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Vertrauenskrise - Türkische Lira verliert rasant an Wert

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Die türkische Währung taumelt seit Tagen von Tief zu Tief, nun hat sich der Kursverfall beschleunigt. Eine Vertrauenskrise habe einen Abwärtsstrudel ausgelöst, so Analysten.

Turkische Lira unter Lupe
Turkische Lira unter Lupe Quelle: reuters

Der Kursverfall der türkischen Währung hat sich am Freitag beschleunigt. Am Morgen kam es im Handel mit dem US-Dollar zeitweise zu einem Einbruch um 13,5 Prozent. Der Kurs fiel auf ein Rekordtief bei 6,3005 Lira für einen Dollar. Auch im Handel mit dem Euro ging es rasant abwärts - erstmals wurden mehr als sieben Lira für einen Euro gezahlt.

Am Morgen wurden zeitweise 7,2254 Lira für einen Euro gezahlt. Zum Vergleich: Zu Beginn des Jahres waren es nur 4,50 Lira. Als Ursache für die Zuspitzung an den türkischen Finanzmärkten gilt auch die Unsicherheit der Anleger vor der Veröffentlichung eines neuen Wirtschaftsmodells, das Finanzminister Berat Albayrak am Freitag vorstellen will.

Analysten der Landesbank-Baden-Württemberg (LBBW) sprachen von einer Vertrauenskrise, die einen "Abwärtsstrudel" bei der türkischen Lira ausgelöst habe. Anfangs waren noch mangelnde Rechtssicherheit, eine starke Inflation und die Sorgen um die Unabhängigkeit der Zentralbank das Hauptproblem für die türkische Währung. Mittlerweile wird nach Einschätzung der LBBW an den Märkten aber auch die Möglichkeit einer Staatspleite der Türkei durchgespielt. Zuletzt sind Prämien der Kreditausfallversicherungen auf türkische Staatspapiere auf Höchststände geklettert.

Was die türkische Regierung jetzt tun könnte

Analysten wollen Leitzins-Anhebung

"Die Lira scheint nun im freien Fall zu sein", sagt Manuel Andersch, Devisenstratege der BayernLB. "Sofern sich die türkische Zentralbank jetzt nicht von den politischen Fesseln Erdogans löst und den Leitzins drastisch anhebt, ist eine Zahlungsbilanzkrise unausweichlich." Die Auffassung von Commerbank-Analyst Lutz Karpowitz: "Bisher zeigt sich Präsident Recep Tayyip Erdogan von der Reaktion der Finanzmärkte unbeeindruckt. Das ist ein gefährliches Spiel: Je später er nachgibt, desto größer der Schaden, denn ohne Politikwechsel dürfte die Lage weiter eskalieren."

Einige Punkte des neuen Wirtschaftsprogramms waren am Markt schon durchgesickert. Demnach will die türkische Führung ihre Wachstumsprognose etwas zurücknehmen und die Inflation in den einstelligen Bereich drücken. Die Aussicht auf ein neues Wirtschaftsmodell lindere die Sorgen europäischer Banken "vor dem Hintergrund eines Präsidenten, der göttlichen Beistand erfleht, nicht", so Michael Hewson, Marktanalyst bei CMC Markets.

Über 16 Prozent Inflationsrate

Erdogan bemühte sich, die Furcht vor einem weiteren Verfall der Lira zu zerstreuen. "Macht Euch keine Sorgen", rief er am späten Donnerstagabend in Rize am Schwarzen Meer Anhängern zu. Derzeit liefen gegen die Türkei mehrere Kampagnen, sagte er mit Blick auf den Streit mit den USA. "Beachtet sie nicht." Er ergänzte: "Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott."

Im Juli hatte die Inflationsrate 16,30 Prozent betragen. Zeitgleich zu den starken Verlusten der Lira ging es auch mit den Kursen der in US-Dollar ausgegebenen türkischen Staatsanleihen deutlich nach unten. Am Aktienmarkt beruhigte sich dagegen die Lage.

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