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Weltraumkongress IAC - Bremer Griff nach den Sternen

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Raumfahrt ist im Trend. Waghalsige Missionen sind geplant, Ziele sind Mond und Mars. In dieser Woche kommt das Who is Who der Branche in Bremen zusammen, zum Weltraumkongress IAC.

Der 69. International Astronautical Congress am 01.10.2018 in Bremen
Der 69. International Astronautical Congress in Bremen
Quelle: dpa

Kourou, Ariane-Flug 243. Zum 100. Mal hebt die europäische Trägerrakete in der vergangenen Woche vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ab. Bei jedem Start fliegt auch jede Menge Know-how und Technologie aus Bremen mit ins All.

Denn in der Hansestadt sitzen die großen Raumfahrtunternehmen: OHB, Airbus und die Ariane Group. OHB (Otto Hydraulik Bremen GmbH) baut die Galileo-Satelliten, die Europa unabhängig vom amerikanischen Navigationssystem GPS machen sollen, und bei der Ariane Group dreht sich alles um die Ariane 6. Die neue Trägerrakete soll 2020 die Ariane 5 ablösen, die seit 22 Jahren Dienst tut.

Aufträge für Europas Rakete

Die Arianegroup braucht nun öffentliche Aufträge. "Fünf staatliche Aufträge pro Jahr, müssten es sein, für eine Grundauslastung der Ariane 6", so Arianegroup-Chef Pierre Godat. "Wir haben natürlich bereits Bestellungen, aber um die Produktion starten zu können, müssen wir jetzt die Verträge unterschreiben. In Europa läuft nichts ohne Bremen, wenn es um Raketen geht." Und Standortleiter Jens Laßmann ergänzt: "Die Ariane 6 ist auf den Markt der Zukunft zugeschnitten, um alle Satelliten fliegen zu können. Die Ankerkunden haben Vertrauen in uns, obwohl die Rakete noch gar nicht existiert."

Die neue Trägerrakete Ariane 6 soll Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum garantieren. Die Weichen dafür sind in Bremen jetzt gestellt. Der Countdown könnte beginnen.

Vorteil: Stadt der kurzen Wege

Raketen, Sonden, Satelliten. 140 Unternehmen und 20 Forschungsinstitute sitzen in der Hansestadt und beschäftigen sich mit Luft- und Raumfahrt. Mit rund 12.000 Beschäftigten ist Bremen schwer im Geschäft mit der Schwerelosigkeit. Darunter eine Vielzahl an mittleren und kleinen Zulieferern. Die Branche ist vielfältig. Das Unternehmen AST etwa ist spezialisiert auf Bauteile für ionenangetriebene Triebwerke bei Satelliten. Ihre Bauteile kontrollieren die Treibstoffversorgung im All. Vor einigen Jahren ist die Firma von Süddeutschland hierher gezogen.

"Wir haben uns ganz bewusst für Bremen entschieden. Weil hier in Bremen die Infrastruktur sehr gut ist, es gibt einen Bahnhof und einen internationalen Flughafen. Aber auch die kurzen Wege für Entscheider in der Politik und auch zu unseren Mitarbeitern vor Ort sind Gründe dafür", so Hans-Peter Harmann, Geschäftsführer von Advanced Space Technologies.

Wirtschaftsfaktor Raumfahrt

Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner freut sich über die Vielzahl der Unternehmen im Bereich Raumfahrt. "Bremen profitiert ungemein von der Raumfahrt. Raumfahrt ist eben vor allem auch ein Technologietreiber und deswegen auch für den Standort Bremen von besonderer Bedeutung", so der SPD-Politiker. Und die Zahlen geben ihm recht: Bremen, als kleinstes Bundesland, verzeichnete 2017 das höchste Wachstum aller Bundesländer.

In Bremen findet der internationale Raumfahrtkongress statt. Nach der Werftenkrise erfährt die Stadt durch die Luft- und Raumfahrtindustrie einen spürbaren Aufschwung.

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Größter Treiber des Wirtschaftswachstums ist die Industrie und dabei, neben dem Automobilbau, auch die Raumfahrt. "Wir dürfen die Branchen nicht nur getrennt nebeneinander sehen", so Senator Günthner. "Forschung im Bereich Leichtmetallbau zum Beispiel ist wichtig für die Automobilproduktion - etwa im Bremer Mercedes-Werk - aber auch bei der Fertigung von Raketenteilen."

Start-ups mit Algen und frischen Brötchen

Am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, kurz AWI, gibt es eine Lieblings-Algenart: die Kieselalge. Ein Forschungsbereich des Instituts widmet sich mit ihrer Hilfe dem Strukturleichtbau. Beim Start-up "Elise" versuchen die beiden Bioniker Sebastian Möller und Daniel Siegel auf Basis der Schalenstruktur der Kieselalgen besonders leistungsfähige und leichte Metallbauteile zu entwickeln. Sie übertragen die Baupläne der Natur auf den Metallbau fürs All. "Das ganze kostet natürlich auch viel Geld", sagt Sebastian Möller, einer der beiden Start-up-Gründer. "Zum Glück stellt uns das Alfred-Wegener-Institut das technische Know-how für unsere Arbeit zur Verfügung, wirtschaftliche Unterstützung erhält 'Elise' vom Bundeswirtschaftsministerium."

"Bakein Space", ein anderes Bremer Start-up, widmet sich der Ernährung im All. Brötchen soll es auf der ISS geben, krümelfrei. "Es ist ganz wichtig, dass die Brötchen nicht krümeln, denn in der Schwerelosigkeit fallen die Krümel nicht zu Boden sondern würden in den empfindlichen Apparaturen landen", so Florian Stukenborg, Lebensmitteltechnologe des Projekts. Und es bedarf eines ganz besonderen Backofens. Denn im All dürfte kein heißer Ofen geöffnet werden, wegen der umliegenden Geräte und wegen der Hitzewolke, die die Astronauten schwer verletzen könnte.

Brot fürs Heimatgefühl

Brotbacken auf der ISS ist aber noch längst nicht alles, was den Gründern von "Bakein Space" vorschwebt. Sie setzen auf die bemannte Mission zum Mars, irgendwann. Fast zwei Jahre wären die Menschen unterwegs zum Roten Planeten. Und bei so einer langen und gefährlichen Mission könnte Brot eine besondere Bedeutung zukommen. Sebastian Marcu, Geschäftsführer von "Bakein Space": "Brot transportiert dieses Wohlfühl-Gefühl, was wir von zuhause kennen und dieses Stück Heimat wollen wir zum Mars transportieren, wenn wir dahin reisen, irgendwann mal."

Visionen made in Bremen. Wo die ganz Großen sitzen und die ganz Kleinen, ohne die die Raumfahrt nicht dort wäre, wo sie jetzt steht.

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