ZDFheute

Regierung will Konversionstherapien verbieten

Sie sind hier:

"Umpolen" von Homosexuellen - Regierung will Konversionstherapien verbieten

Datum:

Dubiose Methoden zur "Heilung" von Homosexualität sollen verboten werden. Das Bundeskabinett hat dazu einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht. Darum geht es - ein Überblick.

Archiv: Ein Psychotherapeut unterhält sich mit einer Patientin, aufgenommen am am 12.09.2018 in Hamburg
Ein Psychotherapeut unterhält sich mit einer Patientin.
Quelle: dpa

Homosexualität ist keine Krankheit und muss deshalb nicht therapiert werden - das ist seit langem Konsens unter Ärzteorganisationen, Wissenschaftlern und Therapeutenverbänden. Dennoch gibt es auch in Deutschland immer noch Therapieangebote mit dem Ziel, homosexuelle Menschen "umpolen" zu wollen. Das Bundeskabinett hat nun beschlossen, solche Pseudo-Therapien zu verbieten. Der Gesetzentwurf stammt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Was sind Konversionstherapien?

Solche Therapieangebote zielen darauf ab, die homosexuelle Orientierung eines Menschen zu ändern beziehungsweise zu "heilen" und in heterosexuelles beziehungsweise asexuelles Verhalten umzuwandeln. Sie vermitteln den Eindruck, dass Homosexualität eine Erkrankung sei, die korrigiert werden könne. Zu den angebotenen Behandlungen gehören neben der Psychotherapie unter anderem Lichttherapie, Homöopathie und offenbar auch Elektroschocktherapie.

Wie ist der wissenschaftliche Stand?

Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Konversionstherapien. Im Gegenteil können solche Behandlungen nach Auffassung von Experten schwerwiegende psychische Belastungen wie Depressionen, Ängste und soziale Isolation bis hin zu einem erhöhten Suizidrisiko nach sich ziehen.

Wie sehen die internationalen Reaktionen aus?

Viele internationale und auch deutsche Organisationen haben sich klar gegen solche Therapieverfahren ausgesprochen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strich Homosexualität bereits 1990 von der Liste psychischer Erkrankungen. Der Weltärztebund, dem auch die Bundesärztekammer angehört, bezeichnete gegen Homosexualität gerichtete Therapien als "ernste Gefährdung für die Gesundheit und die Menschenrechte".

Auch der Deutsche Ärztetag sprach sich 2014 gegen jegliche Stigmatisierung und Benachteiligung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierungen aus. Konversionstherapien, die behaupteten, Homosexualität in heterosexuelles Verhalten umwandeln zu können, seien abzulehnen. Als erstes europäisches Land verbot Malta 2015 solche Behandlungsmethoden, auch in Brasilien und mehreren US-Bundesstaaten gibt es solche Verbote.

Was sehen Spahns Gesetzespläne vor?

Gesundheitsminister Spahn will solche Therapien bei unter 18-Jährigen generell verbieten. Das Verbot soll zudem grundsätzlich gelten, wenn Erwachsene einem "Willensmangel" unterliegen - etwa durch Täuschung, Irrtum, Zwang oder Drohung. Das trifft zum Beispiel zu, wenn jemand über den therapeutischen Nutzen getäuscht oder nicht ausreichend über Risiken aufgeklärt wird. Verboten werden das Anbieten, Bewerben oder Vermitteln solcher Behandlungen.

Verstöße gegen das neue Gesetz sollen demnach mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder hohen Bußgeldern geahndet werden. Das Gesundheitsministerium räumt dabei in seinem Entwurf den Interessen der Betroffenen Vorrang ein vor der mit einem Verbot einhergehenden Einschränkung der Berufsfreiheit der Behandelnden.

Wer bietet solche Therapien an?

Das geschieht Kritikern zufolge oft verdeckt und meist im evangelikalen Spektrum, wobei sich auch dort kritische Stimmen mehrten. Der Bund Katholischer Ärzte (BKÄ) schreibt auf seiner Webseite ganz offen, es gebe "religiöse, psychotherapeutische und medizinisch-homöopathische Möglichkeiten der "Behandlung" bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen".

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.