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Leipzig-Pleite zum CL-Abschluss - Nicht schlechter, aber zu uneffektiv

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RB Leipzig hadert im letzten Champions-League-Spiel mit einem Manko: fehlende Cleverness. Auch gegen Besiktas Istanbul agierte der Neuling unruhig, war anfällig und ungefährlich.

RB Leipzigs Spieler Timo Werner liegt nach einem Zweikampf mit Istanbuls Talisca am Boden, aufgenommen am 06.12.2017 in Leipzig
Quelle: dpa

Ralph Hasenhüttl setzte eine lakonische bis bittere Miene auf, als es bereits auf Mitternacht zuging und er in den Katakomben des Leipziger Stadions Bilanz zog. Der Gesichtsausdruck des Leipziger Trainers spricht oft Bände und schien nach dem 1:2 (0:1) gegen Besiktas Istanbul und dem Aus in der ersten Champions-League-Saison zu sagen: Was sollen wir denn noch machen? Wird doch eh nicht belohnt.

Tatsächlich analysierte Hasenhüttl enttäuscht: "Wir haben uns heute unzählige Chancen erarbeitet. Aber es gibt auch solche Tage, an denen man viel richtig macht und dennoch mit leeren Händen dasteht." Und: "Wir haben ein bisschen Lehrgeld zahlen müssen, es wäre mehr möglich gewesen."    

 Kampl: "Genug Chancen, um mehrere Spiele zu gewinnen"

Trotz großen Aufwands fanden die zu ungestümen und unsortierten Leipziger vor 42.558 Zuschauern in Istanbuls cooler, ballsicherer B-Elf ihren Meister. Hasenhüttls Plan, den Gruppensieger von Beginn an zu beeindrucken, schlug fehl. In der Startphase hatten die Gäste die besseren Gelegenheiten. RB stand wie bereits beim 0:4 gegen Hoffenheim sehr hoch, doch die Türken wanden sich technisch versiert aus dem Pressing heraus und spielten ihrerseits klar nach vorn. So, wie vor dem frühen Führungstreffer, als Linksverteidiger Marcel Halstenberg sich vom starken Jeremain Lens gleich zweimal düpieren ließ und Kapitän Willi Orban den Niederländer nur mit einem Foul im Strafraum zu stoppen wusste, obwohl der Ball eigentlich schon geklärt war. Besiktas-Stürmer Alvaro Negredo verwandelte sicher (10.).

Rasenballsport schaffte es in den ersten 45 Minuten zu selten, zu gefährlichen Szenen zu gelangen. Regelmäßig standen die Stürmer der Rot-Weißen im Abseits; so auch als Timo Werner (21.) und Jean-Kévin Augustin den Ball aus regelwidriger Position ins Netz beförderten (64.). "Wir standen zu oft im Abseits", befand auch Leipzigs Spielmacher Kevin Kampl. "Da kam entweder der Pass zu spät, oder wir haben uns zu früh bewegt, aber wir hatten heute auch so genug Topchancen, um mehrere Spiele zu entscheiden."

 Compper: "Wollten auch in Unterzahl gwinnen"

Vor allem in der zweiten Hälfte fand RB ungeachtet der deutlichen Führung von Konkurrent FC Porto im Parallelspiel gegen die AS Monaco (5:2) immer wieder Lücken in der Istanbuler Viererkette und Abschlusssituationen, so dass Istanbuls hervorragender Ersatzkeeper Tolga Zengin im Minutentakt gegen die einschussbereiten und zunehmend entnervten Naby Keita (48., 52.), Timo Werner (47., 52.), Kampl (57.), Augustin (63.) und Bruma (77.) rettete. "Klar wussten wir in der Halbzeitpause, wie es auf dem anderen Platz steht. Aber darum ging es gar nicht. Wir wollten einfach die zweite Hälfte gewinnen. Wenn wir das 1:1 ein bisschen eher gemacht hätten, hätten wir das Spiel auch drehen können", resümierte Kampl.

Doch als Naby Keita den Ball nach einem Traumsolo dann endlich regelgerecht ins Tor beförderte (87.), wusste der Neuling auch das nicht zu nutzen und kassierte postwendend den erneuten Rückstand durch Talisca (90.). "Am Ende waren wir nicht mehr gut organisiert. Aber das war auch die Müdigkeit vieler Spieler, die wirklich viele Meter gegangen sind", erklärte der eingewechselte Routinier Marvin Compper. "Wir wollten das Spiel auch in Unterzahl noch gewinnen." Stefan Ilsanker hatte zuvor Gelb-Rot gesehen, als er Istanbuls Tosun bei einem Konter niederrang. (82.). Geknickt sagte der Defensiv-Allrounder hernach: "Wir haben ein geiles Spiel gespielt, aber leider zu wenig Tore gemacht."

 Hasenhüttl: "Nicht immer die schlechtere, aber die uneffektivere Mannschaft"

So war die Partie gegen Istanbul auch ein Spiegelbild der gesamten Champions-League-Gruppenphase der Leipziger. "Wir haben gegen sehr abgezockte Mannschaften gespielt und waren da nicht immer die schlechtere Mannschaft, aber die uneffektivere", bilanzierte Hasenhüttl. "Daran gilt es zu feilen, dass wir uns eine Spur cleverer anstellen. Am Willen und am fußballerischen Vermögen hat es nicht gemangelt. Da waren wir mindestens auf Augenhöhe. Aber das reicht nicht immer im Fußball." Nun will RB die Europa League dazu nutzen, um in K.o.-Spielen für die nächste internationale Saison zu reifen. "Wir haben auch in diesem Wettbewerb die Möglichkeit, Historisches zu leisten", sagte Hasenhüttl.

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