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Immer mehr Radschnellwege - Freie Fahrt für flotte Radler

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Der Bau von Fahrradschnellwegen boomt. Sie sollen im Kampf gegen den Verkehrskollaps in den Innenstädten helfen. Kritiker finden aber, es müsste noch viel mehr investiert werden.

Radschnellweg in Göttingen (Archivbild)
Radschnellweg in Göttingen (Archivbild)
Quelle: 17-1041929|hf|dpa|pfoertner, swen|99-178803|radfahrer auf radschnellweg

Er ist vier Meter breit, hat wenig Steigungen und kaum Kreuzungen. Der Schnellweg Ruhr 1 ist schon jetzt der wahrgewordene Traum vieler Radfahrer und dabei zwischen Essen und Mülheim gerade mal zehn Kilometer lang. Aber er wächst und soll schon 2020 sein Maximum von mehr als 100 Kilometern erreichen. Dann können Radler nahezu ungebremst von Duisburg nach Hamm durchs Ruhrgebiet düsen - ohne störende Autos oder Fußgänger. Die Strecke soll teilweise beleuchtet sein, wird im Winter geräumt und es sind sogar Fahrrad-Service-Stationen vorgesehen.

Viele Schnellwege geplant

Ruhr 1 ist der erste große Schnellweg in Deutschland. Auch Göttingen hat bereits eine vier Kilometer lange Teststrecke. Viele weitere Fahrradautobahnen sind geplant, etwa in der Region Aachen oder zwischen Frankfurt und dem Flughafen, ein anderer zwischen München und Garching, außerdem einer zwischen Heidelberg und Mannheim. Und das sind nur ein paar Beispiele für die vielen Projekte, die deutschlandweit gerade in den Startlöchern stehen. "Wir brauchen mehr Radschnellwege", verkündete kürzlich auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Seit letztem Jahr unterstützt die Bundesregierung Länder und Kommunen beim Ausbau mit jährlich 25 Millionen Euro.

Dass das Schnellwegnetz vorangetrieben wird, hat Gründe, die über den reinen Fahrspaß hinausgehen. Viele Innenstädte leiden unter Parkplatznot, Staus und dicker Luft. Wegen hoher Stickoxid- und Feinstaubwerte wird über Fahrverbote diskutiert. Und auch der Kohlendioxid-Ausstoß von Autos soll im Kampf gegen den Klimawandel reduziert werden. Das Ziel der Schnellwege: Gerade die steigende Zahl der Pendler soll dazu gebracht werden, auf das vielleicht umweltfreundlichste aller Fortbewegungsmittel umzusteigen, das Fahrrad. Bei Ruhr 1 wird erwartet, dass nach Fertigstellung täglich mehr als 50.000 Autofahrten wegfallen.

Eine echte Herausforderung

Das könnte so auch klappen, behaupten jedenfalls gleich mehrere Studien. Unter all denen, die bisher nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren, könnten sich laut "Fahrrad-Monitor 2017" immerhin 45 Prozent vorstellen, das zu ändern - sollte es auf ihrer Strecke einen Schnellweg geben. Die Bereitschaft ist da, so das Fazit. Nur: Im Schnitt legen Pendler derzeit fast 17 Kilometer einfach zurück. Hin und zurück wäre das für ungeübte Radler eine echte Herausforderung.

Dass trotzdem viele Menschen gerne radeln würden, zeige der Vergleich mit dem Nachbarland Niederlande, sagt Stephanie Krone vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Dort gebe es bereits 300 Kilometer Radschnellwege, weitere 600 seien in Planung. "In Deutschland fahren etwa elf Prozent der Berufstätigen mit dem Rad zur Arbeit - in niederländischen Regionen mit gut ausgebauten Radschnellwegen sind es über 25 Prozent."

E-Motor als Hilfe

Daneben könnten Pedelecs den weniger Sportlichen helfen. "Mit Unterstützung aus dem Elektromotor sind auch Arbeitswege zwischen zehn und 20 Kilometern kein Problem", so Krone. "Wer es noch weiter hat, kombiniert mit dem Nahverkehr." Die Bundesförderung von 25 Millionen Euro sieht sie allerdings als "Tropfen auf den heißen Stein". Da ein Kilometer Radschnellweg ein bis zwei Millionen Euro kosten könne, komme man damit nicht sehr weit. "Wir halten das zehnfache Volumen für angemessen", so die Expertin vom ADFC.

Das Bundesverkehrsministerium verweist auf die Zuständigkeit von Ländern und Kommunen für den Radwegeausbau. Und darauf, dass auch aus anderen Töpfen Fördermittel fließen, die die dafür verwendet werden können. Dass der Nutzen von Schnellradwegen groß ist, davon geht auch die Politik aus.

Und das offenbar nicht nur für Natur und Gesundheit. Radschnellwege machen daneben auch glücklich, so wollen Verhaltenswissenschaftler der Stiftung Mercator schon 2015 herausgefunden haben. Körperliche Bewegung bringe nämlich mehr Laune als der Stillstand im Stau. Ihr Fazit: "Fahrradschnellwege sind ein Paradebeispiel dafür, wie Verkehrspolitik Glück steigert, anstatt sich an dem zu orientieren, was autobegeisterte Bürger vermeintlich wollen."

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