 Dramaturg und Autor am Schauspiel Dortmund. Er schreibt Kolumnen, Essays und Mash-Up Theaterstücke, so z.B. DAS GOLDENE ZEITALTER, DIE SHOW und DIE BORDERLINE PROZESSION (gemeinsam mit Kay Voges). 2015 organisierte er die Konferenz THEATER TRIFFT AKTION. Aus der Konferenz gingen zahlreiche Projekte zwischen Theater, Internet und Aktionskunst hervor. Quelle: Laura Sander


Die digitale Technologie müsse nicht immer sichtbar sein: "Es geht darum, die Betriebstechnik zu modernisieren und starre Arbeitsstrukturen einzelner Bereiche aufzubrechen. Das Theater ist sowieso eine Riesen-Maschine und keine grüne Wiese, auf der Schauspieler Purzelbäume schlagen."

Doch noch fehlt das Know-How bei den rund 40.000 Bühnenbeschäftigten bundesweit. In der künftigen Akademie sollen Techniker, Künstler und Wissenschaftler Hand in Hand arbeiten. Es soll Qualifizierungen geben, ein Stipendienprogramm verspricht, innovative Projekte zu unterstützen. Auch ein neuer Masterstudiengang unter dem Titel "Digitalität und Theater" an der Folkwang-Hochschule in Essen ist im Gespräch. Hemmschwellen zwischen Wissenschaftlern und Künstlern sollen abgebaut werden.

Am Wochenende treffen sich über 150 Interessierte zum ersten Mal in Dortmund, um auszuloten wie viel Digitalität Theater vertragen kann? Unter dem Titel "Enjoy Complexity" findet eine Konferenz zum Thema statt. Alexander Kerlin, der die Konferenz vorbereitet hat, meint, "man darf den 'Big Playern' wie Apple, Google oder Microsoft nicht die Herrschaft über die digitale Welt überlassen. Es geht um Selbstermächtigung, darum mitzubestimmen und die digitale Welt mit anspruchsvollen und kulturellen Inhalten zu füllen – Kunst und Technik können da voneinander profitieren."

Memories of Borderline (Archivbild)
Memories of Borderline (Archivbild) Quelle: Cyberräuber

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