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Stichwahl muss entscheiden - Rechtpopulist Favorit für das Präsidentenamt

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Rechtsaußen Jair Bolsonaro hat den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl deutlich gewonnen. Die Stichwahl findet zwischen ihm und Fernando Haddad von der Arbeiterpartei statt.

Jair Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien gewonnen. Er war durch rassistische, sexistische und homophobe Aussagen aufgefallen.

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Der rechtspopulistische Ex-Militär Bolsonaro kam am Sonntag nach Auszählung fast aller abgegebenen Stimmen auf 46 Prozent. Der Zweitplatzierte Haddad erreichte 29,2 Prozent. Bolsonaro und Haddad werden am 28. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Kommentatoren äußerten die Erwartung, dass sich beide Kandidaten der politischen Mitte zuwenden werden, um neue Bündnispartner zu gewinnen.

Bolsonaro beklagt defekte Wahlurnen

Bolsonaro machte Probleme mit den elektronischen Wahlurnen dafür verantwortlich, dass er nicht schon im ersten Wahlgang gesiegt hat. "Das Land steht am Rand des Chaos, wir dürfen den Linken keinen Raum mehr bieten", erklärte er in einer Videobotschaft nach Bekanntgabe des Wahlausgangs. Bolsonaro war Anfang September bei einer Messerattacke eines offenbar verwirrten Einzeltäters verletzt worden und ist seitdem nicht mehr öffentlich aufgetreten.

Fernando Haddad
Hat die schwierige Aufgabe, in der Stichwahl gegen den großen Favoriten Boslonaro anzutreten: Fernando Haddad von der Arbeiterpartei. Quelle: ap

Fernando Haddad von der Arbeiterpartei kündigte an, er werde alle Demokraten des Landes vereinen, um "soziale Gerechtigkeit und ein Brasilien für alle" zu ermöglichen. "Unsere einzige Waffe werden Argumente sein", sagte Haddad mit Blick auf eine Ankündigung Bolsonaros, allen Brasilianern den Zugang zu Waffen zu ermöglichen. Der Mitte-links-Kandidat Ciro Gomes wurde mit 12,5 Prozent Drittplatzierter. Er gab bekannt, im zweiten Wahlgang auf keinen Fall Bolsonaro zu unterstützen. Kein Kandidat der Parteien, die den konservativen Präsidenten Michel Temer unterstützen, erreichte die Fünf-Prozent-Marke. Temer selbst trat nicht an. Er war 2016 nach der Amtsenthebung von Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei ins höchste Staatsamt aufgerückt und hat kaum Rückhalt in der Bevölkerung.

Wirtschaft reagiert erfreut

Die Wirtschaft reagierte enthusiastisch auf das Wahlergebnis. Die Landeswährung Real, die seit Wochen unter starkem Druck steht, gewann drei Prozent an Wert hinzu. Der brasilianische Börsenindex Bovespa legte am Montagvormittag um fünf Prozent zu. Auch für das zukünftige Parlament sowie den Senat, der zu zwei Dritteln neu gewählt wurde, zeichnete sich ein stärkerer Einfluss des rechten Lagers ab. Mehrere Abgeordnetenkandidaten von Bolsonaros Sozialliberaler Partei (PSL) erreichten Rekordergebnisse, darunter sein Sohn Eduardo. Nur im verarmten Nordosten des Landes dominiert die Linke.

Karte: Brasilien
Karte: Brasilien Quelle: ZDF

In den meisten Bundesstaaten dort gewannen die Gouverneurskandidaten der PT oder verbündeter Parteien bereits im ersten Wahlgang. Bolsonaro profitierte offenbar von seinem Image als Anti-System-Kandidat, da viele Brasilianer angesichts endloser Korruptionsskandale der Politikerkaste und dem Establishment misstrauen. Doch es sei ein Fehler, den Rechtspopulisten als politische Alternative anzusehen, erklärte Wagner Ribeiro, Soziologieprofessor an der Universität von São Paulo. "Bolsonaro sitzt seit über 25 Jahren im Parlament und ist Teil der politischen Klasse." Trotz seines systemkritischen Diskurses werde er von traditionellen politischen und liberalen ökonomischen Kräften unterstützt, sagte Ribeiro dem Nachrichtenportal RBA.

Spaltung Brasiliens vertieft sich

Das Wahlergebnis vertieft die Spaltung Brasiliens in zwei entgegengesetzte politische Lager. Bolsonaro vertritt konservative Werte sowie eine liberale Wirtschaftspolitik und lobte mehrfach die Zeit der Militärdiktatur (1964-1985) sowie die Anwendung von Folter. Auch wegen rassistischer und frauenfeindlicher Aussagen ist der 63-Jährige sehr umstritten. Der Mitte-links-Politiker Haddad will die Sozialpolitik der Arbeiterpartei fortsetzen, die in 14 Regierungsjahren (2003-2016) Millionen Bürger aus der Armut holte. Der 55 Jahre alte ehemalige Bürgermeister von São Paulo trat anstelle des inhaftierten Ex-Präsidenten Luis Inácio Lula da Silva an, der aufgrund einer Verurteilung wegen Korruption nicht kandidieren durfte.

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