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Von Gütersloh nach Berlin - Ralph Brinkhaus: Revoluzzer aus Westfalen

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Bis vor kurzem war Ralph Brinkhaus außerhalb seines Wahlkreiseses Gütersloh kaum bekannt. Binnen weniger Wochen katapultierte sich der CDU-Finanzfachmann an die Spitze der Union.

Ralph Brinkhaus (CDU), aufgenommen am 25.09.2018 in Berlin
Ralph Brinkhaus schlägt Kauder in Wahl als Unionsfraktionschef. Quelle: dpa

Für wen das Herz von Ralph Brinkhaus schlägt, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf seinen Schreibtisch. Da steht ein weißer Keramik-Geißbock. Der Westfale ist auch Mitglied im 1. FC Köln-Fanclub des Bundestags, der "Koalition Rut-Wiess". 1968 in Rheda-Wiedenbrück geboren, wagte Brinkhaus nun eine kleine Revolution.

Dass Brinkhaus für die Wahl seinen Hut in den Ring warf, galt vielen nicht nur als Kampfansage an Volker Kauder, sondern indirekt auch an die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren enger Vertrauter Kauder ist. Immerhin informierte der bisherige Stellvertreter brav vorab beide darüber. Und er verliert über Kauder kein böses Wort. Er ist auch nicht der Typ, der in den Hinterzimmern um Stimmen feilscht.

Zahlen, Einnahmen, Spielräume

Brinkhaus hat sich als Finanz- und Haushaltspolitiker einen Namen gemacht, leise und freundlich im Ton, durchsetzungsstark in der Sache. In die CDU kam er schon zu Schulzeiten über die Junge Union. Anfangs belächelt für seine Kandidatur, zog er westfälisch-stur das Ding durch - und war längst mehr als nur ein krasser Außenseiter. 

Wenn Brinkhaus im Bundestag spricht, geht es naturgemäß viel um Zahlen. Dennoch kann der selbständige Steuerberater und Diplom-Ökonom hier ins Schwärmen geraten, etwa wenn es um die Spielräume der Regierung angesichts sprudelnder Einnahmen geht. "Wir können Lust auf Zukunft machen", die Koalition könne "mit Freude" an die kommenden Regierungsjahre gehen, sagte Brinkhaus im März im Plenum.

Verfechter der Schwarzen Null

Als wichtigste Anliegen bezeichnet Brinkhaus auf seiner Website eine starke Wirtschaft und sichere Arbeitsplätze für die Menschen. Seit 2013 war er in der Fraktion als Vizevorsitzender für den Bereich Haushalt, Finanzen und Kommunalpolitik zuständig. Brinkhaus ist ein vehementer Verfechter der schwarzen Null und setzt sich für eine Entlastung der Bürger bei den Sozialversicherungsabgaben ein, er wirbt für eine Stärkung der Mitte der Gesellschaft und eine Politik für Familien mit Kindern.

Der im Juni 1968 in Wiedenbrück geborene Brinkhaus ist seit 20 Jahren Parteimitglied. Bevor er 2009 ein Direktmandat in den Bundestag errang, engagierte er sich in der Lokalpolitik. Für die CDU saß er von 2004 bis 2012 im Stadtrat von Gütersloh, wo er zwischen 2007 und 2009 den Fraktionsvorsitz innehatte. Ebenfalls seit 2009 ist er Kreisvorsitzender der CDU im Kreis Gütersloh. Vor zwei Jahren wurde Brinkhaus dann stellvertretender Vorsitzender des mächtigen nordrhein-westfälischen Landesverbandes.

Kein Rebell wie Spahn

Der verheiratete Katholik gehört auch zum Stephanuskreis, einem überkonfessionellen Gesprächsforum der Unionsfraktion, das für Toleranz und Religionsfreiheit eintritt und sich um die Situation verfolgter Christen in aller Welt kümmert.

Mit offener Kritik an Merkel oder Kauder wurde Brinkhaus bislang nicht vernommen, ein "Partei-Rebell" wie der konservative Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist der unaufgeregt wirkende Haushälter nicht. Doch könnte ihn die schwere Krise der Unionsparteien im Frühsommer bewogen haben, sich aus der Deckung zu wagen.

"Gräben nicht mit Haushaltsmitteln zuschütten"

Kritiker werfen Kauder vor, die damalige Situation unterschätzt zu haben. Brinkhaus nutzte seine Wiederwahl zum Gütersloher Bezirksvorsitzenden Anfang Juli, also auf dem Höhepunkt des unionsinternen Streits um die Flüchtlingspolitik, um die Einheit von CSU und CDU zu beschwören: "Wir sind die Union und haben die Pflicht, das Land und uns selbst zusammenzuhalten."

Er meint, man müsse viel stärker für den Zusammenhalt im Land kämpfen - aber nicht mit immer höheren Sozialleistungen. "Wir können die Gräben in der Gesellschaft nicht mit Haushaltsmitteln zuschütten." Anders als Kauder, der sich anfangs niemals mit AfD-Politikern in eine Talkshow setzen wollte, will Brinkhaus verstärkt "mit jenen ins Gespräch kommen, die sich von uns abgewandt haben". Auch im Mittelstand gebe es immer mehr Protestwähler, so Brinkhaus, "um die wir uns stärker als bisher kümmern müssen".

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