Sie sind hier:

Rücktritt aus Nationalmannschaft - Merkel: Özil-Entscheidung ist zu respektieren

Datum:

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in die Debatte um Mesut Özil eingeschaltet. Sie lobte ihn als "tollen Fußballspieler" - und forderte Engagement im Kampf gegen Rassismus.

Mesut Özil
Quelle: dpa

Der Rücktritt Mesut Özils aus der Fußball-Nationalmannschaft hat eine Debatte um Rassismus und Integration ausgelöst. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel meldet sich aus ihrem Urlaub zu Wort. Ihre Sprecherin Ulrike Demmer lässt ausrichten, die Kanzlerin schätze Mesut Özil sehr. "Er ist ein toller Fußballspieler, der viel für die Fußball-Nationalmannschaft geleistet hat", so Merkel. Er habe nun eine Entscheidung getroffen, "die zu respektieren ist". Nicht bewerten wollte Merkel den Umgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Mesut Özil, der wegen der Bilder mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Kritik steht. "Der DFB handelt autonom", so Merkels Sprecherin.

Özil hatte dem DFB und vor allem dessen Präsidenten Reinhard Grindel schwere Vorwürfe gemacht. Er kritisierte unter anderem, für Grindel und seine Unterstützer sei er nicht voll integriert. "Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen und Einwanderer, wenn wir verlieren", hatte Özil in Richtung Grindel gesagt und damit auch Teilen des DFB Rassismus vorgeworfen. Merkel wollte sich in diese Auseinandersetzung nicht einmischen, grundsätzlich aber erbringe der Sport eine große Integrationsleistung in Deutschland. "Deutschland ist ein weltoffenes Land und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist eine Schlüsselaufgabe der Bundesregierung", so Merkel.

Klingbeil spricht von "schwerwiegendem Vorgang"

Deutlicher positionierte sich SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. "Es ist ein schwerwiegenden Vorgang, dass ein Nationalspieler aus der deutschen Nationalmannschaft zurücktritt, weil er sagt, dass er den Rassismus, den er täglich erlebt, nicht mehr ertragen kann", so Klingbeil. Damit müsse sich die Gesellschaft auseinandersetzen. In den kommenden Tagen werde es sicherlich eine Diskussion geben. "Rassismus ist Gift für unsere Gesellschaft. Und wir werden Rassismus an jeder Stelle zurückweisen müssen." Das Bild Mesut Özils mit dem türkischen Präsidenten Erdogan sei aber durchaus ein Grund für sachliche Kritik.

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), kritisierte das Bild: "Das Foto war falsch und ist falsch", sagte sie im ZDF. Die Kritik dürfe aber nicht umschlagen in eine pauschale Abwertung. Grünen-Politiker Cem Özdemir nannte das Bild "dämlich". "Es gibt genug demokratische Politiker, mit denen er sich ablichten kann", sagte Özdemir in der ARD. Gleichzeitig kritisierte Özdemir aber auch den DFB. "Für den DFB fehlt mir jede Art von Verständnis." Der Verband habe Özil zum Sündenbock für das schlechte Abschneiden bei der Fußball-WM gemacht. Insgesamt habe der DFB unprofessionell gewirkt.

DFB bedauert Özil-Rücktritt

Insbesondere die Kritik an den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel nimmt weiter zu. Der ehemalige DFB-Sprecher Harald Stenger nannte Grindel den "schlechtesten DFB-Präsidenten seit 50 Jahren". Grindel sei "nicht mehr tragbar und haltbar". Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach insgesamt von einem "schweren Rückschlag für die Integration". Özil "war ein großes Vorbild für die jungen Fußballer mit türkischem Migrationshintergrund", sagte er der Agentur SID. Dem widersprach Außenminister Heiko Maas (SPD): "Ich glaube nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland."

Der DFB selber äußerte in einer Mitteilung sein Bedauern über Özils Rücktritt. Den Rassismus-Vorwurf wies der Verband von sich. In seinem Statement hatte Özil Grindel entsprechend kritisiert. Er beklagte sich über ein Statement des DFB-Präsidenten, der vor seiner Zeit an der Spitze des Verbands auch ZDF-Journalist und CDU-Bundestagsabgeordneter war: "Multikulti ist in Wahrheit Kuddelmuddel. Es ist eine Lebenslüge, weil Multikulti in vielen Vierteln eben nur Monokultur geschaffen hat, wo Anreize zur Integration fehlen", hatte Grindel 2004 im Bundestag gesagt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.