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Reaktionen auf Stiche heftiger - Kleine Mücke - große Wirkung

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Wer von einer Mücke gestochen wird, muss immer häufiger mit einer heftigen Reaktion rechnen. Manchmal hilft nur noch der Gang zum Arzt. Woher kommt das, und wie schützt man sich?

Stechmücke
Nicht nur eine von Mücken übertragene Krankheit kann gefährlich werden, immer öfter reagiert der Körper schon heftig auf den Einstich.
Quelle: dpa

Es beginnt mit einem Mückenstich auf einer Grillparty. Der kleine rote Punkt auf der Haut der jungen Frau juckt ein bisschen. Kühlen, das reicht - denkt sie. Doch am nächsten Morgen ist ihre Hand dick, fast doppelt so dick wie normal, die Haut um die Einstichstelle ist tiefrot und bildet Blasen. Die Frau geht zum Notdienst. Der Arzt verordnet Jodsalbe und ein Antibiotikum. Erst langsam lässt die Schwellung nach. Bis die Wunde verheilt ist, dauert es über eine Woche.

Die Zahl der Patienten, die mit solchen Beschwerden zu ihnen kämen, hätte in den letzten zwei Jahren zugenommen, so die Erfahrung von Ärzten des Bereitschaftsdiensts. Die kassenärzliche Vereinigung sieht ebenfalls eine Zunahme von allergischen Reaktionen auf Insektenstiche. Hinzu könnten sogenannte Sekundärinfektionen etwa mit Bakterien kommen.

"Reaktionen auf Mückenstiche sind heftiger geworden"

Sven Klimpel, Zoologe an der Universität Frankfurt mit dem Schwerpunkt Infektionsbiologie, forscht schon lange dazu. Dass Mücken per se aggressiver geworden seien, kann er nicht bestätigen. Es gebe dazu bisher keine fundierten Zahlen. "Aber die Reaktionen auf Mückenstiche sind heftiger geworden, die allergischen Reaktionen haben zugenommen. Unser Immunsystem kennt die Stoffe im Speichel der Mücke nicht und wird aktiv", sagt der Experte.

Reaktionsverstärkend können auch hohe Temperaturen, Bakterien, Pestizide, Allergien oder auch Antibiotika-Resistenzen sein. "Das liegt auch daran, dass wir sehr sauber und hygienisch leben. Daher kennt das Immunsystem bestimmte Stoffe nicht mehr." Dennoch sei es stark und reagiere. Aber deshalb sind die allergischen Reaktionen oft heftiger, 
weil die Immunreaktion dementsprechend lange andauert, so Klimpel. Die Zahl der Mücken könne zudem phasenweise steigen, denn durch hohe Temperaturen und viel Feuchtigkeit erhöhe sich zusätzlich deren Reproduktionszyklus. Im wässrigen Milieu können sich die Larven rascher entwickeln.

Mückenatlas zeigt Verbreitung

Dass es aktuell viele Mücken gibt, zeigt sich auch an der Zahl der Einsendungen für den Mückenatlas. Seit 2012 wird das Portal aufgebaut und liefert Hinweise auf die Verbreitung der heimischen Stechmückenarten und auf eventuell in Deutschland "zuwandernde" exotische Arten. Darunter können auch solche sein, die Krankheitserreger auf den Menschen übertragen können. Bereits jetzt sieht man, dass die invasiven, also eingewanderten Arten, von Süddeutschland aus weiter auf dem Vormarsch sind.

"Aus Thüringen und Hessen haben wir neue Exemplare der asiatischen Tigermücke zugeschickt bekommen", sagte Doreen Walther, Mückenexpertin im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg. Die aus den Tropen stammende Art gilt eigentlich als nicht frostresistent, hat den vergangenen, strengen Winter aber offenbar gut überstanden. Solche Mücken können unter anderem das Dengue-, das Gelbfieber- und das Zika-Virus übertragen.

Übertragung schwerer Krankheiten unwahrscheinlich

Das Robert-Koch-Institut (RKI) rät jedoch zur Sachlichkeit: "Die asiatische Tigermücke kommt in Deutschland sehr, sehr selten und nur in ganz wenigen Regionen, etwa am Oberrhein vor", sagt Susanne Glasmacher, Biologin vom RKI auf Anfrage. Eine Infektion etwa mit Dengue-Fieber durch einen Stich könne nur durch das Zusammenspiel vieler Faktoren entstehen: Die Mücke müsste einen am Fieber erkrankten Patienten stechen, das kurzlebige Virus noch im Blut haben und dann dies auf einen anderen Menschen beim Stich übertragen. Das gleiche gelte beim Zika-Virus oder Malaria. "Es ist nicht ganz ausgeschlossen, aber sehr, sehr unwahrscheinlich, dass eine Mücke in Deutschland eine schwerwiegende Krankheit überträgt."

Dies unterstreicht auch Klimpel: "Die Gefahr, dass von invasiven Mücken hierzulande eine Krankheit übertragen wird, ist extrem gering." Falls doch, werde der Erkrankte in unserem Gesundheitssystem sehr rasch behandelt. Zwar bestätigt auch er, dass es die Tigermücke hierzulande inzwischen gibt, allerdings die asiatische Variante bisher nur sehr vereinzelt. In Südeuropa, in Italien oder Kroatien etwa, sei sie stark vertreten.

Am besten vorbeugen

Am besten ist es natürlich, gar nicht erst gestochen zu werden. Klimpel rät dazu, Mückenschutzmittel zu verwenden und "gut zu duschen", denn Schweiß locke Mücken an. Der Experte empfiehlt ebenfalls, auf Parfüm zu verzichten und lange, helle Kleidung zu tragen. In der Wohnung helfen Fliegengitter. Kurzfristig auch Hausmittel wie Zitronenmelisse.

Wird man trotzdem gestochen und die Haut wird dick, rot und schmerzt, sollte man zum Arzt gehen. So wie jene Frau, die inzwischen wieder ohne Verband und Schwellung ihre Finger bewegen kann.

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