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Schädlingsplage - Ratten auf dem Vormarsch

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Sie halten sich nicht mehr zurück. Ratten zeigen sich auch tagsüber immer öfter. Milde Winter und reichlich Futter sind die Ursachen. Dem Menschen können sie gefährlich werden.

Eine Ratte, unterwegs im nächtlichen Washington (undatierte Aufnahme)
Eine Ratte, unterwegs im nächtlichen Washington (undatierte Aufnahme) Quelle: dpa

Mario Heising ist Schädlingsbekämpfer in Berlin. Hier tummeln sich die Ratten mittlerweile in vielen Stadtvierteln. Ein Rattennest in einem Gebüsch oder Grünanlage zu entdecken, ist für ihn nicht schwer. Neben einem Busch hat jemand Futter für Tauben hingeworfen – Toastbrot und Haferflocken. Auch die Ratten kommen jetzt am helllichten Tag aus ihren Löchern und machen sich über den gedeckten Tisch her. Ein Paradies für die Nager. Gleich mehrere Sippen haben sich hier schon angesiedelt. Wenigstens die Brotscheiben kann Mario Heising noch einsammeln, damit der Tisch für die Ratten nicht zu üppig gedeckt ist. "Mit dem Futterangebot, was hier zu finden ist, werden die Ratten satt und gehen nicht mehr an unsere Giftköder", klagt Schädlingsexperte Heising.

Ratten sind Krankheitsüberträger

Ratten sind für den Menschen gefährlich. Bis zu 70 Krankheiten können sie durch Viren und Bakterien übertragen. Darunter sind zum Beispiel auch Hantaviren oder Leptospiren-Infektionen. Sie können zu gefährlichen Nieren- und Leberschäden oder grippeähnlichen Symptomen führen. Viele Ansteckungen durch die Ratte bleiben unentdeckt. Die Krankheitserreger werden meist durch den Urin der Tiere übertragen.

Gerade in Stadtvierteln mit vielen Restaurants oder Imbissbuden bekommen die Schädlingsbekämpfer immer mehr zu tun. Müll und Abfälle aus den Küchen ziehen Ratten magisch an. Doch mit der Bekämpfung ist das so eine Sache. Mittlerweile gibt es ganz genaue Vorschriften, die aber eher die Rattenbekämpfung erschweren, meint Heising. Die Art der Boxen, mit denen die Giftköder ausgebracht werden dürfen, sind genau vorgeschrieben. Die Giftköder sind vorgefertigte Industrieprodukte. Das Ganze muss mit einem Bauzaun abgesichert werden.

Schwierige Rattenbekämpfung

Die amtlich genehmigten Giftköder schmecken den Ratten gar nicht. "Eine Ratte weiß, da vorne ist ein Papierkorb, ein Stückchen weiter sind Kneipentische, wo sie abends genug zu fressen findet", das sei eben eine schwierige Geschichte, meint Heising. Besser wäre es, wenn man die Rattenlöcher direkt beködern könnte, da müsse aber mit richtigen Gitterzäunen abgesichert werden, was richtig viel Geld koste.

Geld, das die Kommunen nicht haben. Verantwortlich für diese Vorschriften ist die EU-Kommission. Sie beschloss vor fünf Jahren, dass nicht mehr so viele hoch wirksame Gifte in die Umwelt gelangen sollen. Bis vor ein paar Jahren haben die Schädlingsbekämpfer die Köder noch selbst herstellen können, zum Beispiel einen saftigen Giftapfel oder eine Gurke, was für die Ratten vom Essen her attraktiv war.

Ratten werden resistent gegen Gifte

Die EU-Verordnung ist nicht das einzige Problem. Experten des Julius-Kühn-Instituts in Münster haben festgestellt, dass viele handelsübliche Mittel zur Bekämpfung der Ratten inzwischen wirkungslos sind. Untersuchungen an toten Ratten deuten darauf hin, dass die Tiere gegen die Gifte resistent werden. Die Blutgerinnungshemmer, die als Bekämpfungsmittel eingesetzt werden, wirken nicht mehr. "Es gibt acht verschiedene Wirkstoffe, und gegen fünf können die Ratten resistent sein", erklärt Alexandra Esther vom Julius-Kühn-Institut. In den letzten Jahren sei die Zahl der resistenten Ratten deutlich gestiegen.

Wenn Gift nicht mehr hilft, müssen neue Mittel her. In der Berliner Kanalisation setzt man auf eine neuartige Schlagfalle ohne Gift. Mit 130 km/h erschlagen 14 Kunststoffbolzen die Ratte. Immer mehr Städte setzen jetzt solche vollautomatischen Schlagfallen ein.

Intelligentere Ratten

Durch die guten Ernährungsmöglichkeiten verändern sich die Ratten. Matthew Combs von der New Yorker Fordham Universität hat festgestellt, dass in der Stadt die Ratten im Laufe der Zeit größere Schädel bekommen. "Sie müssen immer bessere Problem-Löser sein, um zu überleben, daher werden die Hirne größer. Wir untersuchen auch, ob sich Zähne oder Kiefer in ihrer Form verändern", berichtet Combs.

Die Wissenschaftler haben in ganz New York Studien getätigt. Das Ergebnis: Gerade in Vierteln mit Grünanlagen siedeln sich Ratten an. Wo weniger Abfall rumliegt, ziehen sich die Ratten zurück. Auch in Berliner Parks gibt es wahre Wohlfühloasen für Ratten. Schädlingsbekämpfer Heising räumt gerade eine Konservendose mit Tomatenfischresten und Toastbrot weg, das auf dem Boden herumliegt. "Hier hat jemand ein Picknick gemacht. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn man dann so eine Rattenpopulation hat", schimpft Heising. Bei solchen Bedingungen wird der Kampf gegen die Ratten langwierig und zäh. Die Invasion der Nager in unsere Städte schreitet also weiter voran.

Die planet e.-Doku in voller Länge

Ratten-Alarm: In vielen Städten breiten sie sich immer weiter aus. Experten warnen: Der Kampf gegen die Nager wird langwierig und teuer.

Beitragslänge:
28 min
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