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Nach Anschlag mit 13 Toten - "Ganz Spanien ist Barcelona"

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Mindestens 13 Tote, mehr als 100 Verletzte: Am Tag nach dem Anschlag auf die Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona herrscht Trauer und Bestürzung. Weltweit äußerten Politiker und Religiöse ihre Anteilnahme. Bundeskanzlerin Merkel sagte, der Terrorismus werde uns nie besiegen.

Die Anschläge in Spanien haben weltweit Trauer und Entsetzen ausgelöst. Im Internet gab es millionenfache Reaktionen. Und fast alle Staats- und Regierungschefs dieser Welt haben den Opfern ihr Mitgefühl ausgesprochen.

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Spaniens Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte, der Anschlag sei das Resultat eines "dschihadistischen Terrorismus". "Das ist eine globale Bedrohung und die Antwort muss global sein." Er werde die Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen in Barcelona persönlich überwachen. "Wir sind vereint im Schmerz. Aber wir sind vor allem vereint im Willen, diesem Wahnsinn und dieser Barbarei ein Ende zu bereiten."

König Felipe VI. erklärte: "Sie werden uns nicht terrorisieren. Ganz Spanien ist Barcelona." Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau sagte, am Freitag würden sich Menschen zu einer Schweigeminute auf dem Hauptplatz der Stadt versammeln, "um zu zeigen, dass wir keine Angst haben und einiger denn je sind".

Deutsche Anteilnahme

Auch in Deutschland nahmen Politiker Anteil. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) veranlasste eine Trauerbeflaggung für die Bundesbehörden. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigten an, sich am Freitag im Wahlkampf zurückhalten zu wollen. Der SPD-Chef teilte am Vormittag mit, er habe mit Merkel telefoniert. "Wir haben für den heutigen Tag vereinbart, dass wir unsere Wahlkampfaktivitäten einschränken, dass wir auf Musik verzichten", sagte Schulz.

Schulz und Merkel wollten damit ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Spanien setzen. "Das sind bittere Tage. Solche Tage sind traurige Momente", sagte Schulz. Mit Merkel sei er sich "über alles politisch Trennende hinaus" einig, dass man "dem Terror keinen Platz lassen" dürfe und die offene Gesellschaft verteidigen müsse.

Merkel: Terror kann uns nie besiegen

Merkel rief dazu auf, die freie westliche Lebensweise nicht aufzugeben. Den Mördern dürfe nicht gestattet werden, "dass sie uns von unserem Weg abbringen, von unserer Art zu leben". Der Terrorismus könne "tieftraurige Stunden" bereiten, "aber besiegen kann er uns nie", sagte sie.

Die AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Alice Weidel, machte dagegen die Migrationspolitik für die Opfer mitverantwortlich. Weidel sprach von einem "Politikversagen offener Grenzen und laxer Immigrationspolitik". "Die naive Willkommenskultur gefährdet unsere Sicherheit, tötet Menschen und setzt unseren Frieden aufs Spiel", schrieb sie am Freitag in einer Erklärung. "Wir müssen endlich unsere Grenzen schließen und alle islamistischen Gefährder sofort abschieben. Andernfalls wird sich auch Barcelona wiederholen."

Internationale Anteilnahme

Die EU-Kommission setzte die Flaggen vor ihrem Sitz in Brüssel auf halbmast. "Wir stehen an der Seite der Menschen in Barcelona und Spanien", schrieb das Team von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in einer Twitter-Nachricht.

Iran verurteilte den Anschlag als "entsetzliches Verbrechen". Der Terror kenne schon lange keine Grenzen mehr und müsse deshalb auch global gelöst werden, sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. Dementsprechend sollten laut Ghassemi alle Länder ihre politischen Differenzen beiseitelassen und ihre Priorität auf den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fokussieren. Als eines der Opfer des IS-Terrors sei der Iran bereit, bei solch einer globalen Initiative mitzuwirken.

Trump sorgt für Empörung

Auch Polens Regierung verurteilte den Terror. Die Angriffe hätten sich "bewusst gegen wehrlose Menschen, darunter Kinder, gerichtet", teilte das Außenministerium in Warschau mit und sprach dem spanischen Volk sein Beileid aus. Die Täter nannte das Ministerium "Feiglinge, die sich falsche höhere Ziele zuschreiben" würden.

US-Präsident Donald Trump sorgte hingegen mit einer Empfehlung für Empörung. Nachdem er den Spaniern zunächst die Hilfe der Vereinigten Staaten angeboten hatte, legte er kurz darauf mit einer provokanten Twitter-Botschaft nach. Darin lobte er die Methoden von US-General John Pershing, der vor mehr als hundert Jahren auf den Philippinen angeblich dutzende Islamisten mit in Schweineblut getränkten Kugeln hinrichten ließ. "Danach gab es 35 Jahre lang keinen radikalislamischen Terror mehr", schrieb Trump.

Der US-Präsident hatte bereits im Präsidentschaftswahlkampf auf Pershing verwiesen - obwohl es keinerlei Belege für die Massenexekution gibt und Historiker sie als frei erfunden bezeichnen. Trump scheint die Schilderung jedoch für bare Münze zu nehmen.

Religionen beten für Opfer

Papst Franziskus und andere Religionsvertreter reagierten mit Entsetzen auf den tödlichen Anschlag. Das Kirchenoberhaupt habe "mit großer Besorgnis" die Vorgänge in der katalanischen Hauptstadt zu Kenntnis genommen, teilte Vatikansprecher Greg Burke mit. Er sagte: "Der Papst betet für die Opfer dieses Attentats und wünscht seine Nähe zum ganzen spanischen Volk zu bekunden, besonders zu den Verletzten und den Familien der Getöteten."

Die spanische Bischofskonferenz verurteilte den Anschlag als "abscheuliche Tat". Das Generalsekretariat der spanischen Bischofskonferenz bezeichnete Terrorismus auf Twitter als "ein von Grund auf böses Vorgehen". Die spanischen Bischöfe riefen zum Gebet für alle Opfer und ihre Angehörigen auf.

Die muslimische Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland sprach von Fassungslosigkeit. "Der Anschlag auf Unschuldige, darunter Frauen und Kinder, schockiert uns alle", erklärte die muslimischen Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland in Frankfurt am Main. Die Gemeinschaft zitierte das weltweite Oberhaupt der internationalen Ahmadiyya Muslim Jamaat, Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, wonach Terroranschläge "ein Angriff gegen die Lehre des Islam" seien.

Sportler in Trauer

Sportstars wie der spanische Fußballer Marc Bartra oder Formel-1-Fahrer Fernando Alonso reagierten bestürzt. Bartra, im Frühjahr selbst Opfer des Anschlags auf den Dortmunder Mannschaftsbus und früherer Spieler des FC Barcelona, twitterte: "Wo ich geboren wurde, wo ich aufgewachsen bin und wo die Leute sind, die ich liebe. All meine Unterstützung für die betroffenen Familien. Ich liebe dich, Barcelona."

"Große Traurigkeit über das, was in Barcelona passiert ist. Meine Unterstützung für die Familien und Opfer, die verwundet wurden, es sind harte Zeiten. GENUG", twitterte Fernando Alonso. Tennisstar Rafael Nadal twitterte: "Erschüttert von dem, was in Barcelona passiert ist! All meine Unterstützung für die betroffenen Familien und die Stadt."

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