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Bundestag sagt Ja zur Ehe für alle - "Das ist ein historischer Tag"

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Das Ja zur Ehe für alle sorgt für Jubelstimmung bei homosexuellen Paaren. Der Lesben- und Schwulenverband feiert die Abstimmung als "historischen Tag", die katholische Kirche spricht stattdessen von einer "Verwässerung" der Ehe. Angela Merkel darf sich nun auf eine Einladung zur Hochzeit eines lesbischen Paares freuen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) votierte im Bundestag bei der Abstimmung zur Ehe für alle mit Nein. Warum? "Für mich ist die Ehe im Grundgesetz die Ehe von Mann und Frau", sagte Merkel. Sehen Sie hier ihr Statement in voller Länge.

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Berlin, kurz nach neun Uhr: Das Ergebnis der Abstimmung zur Ehe für alle steht fest. Der Bundestag in Berlin hat mit großer Mehrheit für die Änderung gestimmt. Applaus ertönt. SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke feiern ihren Erfolg. Rund dreihundert Kilometer entfernt, im mecklenburg-vorpommerschen Barth, jubelt das lesbische Paar Christine und Gundula Zilm. "Wir haben mit Kaffee und Tee angestoßen, wir trinken keinen Alkohol", sagt Gundula Zilm. Wenn die Pflegekinder am Nachmittag aus der Schule kämen, werde es wie versprochen Eisbecher geben.

Das Paar hat möglicherweise in persönlichen Gesprächen mit Angela Merkel (CDU) dazu beigetragen, dass die Kanzlerin die Frage der Ehe für alle als Gewissensentscheidung bezeichnet hat. Merkel machte damit Anfang der Woche den Weg für die Abstimmung an diesem Freitag frei. "Ich war aber sehr traurig, dass die Kanzlerin mit 'Nein' gestimmt hat", sagte Gundula Zilm.

Die Worte der Kanzlerin hatten die Zilms bundesweit ins Scheinwerferlicht gerückt. Auch Fernsehteams waren nach Barth gekommen. "Aber es war alles machbar, wir sind nun froh, wenn es vorbei ist", berichtete Gundula Zilm. Nun könnten die Planungen für die Hochzeit beginnen. Ein Termin stehe noch nicht fest, sagte die beiden. Aber die Kanzlerin werde eingeladen.

"Ein historischer Tag"

Auch Ulli Köppe freut sich. Er gilt als der Wegbereiter für die Ehe für alle. "Dass mein Leben gerade explodiert, ist seltsam", sagte der 28-jährige Berliner Eventmanager. Es war Köppe, der am Montag Merkel bei einer Veranstaltung aus dem Publikum heraus die Frage gestellt hatte, wie sie zur Ehe gleichgeschlechtlicher Partner stehe. In der Folge kam es zur heutigen Abstimmung, die Köppe gemeinsam mit seinem Chef von der Besuchertribüne des Plenums verfolgte. "Wenn ich der Kampagne ein Gesicht geben kann, nutze ich die Chance", sagte der Berliner. Aber: "Es geht um die Sache - nicht um mich".

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) würdigte das Votum des Parlaments als Sieg für "eine offene und freie Gesellschaft". "Das ist ein historischer Tag", teilte der Bürgerrechtsverband mit. "Nicht nur für Lesben und Schwule, sondern auch für eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft." Ob man in Deutschland heiraten dürfe oder nicht, entscheide künftig nicht mehr das Geschlecht, sondern "Liebe, Zusammenhalt und das Versprechen, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein".

Erzbischof Koch kritisiert "Verwässerung"

Nicht in Jubelstimmung waren dagegen Vertreter der katholischen Kirche. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch kritisierte als Vorsitzender der Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz das Ja des Bundestags zur Ehe für alle. Die Väter des Grundgesetzes hätten mit der Ehe diejenigen schützen wollen, "die als Mutter und Vater ihren Kindern das Leben schenken wollen". Jetzt aber würden vor allem der Schutz der Beziehungen und die Übernahme gemeinsamer Verantwortung als Begründung angeführt. Das bedeute eine "Verwässerung" des klassischen Ehebegriffs, erklärte Koch.

"Ich bedauere, dass der Gesetzgeber wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben hat, um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen", erklärte der Erzbischof. Es sei zudem traurig, dass das Rechtsinstitut Ehe in das Räderwerk politischen Taktierens geraten sei. "Das hat die Ehe nicht verdient."

Auswärtiges Amt: "Freuen uns über neue Kundschaft"

Das Auswärtige Amt bereitet sich derweil bereits darauf vor, Homosexuelle in ihren Auslandsvertretungen über die neuen Möglichkeiten zur Heirat in Deutschland zu informieren. "Wir freuen uns über die neue Kundschaft für die Rechtsberatung zur Eheschließung in Deutschland durch unsere Konsulate", twitterte das Außenministerium kurz nach der Bundestagsentscheidung zur Ehe für alle. Garniert wurde der Tweet mit einer Regenbogenfahne, einem heterosexuellen, einem schwulen und einem lesbischen Paar in Form kleiner Symbolfiguren - und zwei großen Ringen in Regenbogenfarben.

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