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US Air Base in der Pfalz - Ramstein rätselt über Trumps Gedankenspiele

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Der US-Präsident will die NATO erst nicht, dann doch. Er will Soldaten abziehen, dann nicht. In der Pfalz, auf der Air Base Ramstein, hört man das mit Sorgen. Und doch auch nicht.

Archiv: US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein am 05.06.2009
Abzug? Undenkbar, heißt es auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein.
Quelle: dpa

Es fing alles im Januar 2017 an, wenige Tage vor der Einführung von Donald Trump in das Amt des US-Präsidenten. Die NATO sei obsolet, donnerte er und löste bei den Partnern der Allianz einen Schock aus. Der ist bis heute nicht überwunden, auch wenn Trump wenig später zur allgemeinen Beruhigung mit einer verbalen Drehung aus "obsolet" ein "renovierungsbedürftig" statt eines "überflüssig" zu machen versuchte. Der Schrecken sitzt trotzdem weiter tief, genährt durch immer neue Präsidenten-Kommentare: seine Weigerung beim erstem Brüssel-Besuch, das NATO-Beistandsversprechen zu bekräftigen oder seine Idee, ein Großteil der 35.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen.

In und um Ramstein in der Pfalz verfolgt man die immer neuen militärischen Gedankenspiele des Präsidenten mit großer Aufmerksamkeit. Zum einen auf der US Air Base, die nach dem Zweiten Weltkrieg dort als wichtiger Stützpunkt eingerichtet wurde. Und zum anderen in der umliegenden Region, wo Tausende Deutsche seit nun 70 Jahren von und mit den Amerikanern leben.

Eine halbe Milliarde Dollar investiert

Für den Normalbürger ist der US-Stützpunkt Ramstein ein weißer Fleck auf der Landkarte. Und auch für eine Fernseh-Journalistin ist es gar nicht so leicht, auf das Gelände zu gelangen. Ein gutes halbes Jahr dauert es, bis das US-Presseteam, zuständig für deutsche Medien, eine Einladung schickt. Erst einmal ohne Kamera, versteht sich. Denn alle Fernsehaufnahmen außerhalb offizieller Pressetermine müssen zusätzlich vom kommandierenden General des 86. Lufttransportgeschwaders genehmigt werden, inklusive Prüfung des Lebenslaufes der Autorin. Ein Besuch zum Kennenlernen empfiehlt sich da dringend.

Ein freundlicher Pressemitarbeiter präsentiert das Hauptquartier der US-Luftwaffe in Europa, wo auch die NATO mit ihrem Hauptquartier AIRCOM eine Kommandobehörde für ihre Luftstreitkräfte eingerichtet hat. Wer hier Kampfjets wie früher in dem 1980er Jahren erwartet hat, wird eines Besseren belehrt. Seit 2005, als die Rhein-Main-Air Base in Frankfurt geschlossen wurde, ist Ramstein vor allem Drehkreuz der US-Luftwaffe für Truppen- und Materialtransporte für Auslandseinsätze. Von Bomben bis Butter wird hier alles verladen. Etwa eine Milliarde Dollar wurde in den vergangenen Jahren investiert, von einer zweiten Start- und Landebahn, größeren Hangars und modernen Kasernen bis zum Einkaufszentrum mit Schnellrestaurants fürs Heimatgefühl, Kindergarten, neuer High School und vier Hotels. Ein Militärkrankenhaus für eine weitere Milliarde ist gerade im Bau. 2021 soll es fertig werden – das größte außerhalb der USA.

Wichtiger Stützpunkt, wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die 12.000 Soldaten, die in Ramstein stationiert sind, und ihre Familien sollen sich wohl und sicher fühlen. Und so fällt die Besichtigungsfahrt auf den ersten Blick dann auch aus wie die Führung durch ein beschauliches Dorf mit gut gepflegten Gebäuden und Grünflächen. Wären da nicht die Uniformen und das Flugfeld mit den gigantischen C5 und C17 Transportmaschinen. Und so einige Fragen, auf man einfach keine Antwort bekommt. Auf die Frage nach dem guten Dutzend Radomen zum Beispiel, den großen weißen Antennenkuppeln am Straßenrand. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Steuerung der US-Drohnen in Afghanistan, Pakistan oder Jemen von den Kommandozentralen in den USA über Ramstein und von dort via Satellit in die Einsatzgebiete des US-Militärs läuft. Das hier seien Kommunikationseinrichtungen, wird erklärt. Mehr könne man nicht sagen, militärisches Geheimnis eben.

Für die Ramstein-Gegner bedeutet der Stützpunkt auch nach dem offiziellen Abzug Tausender US-Atomsprengköpfe Gefahr und Provokation. Andere hingegen sehen die Air Base als Sicherheitsgarant der Militärallianz mit den USA. Für viele in der Region bedeutet sie einen wichtigen Wirtschaftsfaktor mit 4.000 deutschen Zivilangestellten allein auf dem Stützpunkt. Ganz abgesehen von den Geschäften, Restaurants und Vermietern im Umkreis, die von den US-Soldaten und deren Familien profitieren.

Zweifel an Abzugsplänen

Doch die Zeiten haben sich geändert. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 bleiben die Amerikaner immer mehr unter sich. Und seit Donald Trump laut "Washington Post" angeblich über einen Abzug des Großteils der US-Soldaten aus Deutschland nachdenkt, ist man auch in der Stadtverwaltung Ramstein-Miesenbach leicht skeptisch. Bei solch riesigen Investitionen sei ein US-Abzug eigentlich undenkbar, heißt es dort.

Fragt man Militärexperten, so löst die Nachricht der "Washington Post" keine besondere Unruhe aus. Großstandorte wie das Luftkreuz Ramstein ließen sich nicht so einfach verlegen, heißt es da. Und tatsächlich versicherte inzwischen US-Verteidigungsminister James Mattis seiner deutschen Kollegin Ursula von der Leyen, wie wichtig der Stützpunkt Ramstein und der NATO-Partner Deutschland für sein Land seien. Doch wer weiß, meinen die deutschen Nachbarn in der Pfalz. In diesen Tagen habe Politik wenig mit wirtschaftlicher oder militärischer Logik gemeinsam.

Katastrophe jährt sich zum 30. Mal

Ein Tag mag das Verhältnis zu den US-Streitkräften in Ramstein zusätzlich trüben: der 28. August 2018. Dann jährt sich die Katastrophe von Ramstein zum 30. Mal, bei der während einer Flugschau beim Absturz einer Kunstflugstaffel 70 Menschen starben und über 1.000 verletzt wurden, 450 davon schwer. Den Gedenkstein auf dem Air Base Gelände zeigt unser Begleiter auch bei unserer Tour und die kleine Kirche, in der die deutschen Überlebenden und die Angehörigen wieder beten werden. Wie an jedem Jahrestag bleiben sie dabei auch dieses Mal unter sich.

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