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Randalierer kapern "Gelbwesten" - Macron gerät immer weiter unter Druck

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Am vierten "Gelbwesten"-Wochenende in Frankreich kommt es erneut zu Ausschreitungen. Die Demonstranten haben höchst unterschiedliche Ansichten - aber sie sind alle gegen Macron.

"Gelbe Westen" - Proteste in Paris
"Gelbe Westen" - Proteste in Paris
Quelle: reuters

Ein rotes Kreuz aus Klebeband auf einem weißem Ski-Helm oder eine selbstgemalte Presse-Armbinde - daran kann man sie erkennen. Die angeblichen Sanitäter und Journalisten sind Randale-Profis, denen jede Demo Recht ist, sich mit der Polizei zu prügeln. Und sie waren auch am Samstag in Scharen in Paris unterwegs.

Randalierer geben sich kampfbereit

"Ich habe Augentropfen in meinen Socken versteckt", erklärt Anna im ZDF-Interview, während sie sich ihren Schal vor die Nase bindet. "Sollen die doch mit ihrem Tränengas kommen." Sie wolle nur friedlich demonstrieren, sagt sie. "Aber wenn die Polizei uns angreift, dann wehren wir uns", fügt sie erwartungsvoll grinsend hinzu.

Anna und ihre Freunde haben sich am Nachmittag getroffen, um zu den Champs-Elysées zu ziehen - nicht ohne sich vorher in einem der wenigen offenen Läden gründlich mit Dosenbier einzudecken. Wenige Querstraßen vor ihrem Ziel geht es nicht mehr weiter. Demonstranten mit gelben Westen füllen die Straßen. Auffallend viele tragen Skibrillen, Mundschutz oder Motorradhelme.

Über 1.300 vorläufige Festnahmen

Pseudo-Sanitäter unter den Demonstranten verteilen Augentropfen an Randalierer.
Pseudo-Sanitäter unter den Demonstranten verteilen Augentropfen an Randalierer.
Quelle: Ulrike Koltermann, ZDF

"Macron - démission", skandieren sie, "Macron soll zurücktreten". Das waren nicht die Franzosen aus den ländlichen Gegenden, die mit ihrem alten Diesel zu ihrer schlecht bezahlten Arbeit pendeln und sich gegen zu hohe Steuern wehren.

Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen herrschte am Samstag Chaos in Paris. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge ein. Die Randalierer warfen Pflastersteine, fackelten Autos ab und zertrümmerten Schaufenster, die nicht mit Sperrholzplatten verrammelt waren. Bis zum Abend gab es 118 Verletzte, 1.385 vorläufige Festnahmen und einmal mehr beträchtlichen Sachschaden.

Kein Wort von Macron

Dabei waren durchaus auch viele "Gelbwesten" unterwegs, die wirklich nur friedlich demonstrieren wollten. Aber wer die eigentlich sind und was die wollen, wird immer unklarer. Die geplante Steuererhöhung für Diesel und Benzin, die die Proteste im November ausgelöst hatten, sind längst vom Tisch. Seitdem kommen ständig neue und immer abstrusere Forderungen hinzu - vom Plastikflaschenverbot bis zum Frexit.

Eins aber eint alle, die am Samstag in Paris und an zahlreichen anderen Orten des Landes auf der Straße waren: Das gemeinsame Feindbild Emmanuel Macron. Noch nie hat es sich in Frankreich ein Staatschef so schnell und so drastisch mit den Franzosen verdorben. Der als Jupiter verspottete und beneidete junge, brillante Staatschef, dem zu Beginn seiner Amtszeit alles zu gelingen schien, hat sich seit Tagen im Elysée verbunkert und schweigt beharrlich zu den Protesten.

"Wir fühlen uns komplett uns selbst überlassen"

Seine politischen Gegner haben Oberwasser. Die Oppositionsführer Jean-Luc Mélanchon am linken und Marine Le Pen am rechten Rand fordern die Auflösung der Nationalversammlung und Neuwahlen. Und auf der internationalen Bühne hat Macron es künftig auch schwerer, europaweite Reformen zu fordern, wenn er nicht einmal sein eigenes Land im Griff zu haben scheint.

"Wir haben einen Präsidenten, der völlig abgehoben ist vom Volk", sagt Jean, ein älterer Herr, der sich wegen des Tränengases in der Luft ein Taschentuch vor den Mund hält. "Wir warten darauf, dass er endlich auf die Franzosen hört und volksnäher ist. Wir fühlen uns komplett uns selbst überlassen."

Am Montag will der Präsident sich schließlich in einer Fernsehansprache an sein Volk wenden. Was immer er zu sagen hat - die Frage ist derzeit eher, wer sich das überhaupt noch anhören mag.

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