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Immobilienbranche - Wohnungsbau: Zu wenig und zu teuer

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Immobilienbranche und Regierung sind sich einig: Es gibt zu wenig Wohnungen - zumal bezahlbare. Längst sei das Problem in der Mittelschicht angekommen. Die Wirtschaft ruft nach mehr Bauland und weniger Bürokratie, die Regierung stellt mehr Wohngeld in Aussicht.

Die wirkungslose Mietpreisbremse

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In Deutschland werden aktuell so viele Wohnungen gebaut wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr - aber es reicht nicht. Der Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) stellte am Mittwoch Berechnungen vor, wonach seit 2009 eine Million Wohnungen zu wenig gebaut wurden.

Zwar wurden demnach im vergangenen Jahr rund 278.000 Wohnungen fertiggestellt - allerdings war nur ein Teil davon zur Miete. Dem Mieterbund spricht von 53.000 neuen Mietwohnungen im Jahr 2016, die Mitgliedsunternehmen des GdW zählt knapp 20.000. In diesem Jahr sollen es rund 28.000 werden.

Es reicht nicht aus

Immobilienwirtschaft und Regierung sind sich einig: Das ist zu wenig, um die Probleme auf dem Wohnungsmarkt zu lösen. "Die aktuelle Angebotssteigerung reicht jedoch nicht aus, um die Nachfrage und das in den vergangenen Jahren entstandene Neubaudefizit zu decken", heißt es im Wohngeld- und Mietenbericht, den das Kabinett am Mittwoch beriet.

In immer mehr Städten und Gemeinden komme es daher zu regionalen Wohnungsengpässen, steigenden Mieten und hohen Preisen für Wohneigentum. Der Bericht aus dem Haus von Bauministerin Barbara Hendricks hält zudem fest: "Davon sind immer mehr Haushalte betroffen, zunehmend auch Haushalte mit mittleren Einkommen."

"Zu wenig und zu teuer"

Das sieht auch der GdW so. "Wir haben in Deutschland eine Situation erreicht, wo der normale Durchschnittsverdiener nicht mehr in der Lage ist, eine Neubauwohnung zu bezahlen", sagte Verbandschef Axel Gedaschko. Es werde "zu wenig und zu teuer gebaut". Entsprechend verlangt die Wohnungswirtschaft mehr Unterstützung der öffentlichen Hand für bezahlbares Bauen - sprich: mehr Bauland und schnellere Genehmigungsverfahren.

Dem Mangel an Bauland sieht auch der Regierungsbericht als "entscheidenden Engpassfaktor". Der Staat sei gefordert und müsse mit gutem Vorbild vorangehen, sagte Ministerin Hendricks. "Wir benötigen günstige Grundstücksflächen für die Schaffung von Wohnungen, insbesondere auch im sozialen Wohnungsbau."

Der Bericht der Regierung empfiehlt zudem eine regelmäßige Anpassung des Wohngelds an die Mieten- und Preisentwicklung. Das sollte alle zwei Jahre geschehen, sagte die SPD-Politikerin. Nur so könne sichergestellt werden, dass nicht Tausende Familien in die Grundsicherung abrutschen oder aus ihrem vertrauten Umfeld wegziehen müssen.

Mieterbund: Sozialer Zündstoff

Der Deutsche Mieterbund warnte durch die Entwicklung vor sozialen Problemen. "Die Wohnungsprobleme bergen enormen sozialen Zündstoff", sagte Bundesdirektor Lukas Siebenkotten. Gerade in Groß- und Universitätsstädten stiegen die Mieten "ungebremst".

Gründe für den gestiegenen Bedarf an Wohnungen waren dem GdW zufolge, dass die deutsche Bevölkerung seit 2009 um 2,5 Millionen Menschen wuchs - insbesondere durch Zuwanderung. Auch zogen immer mehr Menschen in wenige Ballungsräume. Wer in Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart, Düsseldorf, Köln oder München wohnt, gibt teilweise mehr als ein Drittel seines Einkommens für die Warmmiete aus.

Jetzt auch Wahlkampfthema

Hendricks schätzt, dass in den kommenden Jahren jeweils rund 350.000 neue Wohneinheiten entstehen müssten, um den Bedarf zu decken. GdW und Mieterbund sprechen von 400.000 Einheiten.

Union und SPD haben dem Thema viel Platz in ihren Wahlprogrammen eingeräumt. Die SPD will ein Familienbaugeld einführen, um den Kauf von Eigentum für Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen zu erleichtern. Zudem soll die sogenannte Mietpreisbremse verschärft werden, mit der Erhöhungen durch die Eigentümer gedrosselt werden sollen. Die Union sagt: "Wohnungsbau ist der beste Mieterschutz." So sollen Vorschriften am Bau ausgedünnt und Kosten gesenkt werden. Ferner sind Steuervergünstigungen für Bauherren geplant. Ein Baukindergeld von 12.00 Euro über zehn Jahre soll Familien beim Kauf helfen.

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