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Putin besucht Merkel - Geheimsache Russland

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Vor dem Treffen mit Präsident Putin hat Kanzlerin Merkel bemerkenswert hochkarätige Gespräche mit Gesandten aus Moskau geführt. Über den Inhalt erfährt die Öffentlichkeit wenig.

Am Abend empfängt Kanzlerin Merkel Russlands Präsidenten Putin auf Schloss Meseberg bei Berlin. Die beiden wollen vor allem über die Konflikte in Syrien und in der Ostukraine sprechen.

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Der russische Außenminister ist eigentlich nicht zu übersehen. Sergej Lawrow ist 188 Zentimeter groß und reist nie allein. Auf seinem Flugzeug steht in Großbuchstaben ROSSIA und in Berlin wird seine Wagenkolonne von Motorrädern mit Blaulicht begleitet. Wenn Lawrow ein Hotel betritt, strecken gewöhnlich Touristen und Schaulustige ihre Smartphones in die Höhe. Man denkt, dass man mitkriegen würde, wenn er in der Stadt ist. Aber als Putins Chefdiplomat am 24. Juli im Kanzleramt Bundeskanzlerin Angele Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) traf, hat es die komplette Hauptstadtpresse verpasst - und erst am Tag danach erfahren.

Trump fällt als Gesprächspartner aus

Das Treffen muss wichtig gewesen sein. Schließlich hatte Lawrow einen ebenso mächtigen wie umstrittenen Begleiter an seiner Seite: Generalstabschef Walerij Gerassimow. Der General steht wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine auf der EU-Sanktionsliste und ist eigentlich mit einer Einreisesperre belegt. Es war ein mittlerer diplomatischer Kraftakt nötig, bis Gerassimow seinen Außenminister begleiten durfte. Aber davon hat die Öffentlichkeit zum Zeitpunkt des Besuchs nichts geahnt. Keine Ankündigung, keine Fotos, keine Statements: Alles an dem Treffen war unüblich.

In den Tagen danach wird bekannt, dass Lawrow und Gerassimow nicht nur an der deutschen Presse vorbeigeschlichen sind. Auch Frankreichs Präsident Emmanule Macron und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatten Putins Gesandte unauffällig in ihren Hauptstädten empfangen. Stück für Stück kommt eine diplomatische Offensive ans Licht, mit der Putin Verbündete für seine Syrien-Politik sucht. Weil US-Präsident Donald Trump als ernsthafter Gesprächspartner ausfällt, wendet sich der Kreml wieder den Europäern zu.

Putin braucht Europa für Syrien-Aufbau

Putin, der mächtigste Verbündete von Syriens Machthaber Baschar al-Assad, braucht die Hilfe der Weltgemeinschaft, um den Krieg zu beenden und Syrien zu stabilisieren. Der Wiederaufbau wird viele Milliarden Euro kosten. Auch die EU ist daran interessiert, dass die syrischen Flüchtlinge eines Tages zurückkehren können. In ihren vertraulichen Gesprächen versuchen Putins Leute herauszufinden, wie ein Nachkriegs-Syrien aussehen müsste, damit sich die Europäer am Aufbau beteiligen. Vor allem gilt es, die Sorgen Israels vor einer Verschlechterung seiner Sicherheitslage zu zerstreuen.

Mögliche Schwerpunkte des Treffens

Wie aus Regierungskreisen zu hören ist, haben Lawrow und Gerassimow bei ihrer Geheimtour zugesagt, die israelischen Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen. Speziell soll Israel nicht fürchten müssen, dass der Iran die Gelegenheit nutzt, in Reichweite Militär zu stationieren. Russland wolle seinen Einfluss auf Teheran nutzen und erreichen, dass die iranischen Kräfte zumindest auf Distanz zu Israels Grenzen bleiben, heißt es. Der Konflikt zwischen dem Iran und Israel spitzt sich gerade dramatisch zu.

Zugeknöpfte Bundesregierung

Fragt man die Sprecher der Bundesregierung nach den Syrien-Gesprächen werden sie auffällig schmallippig. Details über die diversen Telefonate zwischen Merkel und Putin? Nein. Einen Kommentar zu dem Gerücht, dass es am 7. September einen Syrien-Gipfel geben soll? Nein. Wenigstens die Möglichkeit, Merkel und Putin heute auf Schloss Meseberg die üblichen (vier) Fragen zu stellen? Nein und nochmals nein. Lediglich ein kurzes, vorbereitetes Statement wollen die Staatsführer abgeben - allerdings nicht nach dem Ende ihres Gesprächs, sondern davor. Das ist ein sicheres Zeichen: Es tut sich was. Aber was genau, ist geheim.

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