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100 Jahre Frauenwahlrecht - "Rechtspopulisten nicht attraktiv für Frauen"

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Im heute.de-Interview erklärt die Wahlforscherin Andrea Wolf, weshalb Frauen treue Unionswählerinnen sind und rechtspopulistische Parteien geringere Chancen bei ihnen haben.

Merkel spricht zu 100 Jahre Frauenwahlrecht in Berlin
Merkel spricht zu 100 Jahre Frauenwahlrecht in Berlin
Quelle: dpa

heute.de: Gegen große Widerstände haben sich Frauen im November 1918 das aktive und passive Wahlrecht erkämpft. Wie rege machen Frauen heutzutage – also 100 Jahre später – Gebrauch von ihrem Wahlrecht?

Andrea Wolf: Sie machen genauso sehr davon Gebrauch wie die Männer. Bei der letzten Bundestagswahl etwa hatten wir eine Wahlbeteiligung von gut 76 Prozent sowohl bei Frauen als auch bei Männern. In der Regel gibt es da keine großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.  

heute.de: Wie sieht es bei den Wahlpräferenzen aus?

Wolf: Bei den großen, wahlentscheidenden Themen gibt es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede. Zuletzt haben die Themen Flüchtlinge und Asyl, Schule und Bildung oder auch Renten Frauen und Männer in etwa gleich stark bewegt. Nur im Detail sehen wir, dass Frauen in Umfragen Umwelt-, Bildungs- und Gesundheitsthemen für wichtiger erachten als Männer das tun. Interessant ist zudem, dass Frauen häufiger als Männer die Union wählen. Wir hatten da besonders bei der letzten Bundestagswahl große geschlechtsspezifische Unterschiede: Die Union kam bei den Frauen auf 37 Prozent und bei den Männern nur auf 29 Prozent.

Bundestagswahl 2017: Wen wählten die Frauen
Bundestagswahl 2017: Wen wählten die Frauen

heute.de: Gab es da eine Art "Merkel-Effekt"?

Wolf: Nein, das lässt sich so nicht sagen. Dass die Union bei Frauen erfolgreicher ist, lässt sich bis in die 1950er-Jahre zurückverfolgen. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Zustimmungswerte immer höher als bei den Männern. Insgesamt sehen wir, dass Frauen bei Wahlen stärker auf Kontinuität setzen als die Männer.

heute.de: Welche Parteien stehen bei Frauen in Deutschland außerdem hoch im Kurs, welche weniger?

Wolf: Die Grünen bekommen in der Regel eine stärkere Unterstützung durch Frauen als durch Männer. Bei der SPD und den Linken gibt es dagegen kaum geschlechtsspezifische Unterschiede. Die FDP reüssiert stärker bei Männern als bei Frauen und ganz große geschlechtsspezifische Differenzen sehen wir dann wieder bei der AfD. So kam die AfD bei der letzten Bundestagswahl bei den Männern auf 16 Prozent, bei den Frauen hingegen nur auf 9 Prozent. Ähnlich sieht es auch auf Landesebene aus, wo die AfD viel stärker durch Männer unterstützt wird als durch Frauen. Insgesamt sind rechtspopulistische Parteien in der Regel nicht so attraktiv für Frauen.

Bundestagswahl 2017: Wen wählten die Männer
Bundestagswahl 2017: Wen wählten die Männer

heute.de: Welche Rolle spielen Parteiprogramme, wie wichtig ist die Persönlichkeit der Spitzenkandidaten?

Wolf: Natürlich spielen auch bei Frauen die Themen und Kompetenzen der Parteien eine wichtige Rolle. Hinzu kommen die Koalitionserwartungen: Also wer kann da künftig mit wem regieren? Tatsächlich spielt bei Frauen aber auch die Person des Spitzenkandidaten häufiger eine größere Rolle als bei den Männern. Frauen gewichten also etwas stärker, wer da wie antritt. Spitzenkandidaten, die nicht auf Krawall gebürstet sind, sondern sich durch ein ausgleichendes Auftreten auszeichnen, haben bei Frauen größere Chancen als bei Männern.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

Spitzenpolitikerinnen zum Frauenwahlrecht

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