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Nach AfD-Besuch in Buchenwald - Ramelow: Enttäuschung war "erwartbar"

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Dass der Buchenwald-Besuch eines AfD-Politikers enttäusche, sei "erwartbar", sagt Thüringens Landeschef Ramelow. Gedenkstätten-Leiter Knigge nennt Gespräche mit der AfD sinnlos.

Enttäuscht hatte vor allem der Direktor der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, auf das Treffen mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Brandner am Mittwoch reagiert. Knigges stärkster Eindruck sei, dass es "überhaupt gar keinen Sinn macht, mit Vertretern der AfD zu sprechen", sagte er dem Deutschlandfunk. Brandner habe sich einer grundsätzlichen Klärung in Bezug auf in der AfD verbreitete geschichtsrevisionistische Positionen verweigert.

Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald
Ergibt es Sinn, mit jemandem an der KZ-Gedenkstätte Buchenwald über die Verbrechen der Nazis zu reden, der eine andere "Erinnerungskultur" befürwortet? Der Stiftungsleiter beantwortet die Frage seit Mittwoch anders.
Quelle: dpa

Brandner hatte das frühere NS-Konzentrationslager Buchenwald am Mittwochnachmittag besucht. Die Stiftungsleitung hatte im Vorfeld angekündigt, den Vorsitzenden des Bundestags-Rechtsausschusses mit antidemokratischen Äußerungen von AfD-Politikern konfrontieren zu wollen. Bei dem Treffen habe sich Brandner dann "klar und eindeutig" zu AfD-Politiker Björn Höcke und dessen Forderung bekannt, die Erinnerungskultur in Deutschland müsse "um 180 Grad gewendet" werden.

AfD-Politiker wollen Unsagbares sagbar machen

Von diesem Ausgang des Treffens zeigte sich der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nicht überrascht. Im MDR sagte Ramelow: Allein das Datum des Treffens, der 8.8.2018, beinhalte "mehrfach die geheimen Zeichen der Nazis - genau das bedient Herr Brandner (...) Herr Brandner will nichts lernen, er verweigert sich.

Ramelow warf AfD-Politikern wie Brandner, Höcke und Alexander Gauland vor, mit ihrer Verharmlosung von NS-Verbrechen bewusst dazu beizutragen, dass "Unsagbares wieder zu einer Normalität werden soll".

Indirekt warf Ramelow in dem Interview der AfD auch vor, so mitverantworlich für einen wachsenden Antisemitismus in Deutschland zu sein. Gleichzeitig warnte er davor, das Thema nur einer bestimmten Gruppe zuzuschieben. Dass Judenfeindlichkeit wieder "sagbar und hoffähig" werde, käme auch in der Nachbarschaft vor - da, "wo ich es nicht erwartet habe".

Historisch einmalige Gedenkreise

Dagegen etwas zu tun, war Hintergrund einer bislang historisch einmaligen Gedenkreise von Juden und Muslimen zur KZ-Gedenkstätte Ausschwitz, an der auch Ramelow und sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Daniel Günther (CDU) teilnahmen.

Die Gedenkfeier in Polen war der Höhepunkt einer gemeinsamen Bildungsreise vom Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Union Progressiver Juden. Neben Repräsentanten der beiden Verbände waren auch Flüchtlinge muslimischen Glaubens und jüdische Jugendliche dabei. Es war der erste Besuch einer deutsch-muslimischen Religionsgemeinschaft in der Gedenkstätte.

Bei der interreligiösen Gedenkfeier am Eingang des sogenannten Todesblocks sprach auch der Rabbiner Henry Brandt. Die Ministerpräsidenten Ramelow und Günther legten Kränze nieder.

Zentralrat der Muslime: "Furchterregendes Symbol"

Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, bezeichnete das ehemalige Vernichtungslager als ein "furchterregendes Symbol für die Entrechtung, Entmenschlichung und Verfolgung von Millionen Menschen". Und er fügte hinzu: "Wir versprechen, dass wir uns mit unserer Kraft, mit der Kraft unseres Glaubens, gemeinsam für das 'Nie wieder Auschwitz' einsetzen werden."

Angesichts wachsender rechter Strömungen in Europa erinnerte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Günther an die Verantwortung, sich immer wieder die Geschichte ins Gedächtnis zu rufen. "Vor der Kulisse unserer Vergangenheit müssen wir unser politisches Handeln einordnen", erklärte er. Deswegen müsse die Erinnerungskultur aufrecht erhalten werden.

Gemeinsam trugen sich die religiösen und politischen Vertreter ins Gedenkbuch ein. Es dürfe nie wieder geschehen, dass Menschen aufgrund einer rassistischen Ideologie oder ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe wegen verfolgt und ermordet würden. "Deshalb reichen sich Juden, Muslime und Christen am Ort millionenfachen Mordens in der Gedenkstätte Auschwitz die Hände und erinnern an alle Opfer dieser unsagbaren Verbrechen", heißt es in der Schrift.

Gedenkreisen allein reichen nicht aus

Allerdings reichen solche Gedenkreisen in den Augen von Bodo Ramelow allein nicht aus - denn damit erreiche man nur diejenigen, "die sowieso das Problem erkannt haben". Das Bewusstsein müsse aber auch dort geschaffen werden, wo Antisemitismus wieder normal geworden sei. "Wir müssen", folgerte Ramelow, "die Berührung mit dem Fremden und den Fremden alltagstauglich hinbekommen."

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