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Nordkorea und USA - "Raketenmann" trifft "verwirrten Greis"

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Nordkorea und die USA auf dem Pfad der Diplomatie - die Welt atmet auf. Das Treffen von Kim und Trump sei "großartig", sagt Korea-Experte Frank. Skepsis sei aber angebracht.

US-Präsident Donald Trump hat sich zu einem historischen Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zur Lösung des Atomkonflikts bereit erklärt. Der Vorstoß dazu kam von Kim Jong Un.

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Erst vor wenigen Monaten sah es noch so aus, als würden Nordkorea und die USA im Atomstreit unaufhaltsam auf eine militärische Auseinandersetzung zusteuern - vom gefährlichsten Konflikt der Welt war die Rede. Trotz eindringlicher Warnungen der internationalen Gemeinschaft heizte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un den Konflikt mit Raketentests immer weiter an. US-Präsident Donald Trump drohte mit "Feuer und Zorn". Beide Seiten überzogen sich wochenlang mit Beleidigungen und Beschimpfungen -  Trump verspottete Kim als "kleinen Raketenmann", Kim nannte den US-Präsidenten einen "geistig verwirrten Greis".

Treffen wäre historisch

Und jetzt die Überraschung: Donald Trump und Kim Jong Un erklären sich zu einem Treffen bereit, vermittelt von Südkorea. Ort und genaues Datum noch unklar - bis Ende Mai soll es über die Bühne gehen, und es wäre nichts weniger als historisch: Erstmals kämen ein amtierender amerikanischer Präsident und ein amtierender Führer Nordkoreas zusammen.  

Kim habe sich zu atomarer Abrüstung bereit erklärt und zugesagt, alle Atom- und Raketentests vorerst zu stoppen, vermeldet Südkoreas Sondergesandter Chung Eui Yong. Die USA halten bis zu einem möglichen Abkommen an ihren Sanktionen fest, stellt Trump klar. China, Russland, Japan, die EU zeigen sich erfreut über die Entwicklung.

"Großartige Nachricht, aber gesunde Skepsis bewahren"

"Das Treffen ist eine großartige Nachricht" und zunächst einmal ein "großer Sieg der südkoreanischen Diplomatie", sagt Nordkorea-Experte Rüdiger Frank von der Universität Wien. Dass Trump und Kim in dieser Form überhaupt die Bereitschaft dazu erklären, "darüber sollten wir uns erstmal alle freuen" - und dann eine "gesunde Skepsis" bewahren.

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Denn auf dem Weg zu einem möglichen Treffen gibt es etliche diplomatische Hürden. Beim Ort fängt es schon an. Noch längst sei nicht ausgemacht, ob sich beide Seiten darauf einigen können, so Frank. "Die Nordkoreaner werden versuchen, Trump nach Pjöngjang zu holen." Das aber würde den Amerikanern nicht schmecken, denn es könnte wie ein Bittgang aussehen. Ebenso unwahrscheinlich sei, dass Kim nach Washington reise oder das Treffen an der innerkoreanischen Grenze stattfinde. Daher werde es wohl auf einen neutralen Ort hinauslaufen, etwa in der Schweiz oder Österreich. Allerdings sei die Zeit knapp und die logistische Herausforderung riesig.

US-Regierung fehlen Nordkorea-erfahrene Leute

Ein amerikanischer Präsident könne sich mit einem nordkoreanischen Führer nicht nur zu einem Plausch treffen, sagt Oliver Thränert vom Center for Security Studies der ETH Zürich. "Es müsste mindestens ein gemeinsames Kommuniqué geben, in dem bestimmte Fortschritte festgehalten werden. Dies muss vorab verhandelt werden." Auch da gibt es viele Stolpersteine.

Die inhaltliche Vorbereitung des Tête-à-Tête dürfte besonders auf amerikanischer Seite schwierig werden. Der US-Regierung fehlen Leute mit langer Nordkorea-Erfahrung - dass Trump auch im Außenministerium einen "relativen Kahlschlag" vorgenommen hat, habe die Situation nicht besser gemacht, so Frank. Auf nordkoreanischer Seite gebe es hingegen Diplomaten, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigten. Daher hält Frank es für durchaus denkbar, dass Kim Jong Un am Ende einen großen Propagandasieg davontragen und Trump mit wenig Substanz zurückkehren könnte.

Auch ob Trumps beliebte Strategie, mit maximalem Druck die Gegenseite zu schwächen und dann einen Deal machen zu wollen, bei Nordkorea greife, sei fraglich. "Die Nordkoreaner werden sich nicht über den Tisch ziehen lassen", sagt Frank. Pjöngjang werde verlangen, als Atommacht anerkannt zu werden. "Darunter werden es die Nordkoreaner nicht machen." Denkbar sei aber auch, dass man über ein Einfrieren der Nuklearaktivitäten oder den schrittweisen Abbau von Atomwaffen verhandelt, der an Bedingungen geknüpft werde. "Dann reden wir aber von einem jahrelangen Vorgang", so Frank.

"Gewaltiges Prestige" für Kim durch Trump-Treffen

Dass Nordkorea wirklich atomar abrüsten wolle, glaubt Jeffrey Lewis vom Middlebury Institute of International Studies nicht. "Nordkorea will seit mehr als 20 Jahren einen Gipfel mit einem US-Präsidenten", sagt der Korea-Experte. Mit dem Treffen wolle Kim vielmehr der Welt zeigen, dass der US-Präsident ihn wegen des Atomwaffen- und Raketenprogramms als "ebenbürtig" behandeln müsse.

Ähnlich sieht es Abraham Denmark vom Forschungsinstitut Wilson Center. "Kim wird den Traum seines Vaters und seines Großvaters vollenden, indem er Nordkorea zu einem Atomstaat macht und durch ein Treffen mit einem US-Präsidenten auf Augenhöhe gewaltiges Prestige und gewaltige Legitimität gewinnt." Und das alles, ohne auch nur auf einen einzigen Sprengkopf oder eine einzige Rakete zu verzichten.

Und was hätte der US-Präsident davon? "Trump könnte zumindest zeigen, dass er die ganze Palette von Möglichkeiten ausgeschöpft hat: Von massiven verbalen Drohungen bis zur der Bereitschaft, mit dem nordkoreanischen Führer direkt am Tisch zu sitzen", sagt Oliver Thränert von der ETH Zürich.

Überraschungen nicht ausgeschlossen

Was bei dem Treffen, wenn es denn in den kommenden Monaten stattfindet, herauskommt, ist auch wegen der Unberechenbarkeit der beiden Protagonisten schwer abzuschätzen. Bei Menschen wie Donald Trump und Kim Jong Un, die "quasi autokratisch regieren und da relativ großen Handlungsspielraum haben", sei immer mit Überraschungen zu rechnen, so Rüdiger Frank.

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