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Raumsonde verglüht - Cassinis lange Reise

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Fast 13 Jahre flog sie rund um den Saturn - jetzt ist die Reise der Raumsonde "Cassini" zu Ende gegangen. Sie ist in der Atmosphäre des Planeten im äußeren Sonnensystem verglüht. Damit endete eine Mission, die 1997 begann. Ein Rückblick auf 20 spannende Jahre im All.

Ein riesiger Gasplanet, umgeben von Ringen und Monden. Weit draußen im Sonnensystem - das war 20 Jahre lang die Heimat von der NASA-Sonde "Cassini". Gegen 14 Uhr soll Cassini ein letztes Signal an die Erde senden.

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"Dinosaurier gibt es dort nicht, die hätten wir längst gesehen", sagt Ralf Jaumann. Er lächelt und fügt hinzu: "Wir suchen nach kleinsten Spuren von Leben." Jaumann erforscht die Planeten unseres Sonnensystems. Cassini ist seine Mission. Er war von Anfang an dabei. Der Flug zum Saturn begann 1997 und brachte eine Fülle spektakulärer Ergebnisse.

Start in Cape Canaveral

Cassinis Start sei der schönste gewesen, und er habe viele gesehen, erzählt Jaumann seinen Studenten. 20 Jahre ist das jetzt her. Von Cape Canaveral aus brachte eine Trägerrakete Cassini ins All. Der Beginn einer Reise, die sieben Jahre dauern sollte. Galileo Galilei hatte den fernen Saturn und seine geheimnisvollen Ringe schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit dem Fernrohr beobachtet. Mehr als dreihundert Jahre später flogen die Voyager-Sonden am Saturn vorbei, schickten Daten und zogen weiter.

Aber wie entstand der eisige Gas-Riese, was verbirgt sich hinter seinem Ring-System, das ihn von den anderen Planeten unterscheidet? Cassini sollte es herausfinden. Schon der Flug ins äußere Sonnensystem ist eine Herausforderung. Cassini nutzte den Swing-by-Effekt, nahm zweimal Schwung an der Venus, dann noch einmal an der Erde und ließ danach die terrestrischen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars hinter sich, flog an Jupiter vorbei, um 2004 in den Orbit des Saturn einzuschwenken.

Unerwartete Entdeckungen

Was dann folgte waren 13 Jahre atemberaubender Forschung. Jeden Tag Neuigkeiten, erzählt Ralf Jaumann. "Wir haben den Saturn so gesehen, wie noch niemand zuvor." Eine spannende Zeit. Er wird die Sonde vermissen, soviel ist sicher. Nur ein Roboter und doch ein ständiger Begleiter seines Alltags. Immer gewagter wurden Cassinis Flugmanöver, auch die Ingenieure lertnen täglich bei dieser Mission. So kamen immer neue Bilder vom Saturn und seinen Eismonden zur Erde.

Eine der spektakulärsten Entdeckungen machte Katrin Stephan, Geologin am Institut für Planetenforschung in Berlin. Es war diese Spiegelung am Nordpol des Titan, die ihr auffiel. Wasser? Es ist ein See aus Methan. Auf dem Saturn-Mond verdampft Methan, kondensiert und regnet wieder ab. So entstehen gewaltige Flüsse vergleichbar mit Rhein und Nil, Seen groß wie das Schwarze Meer und eine riesige Dünenlandschaft in der Nähe des Äquators. Geologisch ist Titan der Erde und dem Mars extrem ähnlich. Und das obwohl hier alles unendlich viel weiter von der Sonne entfernt ist. Fast 30 Jahre braucht der Saturn für seinen Weg um die Sonne. Sieben Jahre dauert eine Jahreszeit. Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt es auch auf dem Saturn.

Geysire auf dem Eismond Enceladus

Und dann ist da noch Enceladus, ein kleiner Mond von 500 Kilometer Durchmesser, der nah um den Saturn kreist. Von hier schickte Cassini atemberaubende Bilder von Fontänen, die ins All schießen. "Wir waren sehr überrascht, dass dieser Körper überhaupt so viel Energie aufbauen kann, dass er im Inneren geschmolzen ist", erinnert sich Jaumann.

"Was wir sehen ist sehr viel Wasser, das über Risse an seinem Südpol nach außen dringt, also als Wasserdampf, der als Schnee wieder auf die Oberfläche zurückfällt und die Teilchen, die schneller sind, die bewegen sich dann wieder in der Bahn. Enceladus fliegt sozusagen durch seinen eigenen Wasserschweif oder Eiskristallschweif, den er ausgestoßen hat. Und das ist natürlich schon interessant, denn das sagt uns ganz klar, dass im Inneren flüssiges Wasser vorhanden ist, ein Ozean aus Wasser."

Suche nach Leben

Ozeane im Inneren von Titan und Enceladus, das heißt auch, die Temperaturen liegen über dem Gefrierpunkt, und damit ist die Entstehung von Leben auf den Eismonden denkbar. Für die Forscher ist das eine Perspektive, die sie so nicht erwartet hatten.

Vor Cassinis Reise zum Saturn hatten sie außerirdisches Leben nur auf dem Mars für möglich gehalten. Jetzt stellt sich die Frage neu. "Wenn diese Monde Ozeane unter ihrer Eiskruste haben, dann könnte es auch weit draußen in unserem Sonnensystem immer noch die Möglichkeit geben, dass sich dort Leben gebildet hat", betont Jaumann.

Das große Finale

Der Abschied war noch einmal ein wissenschaftliches Highlight. Bevor Cassini in der Atmosphäre des Saturn verglühte, flog das Raumschiff 22 Mal zwischen dem Planeten und seinen Ringen hindurch, ein riskantes Manöver, von dem Wissenschaftler träumten, das für die Ingenieure aber ein Albtraum war. Dann riskierten sie es doch. Es geht darum, das Innere des Saturn zu erforschen und die Masse seiner Ringe zu messen. Sie wollten wissen, warum Jupiter, Saturn, Neptun und Uranus, die Planeten unseres äußeren Sonnensystems, so weit entfernt von uns um die Sonne kreisen und der Erde damit den Raum ließen, das zu werden, was sie heute ist. Und hinter all dem steht auch die Frage, ob es irgendwo in den Weiten des Universums noch andere Erden geben könnte.

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