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Entwurf an der Uni Bremen - Ein Haus fürs All

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Was nutzt es, wenn wir zum Mars fliegen können, aber dort kein Dach über dem Kopf haben? Die Geophysikerin Christiane Heinicke hat ein Haus für außerirdisches Wohnen entworfen.

Die Geophysikerin Christiane Heinicke hat es probiert – sie lebte ein Jahr lang in der Simulations-Station auf Hawaii. Ihre Erfahrungen dienen nun der Forschung.

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Fern der Erde, doch möglichst nah am Leben. Ein ganzes Jahr hat Christiane Heinicke in einer simulierten Marsstation gewohnt, spätestens seither dreht sich ihre Forschung um den Alltag im All. Die Geophysikerin hat keinen Zweifel daran, dass die Menschen irgendwann tatsächlich zum Mars fliegen. Doch bei aller Euphorie über innovative Transportsysteme dürfe man nicht vergessen, dass der Flug allein nicht ausreiche. Man müsse den Menschen dort auch das Überleben ermöglichen. Dafür brauche es eine Station, ein sogenanntes Habitat.

Eine Wohnanlage aus sechs Modulen

Und so hat Christiane Heinicke inzwischen ein eigenes Haus für außerirdisches Wohnen und Arbeiten entworfen. Eine erste Version steht in Bremen am ZARM, dem Zentrum für angewandte Raumfahrtforschung und Mikrogravitation. Auch wenn es bereits gut ein Dutzend solcher Testhabitate weltweit gibt, dieses sei, so sagt sie, die erste Station, die den extraterrestrischen Herausforderungen umfassend standhalten könne.

Seit zwei Jahren arbeitet sie an "MaMBA", eine Abkürzung für "Moon and Mars Base Analog", konzipiert ein Haus für zukünftige Mond- und Marsmissionen. Die Wohnanlage besteht aus sechs Zylindern, eigenständige Module, die zum Beispiel die Bereiche Forschung und Freizeit von einander trennen. Vor allem aber war das Thema Sicherheit für diese Architektur maßgebend: "Wenn ein Modul ausfallen sollte, egal welches, wenn irgendein Problem auftritt, das kann ein Brand sein, das kann der Austritt einer Chemikalie sein, dann können sich die Astronauten in die anderen Module retten."

Wie sehr Astronauten an ihre Grenzen gehen, dafür hat Christiane Heinicke während ihres Mars-Experiments ein gutes Gespür entwickelt. Gemeinsam mit fünf weiteren Wissenschaftlern lebte sie von August 2015 bis August 2016 abgeschottet von der Außenwelt auf dem Vulkan Mauna Loa auf Hawaii. Diese lange gemeinsame Zeit in der Isolation prägen die Forscherin bis heute: "Was mir bei dem Habitat auf Hawaii besonders aufgefallen ist, das ist dieser relativ offene Raum, fünf bis sechs Meter bis zur Decke nach oben. Das klingt nach Platzverschwendung, führt aber dazu, dass man sich nicht eingeschlossen fühlt." Und so plant sie mit einer Deckenhöhe von sechs bis sieben Metern.

Außerirdisches Arbeiten im Praxistest

Um herauszufinden, wie sich ihr Habitat anfühlt, testen Wissenschaftler, Biologen und Materialforscher wochenweise eines der Module, das runde Labormodul. Auf etwa vier Metern Durchmesser müssen die Arbeitsabläufe möglichst reibungslos gestaltet sein, jedes Konfliktpotenzial vermieden werden. "Für sechs Leute wäre es sicher zu eng hier, aber ich denke ohnehin nicht, dass die ganze Crew gleichzeitig im Labor ist. Für vier wäre es passend", sagt Cyprien Verseux, Astrobiologe. Und sein Kollege, Martin Castillo, Materialforscher berichtet von seiner Zeit, als er in Japan geforscht hat. Die Enge im Mars-Habitat erinnert ihn ein wenig daran.

Unterstützt werden die Wissenschaftler im Labormodul von "Marvin", einer künstlichen Intelligenz. Ihre Fragen können sie einfach in den Raum rufen, müssen sich nicht mit langwierigen Recherchen aufhalten. "Man muss sich auch vorstellen, gerade so Biologen, die haben dann ihre Handschuhe oder Schutzkleidung an. Die müssten dann, um am Computer zu arbeiten, erstmal die Handschuhe wieder abziehen." Deutlich einfacher sei es, die Frage in den Raum zu rufen, etwa "wie ist die Löslichkeit von Chemikalie XY'", erklärt Christiane Heinicke.

Resourcenschonende Technik

Ihr zylinderförmiges Habitat, das sie jetzt vorstellt, ist nur eine erste Version. Am ZARM der Uni Bremen wird sie ihre extraterrestrische Wohnanlage weiter entwickeln und weiter ausstatten. Wichtig sei zum Beispiel eine Hülle, die vor kosmischer Strahlung schützt. Und innen will sie ressourcenschonende Technik einsetzen, die auch auf der Erde von Nutzen sein kann. "Wenn wir Menschen uns in extremen Lebensräumen wie dem Mond oder Mars am Leben erhalten können, dann können wir auch hier auf der Erde nachhaltiger mit unseren Ressourcen umgehen." 

Ob Christiane Heinicke eines Tages selbst den Mars bereisen wird? Zumindest kann sie sich das vorstellen. Auch weil sie weiß, wie sie da wohnen würde.

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